Susanna wollte weg, einfach nur weg. Ihre Eltern gingen ihr permanent auf die Nerven, das Dorf, in dem die Familie wohnte, langweilte und die Geschwister wollten nichts mir ihr zu tun haben.
Susanna war 18 Jahre alt und hatte im Frühjahr ihr Abitur bestanden.
Sie hielt ihre eigene Familie für zu perfekt. Die Eltern stritten sich nie, ihre Geschwister waren richtige Musterschüler. Und sie selbst? Sie war das schwarze Schaf der Familie. Sie hatte keine schlechten Noten, stach aber auch nicht mit besonderen Leistungen heraus, was ihre Eltern ihr immer wieder ankreideten.
"Willst du nicht noch ein Ehrenamt übernehmen? Dich im Verein engagieren?", "Nur ein 2,0 Schnitt? Schau dir doch deine Schwester Rebecca oder deinen Bruder Ruben an, die glänzen mit ihren Noten!".
Susannas Großeltern waren schon viele Jahre gestorben und Kontakt zum Rest ihrer Familie gab es nicht. Sie hatte sich einen stabilen Freundeskreis aufgebaut, aber nie konnte sie auch nur einen Fuß über die Schwelle der Haustüre setzen, ohne dass ihre Eltern versuchten, sie aufzuhalten.
"Mit wem triffst du dich? Aber wohl hoffentlich mit Jessica und Rainer? Die sind doch kein Umgang für dich, Kind". Gut, manchmal schlugen die Freunde von Susanna ein wenig über die Stränge, aber sie waren keinesfalls kriminell oder straftätig, wie ihre Eltern sie gerne bezeichneten.
Schon mit Beginn ihres sechzehnten Lebensjahres war für Susanna eines klar: Das Abitur über die Bühne bringen und ausziehen. Was sie machen wollte? Entweder Schauspiel studieren oder eine Ausbildung zur Tanzlehrerin machen. Doch auch dies versuchten ihre Eltern ihr tagtäglich madig zu machen.
"Ach, Schauspiel ist brotlose Kunst. Du siehst doch selbst, dass selbst mittelbekannte Schauspieler auf Hilfe angewiesen sind und das Tanzen ist doch nicht mehr als ein Hobby. Mach doch lieber etwas richtiges. Studier doch BWL oder Medizin!".
Susanna konnte es nicht mehr hören. Von klein auf hatten ihre Eltern versucht, sie und ihre Geschwister auf Erfolg zu polen. Ihr Bruder Ruben war bereits 20 und hatte nach seinem Traumabitur mit Auszeichnung begonnen, Medizin zu studieren. Nebenbei war er noch im lokalen Sportverein aktiv und hatte zahlreiche Ehrenämter in der Gemeinde inne. Glücklich machte ihn die Situation jedoch nur eingeschränkt: Er hatte nie richtige Freundschaften schließen können, da er stets lernen musste, wenn alle anderen Kinder im Freibad entspannten oder im Winter Rodeln gingen.
Susanna hatte ihn schon oft darauf angesprochen, ob er nicht einfach ausbrechen wolle, doch er antwortete immer, dass er ihre Eltern nicht enttäuschen könne und der Zug mit den großen Freundschaften sowieso abgefahren sei.
Susannas' Schwester Rebecca war ein Jahr jünger als sie und war bereits Mitglied in einem Physikerverband sowie einer großen regionalen Partei. Sie war aktiv in einem Musikverein sowie dem örtlichen Gemeinderat. Sie war außerdem auf dem Weg, das Abitur als Stufenbeste abzulegen.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass sich Susannas' Abiturschnitt wohl um eine 2,0 herum bewegen würde, waren die Eltern sichtlich geknickt.
"Was haben wir bei dir nur falsch gemacht? Wieso bist du nicht so wie deine Geschwister?".
Der Tag der Zeugnisübergabe rückte näher und die Familie war gerade auf dem Abschlussball von Susanna. Schon den ganzen Abend wäre Susanna am liebsten weggelaufen. Ihre Eltern wollten nicht zu den Eltern ihrer Freunde sitzen, redeten ständig schlecht über Susannas' Leistungen und waren die ersten, die die Veranstaltung wieder verließen.
Susanna war sichtlich geknickt und in ihr stieg der Drang, so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Sie bewarb sich schon eine Woche später auf diversen Schauspiel- und Tanzschulen. Auf Anraten ihrer Eltern tat sie ihnen den Gefallen und bewarb sich parallel für ein Medizin- und ein BWL-Studium.
Sehr schnell bekam Susanna sowohl eine Zusage für ein Schauspielstudium in Köln, sowie ein BWL-Studium in Ulm. Doch was sollte Susanna nun tun?
Hier wird die Geschichte interaktiv und ich habe mir überlegt, 2 verschiedene Versionen für die weiterführende Handlung zu schreiben.
Version 1: Susanna in Ulm
Susanna ließ sich in letzter Instanz von ihren Eltern und ihrem Bruder dazu überreden, das BWL-Studium aufzunehmen. Sie hatte so den großen Vorteil, dass ihre Eltern nun bereit waren, die Finanzierung des Studiums und einer Wohnung zu übernehmen. So hatte sie in Ulm ihr eigenes kleines Appartement bekommen und musste sich keine Sorgen machen, was das Geld anbelangte.
Jedoch war das Studium die reinste Hölle für sie. Sie hatte sich im Voraus sehr wohl informiert und gedacht, dass es so schlimm schon nicht werden würde, doch sie sollte vom genauen Gegenteil überzeugt werden: Wirtschaft war schon in der Schule nie ihr Lieblingsfach gewesen und jetzt sollte sie ihr ganzes Leben in irgeneinem langweiligen Bürojob blieben? Schon ein halbes Jahr nach Studienbeginn wusste Susanna genau, dass es so keinen Wert hatte. Aber abbrechen konnte sie nicht, dafür war sie schon zu weit gegangen. Sie vertraute sich mit ihren Problemen Ruben an.
