Er erwachte an einem herrlichen Montag Morgen. Es war 10:00 Uhr und die ersten Sonnenstrahlen kitzelten sein Gesicht. Ein Blick aus dem Fenster.
Schönes Wetter, die Sonne scheinte und ein laues Frühlingslüftchen kam in das Schlafzimmer. Man könnte nun vermuten, dass auf dem Kalender vermutlich März oder April zu lesen sei, aber nein, es ist Februar. Der 17.02.2014, um genau zu sein.
Seit nun mittlerweile einem Monat war er zu Hause. Das Studium abgebrochen, aus den Vereinen ausgetreten. Ein inneres Gefühl der Abgebranntheit. Perspektivlosigkeit.
Er fühlte sich sehr müde, die Arme und Beine schwer, die Nacht trotz ausreichender Schlafphase zu kurz.
"Guten Morgen! Gut geschlafen?", flötete es aus dem Wohnzimmer. Seine Frau, momentan im Urlaub saß auf der Couch und hatte die Tageszeitung bereits durchgelesen.
"Wusstest du, dass die Musikhochschulen weiter sparen und teilweise geschlossen werden sollen?", fragte sie. Belanglose Tagesthemen. Er war so demotiviert.
"Jaja, war ja klar..". Eisernes Schweigen. Der morgendliche Kaffee war zu stark, zu viel Milch, zu wenig Zucker. Düsterer Pessimismus. Wie lange seine Frau es wohl noch mit ihn aushalten würde? Vermutlich nicht mehr allzu lange. Egal, das hat doch sowieso alles keinen Wert mehr.
Suizidgedanken? Jeden Tag. Aber lohnt sich das? Nein.
"Es gibt immer Licht am Ende des Tunnels", haben sie ihm gesagt. Lustig, genau die Menschen, die einen gut bezahlten Job, ein eigenes Haus und Familie haben und keine Existenängste leiden müssen.
Schon klar, die können ja auch leicht Reden haben. Noch nie in der Situation gewesen, einen aalglatten Lebenslauf und ein direkter Berufseinstieg, das ist eben nicht jedem vergönnt und manchmal macht das Leben eben den ein oder anderen Umweg.
War das etwa ein Funke Optimismus in der Tristesse des täglichen Allerlei? Vielleicht. Er wusste jedenfalls, dass es so in vielerlei Hinsicht keinesfalls weitergehen konnte.
Aber was tut man, wenn man von den Besten eines Abiturjahrgangs so tief fällt?
Wieder studieren? Von den Aufnahmebedingungen her wäre jedenfalls so gut wie jeder Studiengang denkbar, aber weiter Schulden durch Studienförderung machen? Nacher wieder etwas studieren, was später an genau dieser Stelle aber dafür mit einem Studienabschluss endet?
So viele Fragen und so wenige Antworten.
Zwei Schritte, die jetzt zu erledigen waren: Den Kleinanzeiger und den Studienführer durcharbeiten und verzweifelt nach Perspektiven suchen. Archäologie, Mathematik, Lehramt, Biologie, Chemie, Physik. Die Interessen sind breit gefächert, die Berufsaussichten dafür umso enger.
Eine Ausbildung! Aber als was?
Grimmig wirft er den Krempel in die Ecke. Zu Hause sitzen als "Krone der Schöpfung"? Der Versager im Freundes- und Bekanntenkreis.
Langsam dämmerte ihm, dass es vielleicht weniger der Druck von Außen wie der Vorwurf vor sich selbst versagt zu haben, ihm derart zusetzte.
Gefangenschaft. Angst. Die Enge. Genau dieser Zugzwang. Die Mischung aus dem Druck von Außen und dem, den man sich selbst macht, der zerstört den Menschen langsam aber sicher.
Er hatte das Selbstvertrauen verloren, das Selbstwertgefühl auf dem niedrigsten Level, was man sich vorstellen kann.
Plötzlich wurde ihm alles klar, es fiel ihm praktisch wie Schuppen von den Augen. Er wusste genau, was jetzt zu tun war, um sein Leben in den Griff zu bekommen.
Er zog sich an, packte allerlei Dokumente zusammen und ging zur Tür hinaus direkt in die schönen Sonnenstrahlen dieses wunderbaren Vormittags.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Kennst/Kennen Du/Sie vielleicht eine ähnliche Situation aus Deinem/Ihren Leben? (Hierbei sei anzumerken, dass die Geschichte teilweise fiktional, stellenweise aber so passiert ist.)
Was wird der Protagonist jetzt wohl tun?
Ist wirklich der Druck, welchen man sich selbst macht, der zerstörerische? Oder ist der Druck von Außen in Wahrheit noch viel schlimmer?
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