Der offenbarte Susanna sein schreckliches Geheimnis: Ihm ging es nicht anders als ihr. Er hasste sein Studium, er wollte nie Arzt werden. Die Vereinsarbeit und sämtliche Ehrenämter waren ihm schon von Anfang an auf die Nerven gegangen. Einen Rückzieher sollte es jetzt jedoch keinen mehr geben, nachdem er schon 6 Semester an seinem Medizinstudium saß.
Susanna begriff jetzt, dass es so bei ihr nicht weitergehen konnte. Sie ging nicht zu den Prüfungen am Ende des Semesters und erhielt so automatisch eine 5,0 in jedem Fach, woraufhin sie der Hochschule verwiesen wurde. Sie beschloss, zu fliehen und zwar nach Amerika. Sie packte ihre Sachen und kündigte den Mietvertrag eigenmächtig. Sie nahm alles Geld, was sie hatte und spielte ihren Eltern vor, das zweite Semester als Auslandssemester in Amerika zubringen zu wollen.
Sie nahm schon den nächsten Flug nach Kalifornien. Was sie genau machen wollte, das wusste sie nicht genau. Ihr Englisch war nie sonderlich gut gewesen und richtig arbeiten konnte sie in Amerika auch nicht, da ihr die Green Card fehlte.
Doch diese Probleme interessierten Susanna in diesem Moment nicht, sie verließ in einer Nacht und Nebelaktion Deutschland und quartierte sich in Kalifornien in die billigste Absteige ein, die sie bekommen konnte.
Hier lernte sie, was es hieß, ohne Familie und Unterstützung selbstständig machen zu wollen. Sie lebte Tür an Tür mit Drogendealern und potenziellen Straftätern. Die Polizei klopfte nicht nur einmal mitten in der Nacht an ihre Türe und stellte ihr ganzes Zimmer auf den Kopf.
Ihr war klar, dass sie Arbeit finden musste, denn auch ihre Eltern schienen misstrauisch geworden zu sein. Denn nachdem sich Susanna Monate nicht gemeldet hatte, stellten sie sämtliche Zahlungen komplett ein. Es war ihr in diesem Moment völlig egal gewesen. Sie wollte komplett unabhängig sein und risktierte im selben Moment, komplett abzurutschen. Doch das wollte Susanna in diesem Moment nicht wahrhaben.
Sie jobbte hier und dort. Mal schwarz als Kellnerin in einer Bar, mal als Putzfrau im Hostel, in dem sie wohnte. Doch es reichte hinten und vorne nicht. Was sollte sie jetzt tun? Bei ihren Eltern zu Kreuze kriechen? "Die würden mir doch eh' nicht verzeihen", dachte sie.
Sie versuchte, an eine Arbeitserlaubnis zu kommen, wurde jedoch mehrfach abgelehnt. Es gab jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Die Wahrheit sagen und zurückkehren oder weiterhin illegal arbeiten und riskieren, in die Kriminalität abzurutschen. Doch Susanna war zu stolz, auf ihre Eltern einen Schritt zuzugehen. Zu groß war gleichzeitig ihre Angst, von ihren Eltern verspottet und verstoßen zu werden.
Doch es kam, wie es kommen musste: Als Susanna eines Abends ihre Schicht in einer Spielunke, in der mehrere illegale Einwanderer arbeiteten, antreten wollte, stand die Polizei vor der Tür und wollte ihre Arbeitserlaubnis sehen.
In ihrer Panik war Susanna mit einigen anderen Bardamen durch die Toilette auf die Straße geflohen. Was dann passierte, das weiß niemand so genau. Die Polizisten hatten die Gruppe über eine Stunde hinweg verfolgt und Schüsse waren gefallen.
Alle fünf Bardamen hatten die Flucht nicht überlebt, einschließlich Susanna. Als ihre Eltern dies erfuhren, wurde ihnen schlagartig bewusst, dass sie so nie mit ihrer Tochter hätten umgehen dürfen. Doch diese Einsicht kam leider zu spät und keiner der Polizisten, die Susanna und ihre Kolleginnen getötet hatten, wurde stafrechtlich belangt.
Ende (1)
Version 2: Susanna als Schauspielstudentin
Susanna ließ sich von ihren Eltern nicht beirren und beschloss, Schauspielerin zu werden. Trotz starken Widerwillens bezahlten ihre Eltern ihr ein WG-Zimmer in Köln. Trotz der ein oder anderen Hürde, die sie zu bewältigen hatte, genoss Susanna ihr neues Leben in vollen Zügen.
Es war wahrlich nicht einfach, in so einer teuren Stadt wie Köln einen adäquaten Nebenjob zu finden, doch Susanna fand schließlich als Aushilfe in einem Restaurant eine guten Weg, problemlos über die Runden zu kommen.
Das Studium machte Susanna sehr viel Spaß. Sich selbst immer wieder neu zu erfinden, andere Rollen zu testen, die verschiedensten Gefühle möglichst effektvoll darzustellen, genau das war schon immer ein Traum von ihr gewesen.
Sie fand bei ihren Schauspielkollegen schnell Anschluss und war nie allein. Doch ihre Eltern wollten nicht aufgeben, Susanna zu bekehren. Ständig erhielt sie Anrufe und Briefe, in denen sie aufgefordert wurde, ihre Träume beizubehalten aber doch bitte etwas anständiges zu machen, um "keine Schande über die Familie zu bringen".
Doch sie lebte ihren Traum und war in ihrem Leben nie von etwas mehr überzeugt als von der Idee, Schauspielerin zu werden.
Susanna war die Jahrgangsbeste und am Tag des Abschlusses kamen sogar ihre Eltern zu der kleinen Vorstellung im Rahmen der Absolventen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, so aufgeregt war sie, ihren Eltern endlich zu beweisen, dass ihr Ziel mehr als nur ein Luftschloss gewesen war.
Das Stück, welches aufgefürt wurde, war eine moderne Interpretation von Friedrich Dürrenmatts Drama "Der Besuch der alten Dame" und Susanna spielte die Hauptrolle: Die alte Dame.
Die Vorstellung war ein großer Erfolg. Alle Schauspielstudenten gingen in ihren Rollen förmlich auf und die Professoren und Angehörige, welche sich das Drama angesehen hatten, überschüttete die Gruppe mit Lob.
Auch Susannas' Eltern erkannten, dass in ihrer Tochter ein sehr großes Potenzial steckte und dass sie all die Jahre mit ihren Kindern falsch umgegangen waren. Sie entschuldigten sich in aller Form bei ihr und versprachen ihr, sie in allen Situationen von nun an fest zu unterstützen.
Die Familie verbrachte einen gemeinsamen Urlaub und in den folgenden Jahren wirkte Susanna zwar in einigen Filmproduktionen mit, studierte aber parallel zur Schauspielerei doch noch "International Business". Sie arbeitete später in einer großen Produktionsfirma als Vorstandsmitglied und Schauspielerin. Sie hatte erkannt, dass es nicht richtig gewesen war, sich ihren Eltern derart zu widersetzen und ihre Eltern hatten erkannt, dass das Drillen auf Leistung eigentlich vollkommen unnötig war. Ruben beendete trotz allem Widerwillen dennoch sein Medizinstudium und schlug den Weg in die Forschung ein. Susannas' Schwester wollte Lehrerin werden und nahm nach ihrem Abitur ein Lehramtsstudium auf, was von ihren Eltern zwar kritisch begutachtet, aber akzeptiert wurde.
Ende (2)
Hier werde ich Kurzgeschichten veröffentlichen, die manchmal autobiografische Elemente beinhalten, manchmal aber auch einfach eine Fiktion zu einem Thema, das ich gerne aufgreifen wollte, darstellen. Jede Geschichte enthält ihre Schlussmoral ;)
Freitag, 7. März 2014
Montag, 3. März 2014
Lehrer werden ist nicht schwer - Lehrer sein dagegen sehr
"Jörg Hansen mein Name, ich bin euer neuer Referendar". Doch die Klasse nahm keinerlei Notiz von mir. Gerade hatte ich mein Lehramtsstudium mit dem Staatsexamen beendet und war motiviert in diese Schule gegangen. Ich unterrichte Geschichte, Englisch sowie Biologie und habe ursprünglich das Studium aufgenommen, da ich mit meinen Lehrern sehr oft schlechte Erfahrungen gemacht habe.
Da sitzen die verschiedensten Sorten von Lehrern in so einem Lehrerzimmer. Besser wie in jedem Zoo kann man dort die verschiedensten Spezies beobachten. Voller Stolz präsentiere ich nun meine Recherchen, mit deinen ich ein Buch über die Systematik von Lehrern schreiben könnte:
Beginnen möchte ich mit den Lehrern, die eigentlich gar keine Kinder mochten. Diese kommen dann jeden Morgen total brummig in das Klassenzimmer und lassen ihre Schulstunde wie vom Band ablaufen. Zwischenfragen waren nicht geduldet und dementsprechend sind die Notenschnitte in jeder Klassenarbeit unteriridisch. Diese Sorte von Lehrer versteht dies aber nicht und wundert sich, warum die Eltern irgendwann alarmiert Sturm laufen, da es reihenweise Kinder gibt, die wegen diesem Lehrer in den Bereich der Versetzungsgefährdung rutschen.
Dann gibt es die Lehrer, die ich persönlich mit der Überschrift "Don't worry, be happy" oder "YOLO" betiteln würde. Diese wissen eigentlich selbst nicht so recht, warum sie in der Schule sitzen. Selbst hatten sie in ihrer Schulzeit weniger mit ihrem eigenen Wissen geglänzt, als mit irgendeiner pseudo-"coolen" Aktion, bei der sie beinahe das Schulhaus niedergebrannt hatten. Heute machen sie sich ein schönes Leben auf A13 und legen Arzttermine nicht selten auf eine Unterrichtsstunde, anstatt Goethe und Schiller durchzukauen. "Find' ich ja auch öde, die Kinder werden schon ihre Beschäftigung finden."
Die dritte Gruppe, die uns als Schülern das Leben zur Hölle gemacht hat waren die, die wohl selbst nie Schüler gewesen waren oder denen im Studium als Leitsatz "Je mehr, desto besser!", vermittelt wurde. Dieser Typus kam mit einer Tonne Unterrichtsmaterial in das Klassenzimmer gestürmt, immer schon 5 Minuten zu früh, es könnte ja etwas verpasst werden. Der Unterricht war dann ebenso vollgepackt wie ihre Reden. Ist es möglich, 45 Minuten ohne Unterbrechung zu reden? Ja, denn diese Gruppe Lehrer kann das. Aber offenbar reichen 5 Seiten Tafelanschrieb, 10 Arbeitsblätter und ein halbes Schulbuch pro Stunde nicht aus. Die ohnehin schon vollkommen überforderten Schüler sollen dann am besten auf gestern noch ein 20-seitiges Essay verfassen, in dem die frühgeschichtliche Pädagogik im alten Rom mit Bezug auf das heutige System in Griechenland dargestellt werden soll. Aber wehe, es sind nicht alle Quellen angegeben oder es hat sich ein inhaltlicher Fehler eingeschlichen. Denn dieser Lehrer ist darauf ausgelegt, sehr penibel und genau zu sein, was ihn dazu führt, dass er in 5 Wochen noch auf dem kleinsten Fehler herumreitet.
Die nächste Gruppe, die ich gerne vorstellen möchte sind die "Frauen-/Männerrechtler". Diese sind als Frauen total emanzipiert und lassen dies die männlichen Kursteilnehmer spüren. Denn eigentlich hat in der modernen Gesellschaft die Frau die Hosen an. Nach ihrem narzisstischen Weltbild sollten Männer ähnlich wie in einem Bienenstock nur als minderwertige Drohnen und zum Erhalt der Frauenwelt dienen. Bei Klassenarbeiten liest sie gerne die neueste Ausgabe der 'Emma'. Es gibt ein seltenes Analogon zu Männern, die entweder mit einem Mann verheiratet sind oder sich zu Hause von ihrer Ehefrau verprügeln lassen müssen. Diese hassen alles in ihrer Klasse, was Brüste hat oder noch welche bekommt und ist einer Organisation für unterdrückte Männer. Während die Frauenrechtlerin durch ihr starkes Auftreten und ihren militärischen Befehlston auffällt, ist der Männerrechtler mehr wie ein Schatten an der Wand, den man bei Eintritt in den Klassenraum gar nicht sofort bemerken kann. Bei beiden hat jeweils das andere Geschlecht die schlechtesten Noten oder muss ständig Strafarbeiten machen.
Ebenfalls einen Namen in der Schülerlandschaft hat sich der "Nachkriegsveteran" gemacht. Er ist meinstens männlich und steht schon kurz vor der Pensionierung (oder vielleicht auch schon 5 Jahre darüber?). Er liebt es, in seinen Unterrichtsstunden alte Geschichten von der Front zu erzählen. Dabei spielt es keine Rolle, was er genau unterrichtet, denn selbst in Biologie kann man anstatt über die öde Primula veris lieber darüber reden, wie es in Schützengraben damals ausgesehen hatte. Der Lehrer erzielt mit die besten Noten der ganzen Schule. Wie soll er denn auch schlechte Zensuren vergeben? Hat man bei ihm keinen Geschichtsunterricht, hat man sowieso die wenigste Zeit etwas klausurrelevantes gelernt.
Nicht zu vernachlässigen ist die Gruppe der "politischen Fanatiker". Diese sind gerne Lehrer für dieses Fach, können aber auch Sport oder bildende Kunst unterrichten. Diese Gruppe von Lehrern hat die Gabe, ihre politische Meinung immer wieder geschickt irgendwo zu verstecken. Man muss sie allerdings anhand ihrer Gesinnung noch einmal in verschiedene Familien unterteilen:
1.) Der/Die Linke: Diese Gruppe von Lehrern sieht in jedem Kommentar, der nur in die Richtung von Mitbürgern geht eine Verschwörung von Rechts. In einer Präsentation heißt das dann nicht "Schwarze" sondern "stark pigmentierte Mitbürger", sonst gibt's Abzug. Sie liegen im ewigen Clinch mit "den Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Die verfeindete Gruppe "der Linken". Diese sehen in allen ausländischen Schülern eine Gefahr für das eigene Kulturgut und scheuen nicht davor zurück diese, zum Beispiel anhand ihrer Noten, zu diskriminieren. Dass ihre Kleidung aber aus Bangladesch stammt und sie am liebsten Baguette oder Croissant frühstücken, dass ignoriert diese Gruppe gerne. Denn ähnlich wie "die Grünen" kaufen diese Lehrer ihre Hemden nur aus deutschen Nähereien und essen in Wahrheit "Stangenweißbrot" und "Hörnchen".
3.) Der/Die Grüne: Definitiv noch die harmloseste aller politischen Lehrergruppierungen. Diese wollen zwar alles verbieten, was nicht aus nachhaltigem-bio-ökö-kontrolliertem Anbau stammt, treten ihren Schülern gegenüber aber weit friedlicher auf. Sie berichten in ihren Stunden gerne über ihre letzte Anti-Atomkraft-Demo oder wie sie ein Genmaisfeld vernichtet haben, aber die Schüler, die das nicht interessiert, dürfen den Klassenraum verlassen oder Musik hören. In die Angriffsformen gehen solche Lehrer erst über, wenn sie öffentlich mit Fakten konfrontiert werden, die gegen erneuerbare Energien oder für Atomkraft sprechen. Diese Schüler haben dann das Schuljahr über Redeverbot und erhalten die schlechtesten Noten.
4.) Die "Politik-ist-schwachsinnig"-Familie: Diese hassen die oben genannten und gehören streng genommen eigentlich nicht zur Gruppe der Fanatiker. Denn wie sie wissen, haben sie keinen Einfluss auf sämtliches Staatsgeschehen und gehen in der Regel nicht zu den Wahlen. Den Politikteil in der Zeitung überlesen diese Lehrer getrost, denn es gibt wichtigeres im Leben, zum Beispiel die Sport- oder Kulturrubrik der regionalen Umschau.
Weg von der Politik, hin zu den Verhaltensweisen im speziellen, denn dort verbreitet die Gruppe der "Sympathisanten" Angst und Schrecken. Doch hier muss man in der unterscheidung extrem aufpassen, denn es gibt 2 Familien von ihnen:
Bei der ersten Hälfte bezieht sich das "sympathisch" keinesfalls auf den Lehrer, sondern auf dessen Angewohnheit, seine Schüler nach Sympathie zu selektieren. Hat der Lehrer seine Lieblingsschüler von seinen unbeliebten Schülern differenziert, kann man in den Klassenarbeiten getrost auf das Lernen verzichten. Egal was man schreibt, irgendwie ist es entweder alles richtig oder alles falsch. Man kann sich noch so oft im Unterricht melden und noch so gute Thesen aufstellen, wenn man unbeliebt ist, dann kommt man nicht über eine 3+ als mündliche Tendenz.
Die zweite Familie der "Sympathisanten" ist der beste Freund des Schülers. Er sucht instinktiv die Nähe seiner Klasse und versucht so ungezwungen und lässig aufzutreten, wie nur irgend möglich. Viele Schüler lassen sich davon blenden und sind dann total begeistert von diesem Lehrer und himmeln ihn regelrecht an. Jedoch hat dieser Lehrer seine ganz eigenen Ziele. Entweder möchte er in Wahrheit seine Kollegen in die Pfanne reiten und sucht nur nach Geschichten über sie oder er zeigt in den Klassenarbeiten sein wahres Gesicht. Doch er hat immer einen Trumpf. "Ne 5? Ist doch total egal, Herr Kühne ist trotzdem cool!".
Die vorletzte Gruppe, die mir bei meinen Recherchen untergekommen ist, sind die "Frustrierten". Diese haben den Alterszenit bereits überschritten und entwickeln starke Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihren jungen Schülerinnen und Schüler, mit denen sie einfach nicht mehr mithalten können. Entweder versuchen sie dann krampfhaft, zu den "Junggebliebenen" zu gehören und setzen alles daran, sich in die "Sympathisanten"-Gruppe zu quetschen. Einige flüchten sich dann in eine Mischung aus Nachkriegsveteran und Politiker und zeigen ihren Schülern deutlich, dass sie das Interesse am Lehrberuf verloren haben und eigentlich nur noch auf die Pensionierung warten.
Abschließen möchte ich meinen Bericht mit einer sehr exotischen Gruppe, da sie in den Augen der Schüler praktisch nie ihr wahres Gesicht zeigen: Die Königinnen und Könige der Doppelmoral.
Diese predigen in ihren Unterrichtsstunden über Nächstenliebe und für soziale Aktivitäten und versuchen, jeden ihrer Schüler in Schutz zu nehmen. Hinter verschlossenen Türen, also ab der Schwelle des Lehrerzimmers, setzen Vertreter aus dieser Gruppe dann ihre Maske ab und lassen ihren wahren Gedanken freien Lauf. Gerade noch den "Dicken Harry" aus der Klasse in Schutz genommen und die anderen auf dessen Charakter verwiesen, fallen von den Herrschern der Doppelmoral nun Sätze wie "Das Opfer sollte doch besser die Schule wechseln" oder "Bei den Eltern wundert mich gar nichts mehr". Manchmal fallen von dieser Gruppe bösartige Bemerkungen auch im Unterricht, diese sind aber intellektuell so gut verpackt, dass lediglich 2 von 30 Schülern diese verstehen. Diese sind dann meist die Lieblinge der Könige und Königinnen der Doppelmoral und haben dadurch einen unsichtbaren Schutz gegen sämtliche Bemerkungen entwickelt.
Doch wer jetzt denkt: Hach, die Schüler sind so arm bei den Lehrern, denen möchte ich im gleichen Atemzug die Gegendarstellung präsentieren, denn Schüler können genauso unausstehlich sein!
Hier beginne ich mit den seit Jahrhunderten bekannten "Strebern". Diese Gruppe glänzt durch sämtliche Versuche, dem Lehrkörper in den Hintern zu kriechen und so an gute Noten zu kommen. Als Lehrer kann ich das ganz gut beurteilen, denn diese kommen mir immer öfter unter. Was diese Gruppe nicht bedenkt ist, dass der Lehrer auch nicht blöd ist und eine Schleimspur quer durch das Schulgebäude sich weder bei mir noch bei meinen Kollegen positiv auswirkt. Wer es dennoch darauf anlegt, seine "supertollen" Leistungen zu zeigen, der muss damit rechnen, dass bunte Blümchen am Heftrand die Qualität der oftmals mittelmäßigen Antworten nicht heben können. Im Gegenteil, wer sich als besonders Leistungsfähig präsentiert, der muss auch höhere Anforderungen als seine Klassenkameraden erfüllen. Ich persönlich würde sagen, dass man sich das besser mehrfach überlegen und sein übergroßes Wissen lieber bei sich behalten sollte. Schon zu meinen Schulzeiten waren diese Menschen mit ihrer vorlauten Klappe die unbeliebtesten bei den Mitschülern und auch den Lehrern.
Die nächste Gruppe besteht aus zwei Familien: Die "Extrovertierten" und deren Gegenstück, die "Introvertierten".
Die Extrovertierten sind meist weiblich und fallen weniger mit ihren guten Noten wie mit ihrer großen Klappe auf. Immer einen dummen Spruch auf den Lippen, will jede Schülergruppe mit ihnen befreundet sein. Einen Lehrer bringt die provokante Art aber nicht gerade selten auf die Palme. Man muss dazu sagen, dass man Extrovertierte vermehrt während der Pubertät auffinden kann und sich deren Zahl in den höheren Klassen oftmals drastisch dezimiert. Weibliche und männliche Exemplare der Extrovertierten in der Oberstufe haben meist einen präpubertären Humor und hätten am liebsten Beischlaf mit jedem ihrer Leherer.
Deren Gegengruppe, die Introvertierten sind mir als Lehrer deutlich lieber. Sie sitzen oftmals mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt irgendwo im Klassenzimmer und lassen mich als Lehrer ohne Proteste meinen Unterricht halten. Selbst wenn ich 1+1=3 an die Tafel schreibe, kommt aus dieser Richtung nie ein Pieps. Allerdings gilt bei dieser Gruppe: "Stille Wasser sind tief". Ob da gerade ein potenzieller Amokläufer oder einfach ein in sich gekehrter Gothic in meinem Unterricht sitzt, darüber bin ich mir nicht immer im Klaren.
Meine persönliche Lieblingsgruppe (ironisch!) sind die "Besserwisser" und "Reinbrüller".
Diese können im Unterricht partout nicht ihre Klappe halten. Entweder werden Lösungen einfach in den Raum geschrien oder aber der kleinste Fehler der Mitschüler oder der Lehrer wird sofort laut kommentiert und gezeigt: "Manchmal ist der Schüler eben schlauer als der Lehrer". Dass der Lehrer sich in einer dezent anderen Situation befindet, als der Schüler, der seinen Hintern 45 Minuten auf den Stuhl breitdrückt und Sauerstoff verbraucht, dass bedenken beide Gruppen nicht wirklich.
Oftmals gehören deren Vertreter gleichzeitig zu den "Strebern" oder den "Extrovertierten".
Dann gibt es die Gruppe jener, die speziell in den höheren Klassen vorkommen, nämlich die "Ewigpubertierenden". Die Jungs dieser Gruppe finden es noch immer total cool, alles als "schwul" oder "gay" zu deklarieren und in den Pausen aufeinander zu liegen oder "voll cool rumzuschwuchteln". Von den Ewigpubertierenden Mädchen werden diese Jungs bewundert. Die Damen dieser Gruppe stehen noch immer auf Justin Bieber und One Direction und kreischen wie die 9-jährigen, wenn sie in den kleinen Pausen einen "Song" von diesem "Sänger" oder der "Boygroup" anhören. Von reiferen Mitschülern oder den Lehrern werden Vertreter aus dieser Gruppe gerne auf's Korn genommen, jedoch verstehen die wenigsten von ihnen die Witze, die über sie gemacht werden.
Lediglich bei Bemerkungen gegen den aufallend kindischen Kleidungs- oder Musikstil kann man eine aggressive Haltung provozieren. Doch schnell wird wieder zur Tagesordnung übergegangen: Über jede Kleinigkeit 45 Minuten kichern, denn mehr können Ewigpubertierende nicht.
Als Politiklehrer wird man gerne mit dem Analogon zu den "politischen Fanatikern" konfrontiert. Auch hier kann man ähnliche Unterklassen bilden wie bei den Lehrern:
1.) Der/Die Linke: Meist ein Schüler mit Migrationshintergrund. Wird man kritisch seiner/ihrer Herkunft gegenüber kann das für den Lehrer in einem großen Desaster ändern. Ich habe das noch nie persönlich erlebt, da ich Politik nicht unterrichte, aber man hört doch so einiges. So soll jemand gute Gegenargumente für einen Türkeibeitritt in die EU gefunden haben, woraufhin fast eine Schlägerei ausgebrochen sein soll. Aber auch Schüler ohne Migrationshintergrund, die mehr macht den Arbeitern fordern und sich über die soziale Martkwirtschaft beschweren (dann aber bei McD dinieren und Tomaten aus nicht-ökologischem Anbau in Marokko kaufen) findet man häufig in dieser Gruppe. Liegen im Dauerzoff mit den "Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Meist ein Schüler, der sich zu viel über die Weltkriege erzählen lassen hat und jetzt alles, was anders ist als er/sie schlichtweg blöd findet. Häufig sind diese in ländlichen Regionen anzutreffen, denn "was der Bauer nicht kennt, mag er auch nicht". Diese Schüler finden immer wieder Argumente gegen Ausländer und haben Angst davor, dass ihre Traktoren bald eine türkische Bedienungsanleitung haben. Meist belegen sie das naturwissenschaftliche Profil, denn außer Englisch braucht man ja keine andere Sprache. Muss man dennoch Französisch belegen, fallen gerne Sätze wie "Nous détestons la France!". Heimlich essen diese Schüler aber dann doch Döner oder beim Chinesen, weil der eine totale Ausnahme zu ihrer politischen Einstellung bildet.
3.) Der/Die Grüne: Fällt zuerst mit der Kleidung auf. Diese sieht nämlich aus,wie wenn sie aus der Altkleidersammlung käme ich meine natürlich wie wenn sie aus nachhaltigem Biobaumwollenanbau stamme. Meist veranstalten Schüler dieser Gruppe Spontandemos oder drehen das Thema im Unterricht so, dass sie über Gentechnik lästern können. Sind im Gegensatz zu ihrem Lehrerpendant deutlich aggressiver, wenn jemand deren Weltbild kritisiert. Wir wollen schließlich alle Donnerstags "Veggie-Day" in der Kantine.
4.) Der/Die politisch Neutrale: Diese Schüler machen oft einen großen Bogen um die anderen Familien dieser Gruppe und wenn der Unterricht mal wieder ausgeartet ist, weil man sich mit einem Thema kritisch auseinandersetzt, ziehen sich diese Schüler gerne in die letzte Reihe zurück und knabbern genüsslich Popcorn oder Chips, während sich ihre Klassenkameraden vor lauter Fanatismus fast die Köpfe einschlagen.
Tja, jetzt sollte man sich 2x überlegen, wer es in der Schule schwer hat! ;)
Ende
Anmerkungen/Kommentare:
Diese Geschichte dient lediglich zur Unterhaltung!
Da sitzen die verschiedensten Sorten von Lehrern in so einem Lehrerzimmer. Besser wie in jedem Zoo kann man dort die verschiedensten Spezies beobachten. Voller Stolz präsentiere ich nun meine Recherchen, mit deinen ich ein Buch über die Systematik von Lehrern schreiben könnte:
Beginnen möchte ich mit den Lehrern, die eigentlich gar keine Kinder mochten. Diese kommen dann jeden Morgen total brummig in das Klassenzimmer und lassen ihre Schulstunde wie vom Band ablaufen. Zwischenfragen waren nicht geduldet und dementsprechend sind die Notenschnitte in jeder Klassenarbeit unteriridisch. Diese Sorte von Lehrer versteht dies aber nicht und wundert sich, warum die Eltern irgendwann alarmiert Sturm laufen, da es reihenweise Kinder gibt, die wegen diesem Lehrer in den Bereich der Versetzungsgefährdung rutschen.
Dann gibt es die Lehrer, die ich persönlich mit der Überschrift "Don't worry, be happy" oder "YOLO" betiteln würde. Diese wissen eigentlich selbst nicht so recht, warum sie in der Schule sitzen. Selbst hatten sie in ihrer Schulzeit weniger mit ihrem eigenen Wissen geglänzt, als mit irgendeiner pseudo-"coolen" Aktion, bei der sie beinahe das Schulhaus niedergebrannt hatten. Heute machen sie sich ein schönes Leben auf A13 und legen Arzttermine nicht selten auf eine Unterrichtsstunde, anstatt Goethe und Schiller durchzukauen. "Find' ich ja auch öde, die Kinder werden schon ihre Beschäftigung finden."
Die dritte Gruppe, die uns als Schülern das Leben zur Hölle gemacht hat waren die, die wohl selbst nie Schüler gewesen waren oder denen im Studium als Leitsatz "Je mehr, desto besser!", vermittelt wurde. Dieser Typus kam mit einer Tonne Unterrichtsmaterial in das Klassenzimmer gestürmt, immer schon 5 Minuten zu früh, es könnte ja etwas verpasst werden. Der Unterricht war dann ebenso vollgepackt wie ihre Reden. Ist es möglich, 45 Minuten ohne Unterbrechung zu reden? Ja, denn diese Gruppe Lehrer kann das. Aber offenbar reichen 5 Seiten Tafelanschrieb, 10 Arbeitsblätter und ein halbes Schulbuch pro Stunde nicht aus. Die ohnehin schon vollkommen überforderten Schüler sollen dann am besten auf gestern noch ein 20-seitiges Essay verfassen, in dem die frühgeschichtliche Pädagogik im alten Rom mit Bezug auf das heutige System in Griechenland dargestellt werden soll. Aber wehe, es sind nicht alle Quellen angegeben oder es hat sich ein inhaltlicher Fehler eingeschlichen. Denn dieser Lehrer ist darauf ausgelegt, sehr penibel und genau zu sein, was ihn dazu führt, dass er in 5 Wochen noch auf dem kleinsten Fehler herumreitet.
Die nächste Gruppe, die ich gerne vorstellen möchte sind die "Frauen-/Männerrechtler". Diese sind als Frauen total emanzipiert und lassen dies die männlichen Kursteilnehmer spüren. Denn eigentlich hat in der modernen Gesellschaft die Frau die Hosen an. Nach ihrem narzisstischen Weltbild sollten Männer ähnlich wie in einem Bienenstock nur als minderwertige Drohnen und zum Erhalt der Frauenwelt dienen. Bei Klassenarbeiten liest sie gerne die neueste Ausgabe der 'Emma'. Es gibt ein seltenes Analogon zu Männern, die entweder mit einem Mann verheiratet sind oder sich zu Hause von ihrer Ehefrau verprügeln lassen müssen. Diese hassen alles in ihrer Klasse, was Brüste hat oder noch welche bekommt und ist einer Organisation für unterdrückte Männer. Während die Frauenrechtlerin durch ihr starkes Auftreten und ihren militärischen Befehlston auffällt, ist der Männerrechtler mehr wie ein Schatten an der Wand, den man bei Eintritt in den Klassenraum gar nicht sofort bemerken kann. Bei beiden hat jeweils das andere Geschlecht die schlechtesten Noten oder muss ständig Strafarbeiten machen.
Ebenfalls einen Namen in der Schülerlandschaft hat sich der "Nachkriegsveteran" gemacht. Er ist meinstens männlich und steht schon kurz vor der Pensionierung (oder vielleicht auch schon 5 Jahre darüber?). Er liebt es, in seinen Unterrichtsstunden alte Geschichten von der Front zu erzählen. Dabei spielt es keine Rolle, was er genau unterrichtet, denn selbst in Biologie kann man anstatt über die öde Primula veris lieber darüber reden, wie es in Schützengraben damals ausgesehen hatte. Der Lehrer erzielt mit die besten Noten der ganzen Schule. Wie soll er denn auch schlechte Zensuren vergeben? Hat man bei ihm keinen Geschichtsunterricht, hat man sowieso die wenigste Zeit etwas klausurrelevantes gelernt.
Nicht zu vernachlässigen ist die Gruppe der "politischen Fanatiker". Diese sind gerne Lehrer für dieses Fach, können aber auch Sport oder bildende Kunst unterrichten. Diese Gruppe von Lehrern hat die Gabe, ihre politische Meinung immer wieder geschickt irgendwo zu verstecken. Man muss sie allerdings anhand ihrer Gesinnung noch einmal in verschiedene Familien unterteilen:
1.) Der/Die Linke: Diese Gruppe von Lehrern sieht in jedem Kommentar, der nur in die Richtung von Mitbürgern geht eine Verschwörung von Rechts. In einer Präsentation heißt das dann nicht "Schwarze" sondern "stark pigmentierte Mitbürger", sonst gibt's Abzug. Sie liegen im ewigen Clinch mit "den Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Die verfeindete Gruppe "der Linken". Diese sehen in allen ausländischen Schülern eine Gefahr für das eigene Kulturgut und scheuen nicht davor zurück diese, zum Beispiel anhand ihrer Noten, zu diskriminieren. Dass ihre Kleidung aber aus Bangladesch stammt und sie am liebsten Baguette oder Croissant frühstücken, dass ignoriert diese Gruppe gerne. Denn ähnlich wie "die Grünen" kaufen diese Lehrer ihre Hemden nur aus deutschen Nähereien und essen in Wahrheit "Stangenweißbrot" und "Hörnchen".
3.) Der/Die Grüne: Definitiv noch die harmloseste aller politischen Lehrergruppierungen. Diese wollen zwar alles verbieten, was nicht aus nachhaltigem-bio-ökö-kontrolliertem Anbau stammt, treten ihren Schülern gegenüber aber weit friedlicher auf. Sie berichten in ihren Stunden gerne über ihre letzte Anti-Atomkraft-Demo oder wie sie ein Genmaisfeld vernichtet haben, aber die Schüler, die das nicht interessiert, dürfen den Klassenraum verlassen oder Musik hören. In die Angriffsformen gehen solche Lehrer erst über, wenn sie öffentlich mit Fakten konfrontiert werden, die gegen erneuerbare Energien oder für Atomkraft sprechen. Diese Schüler haben dann das Schuljahr über Redeverbot und erhalten die schlechtesten Noten.
4.) Die "Politik-ist-schwachsinnig"-Familie: Diese hassen die oben genannten und gehören streng genommen eigentlich nicht zur Gruppe der Fanatiker. Denn wie sie wissen, haben sie keinen Einfluss auf sämtliches Staatsgeschehen und gehen in der Regel nicht zu den Wahlen. Den Politikteil in der Zeitung überlesen diese Lehrer getrost, denn es gibt wichtigeres im Leben, zum Beispiel die Sport- oder Kulturrubrik der regionalen Umschau.
Weg von der Politik, hin zu den Verhaltensweisen im speziellen, denn dort verbreitet die Gruppe der "Sympathisanten" Angst und Schrecken. Doch hier muss man in der unterscheidung extrem aufpassen, denn es gibt 2 Familien von ihnen:
Bei der ersten Hälfte bezieht sich das "sympathisch" keinesfalls auf den Lehrer, sondern auf dessen Angewohnheit, seine Schüler nach Sympathie zu selektieren. Hat der Lehrer seine Lieblingsschüler von seinen unbeliebten Schülern differenziert, kann man in den Klassenarbeiten getrost auf das Lernen verzichten. Egal was man schreibt, irgendwie ist es entweder alles richtig oder alles falsch. Man kann sich noch so oft im Unterricht melden und noch so gute Thesen aufstellen, wenn man unbeliebt ist, dann kommt man nicht über eine 3+ als mündliche Tendenz.
Die zweite Familie der "Sympathisanten" ist der beste Freund des Schülers. Er sucht instinktiv die Nähe seiner Klasse und versucht so ungezwungen und lässig aufzutreten, wie nur irgend möglich. Viele Schüler lassen sich davon blenden und sind dann total begeistert von diesem Lehrer und himmeln ihn regelrecht an. Jedoch hat dieser Lehrer seine ganz eigenen Ziele. Entweder möchte er in Wahrheit seine Kollegen in die Pfanne reiten und sucht nur nach Geschichten über sie oder er zeigt in den Klassenarbeiten sein wahres Gesicht. Doch er hat immer einen Trumpf. "Ne 5? Ist doch total egal, Herr Kühne ist trotzdem cool!".
Die vorletzte Gruppe, die mir bei meinen Recherchen untergekommen ist, sind die "Frustrierten". Diese haben den Alterszenit bereits überschritten und entwickeln starke Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihren jungen Schülerinnen und Schüler, mit denen sie einfach nicht mehr mithalten können. Entweder versuchen sie dann krampfhaft, zu den "Junggebliebenen" zu gehören und setzen alles daran, sich in die "Sympathisanten"-Gruppe zu quetschen. Einige flüchten sich dann in eine Mischung aus Nachkriegsveteran und Politiker und zeigen ihren Schülern deutlich, dass sie das Interesse am Lehrberuf verloren haben und eigentlich nur noch auf die Pensionierung warten.
Abschließen möchte ich meinen Bericht mit einer sehr exotischen Gruppe, da sie in den Augen der Schüler praktisch nie ihr wahres Gesicht zeigen: Die Königinnen und Könige der Doppelmoral.
Diese predigen in ihren Unterrichtsstunden über Nächstenliebe und für soziale Aktivitäten und versuchen, jeden ihrer Schüler in Schutz zu nehmen. Hinter verschlossenen Türen, also ab der Schwelle des Lehrerzimmers, setzen Vertreter aus dieser Gruppe dann ihre Maske ab und lassen ihren wahren Gedanken freien Lauf. Gerade noch den "Dicken Harry" aus der Klasse in Schutz genommen und die anderen auf dessen Charakter verwiesen, fallen von den Herrschern der Doppelmoral nun Sätze wie "Das Opfer sollte doch besser die Schule wechseln" oder "Bei den Eltern wundert mich gar nichts mehr". Manchmal fallen von dieser Gruppe bösartige Bemerkungen auch im Unterricht, diese sind aber intellektuell so gut verpackt, dass lediglich 2 von 30 Schülern diese verstehen. Diese sind dann meist die Lieblinge der Könige und Königinnen der Doppelmoral und haben dadurch einen unsichtbaren Schutz gegen sämtliche Bemerkungen entwickelt.
Doch wer jetzt denkt: Hach, die Schüler sind so arm bei den Lehrern, denen möchte ich im gleichen Atemzug die Gegendarstellung präsentieren, denn Schüler können genauso unausstehlich sein!
Hier beginne ich mit den seit Jahrhunderten bekannten "Strebern". Diese Gruppe glänzt durch sämtliche Versuche, dem Lehrkörper in den Hintern zu kriechen und so an gute Noten zu kommen. Als Lehrer kann ich das ganz gut beurteilen, denn diese kommen mir immer öfter unter. Was diese Gruppe nicht bedenkt ist, dass der Lehrer auch nicht blöd ist und eine Schleimspur quer durch das Schulgebäude sich weder bei mir noch bei meinen Kollegen positiv auswirkt. Wer es dennoch darauf anlegt, seine "supertollen" Leistungen zu zeigen, der muss damit rechnen, dass bunte Blümchen am Heftrand die Qualität der oftmals mittelmäßigen Antworten nicht heben können. Im Gegenteil, wer sich als besonders Leistungsfähig präsentiert, der muss auch höhere Anforderungen als seine Klassenkameraden erfüllen. Ich persönlich würde sagen, dass man sich das besser mehrfach überlegen und sein übergroßes Wissen lieber bei sich behalten sollte. Schon zu meinen Schulzeiten waren diese Menschen mit ihrer vorlauten Klappe die unbeliebtesten bei den Mitschülern und auch den Lehrern.
Die nächste Gruppe besteht aus zwei Familien: Die "Extrovertierten" und deren Gegenstück, die "Introvertierten".
Die Extrovertierten sind meist weiblich und fallen weniger mit ihren guten Noten wie mit ihrer großen Klappe auf. Immer einen dummen Spruch auf den Lippen, will jede Schülergruppe mit ihnen befreundet sein. Einen Lehrer bringt die provokante Art aber nicht gerade selten auf die Palme. Man muss dazu sagen, dass man Extrovertierte vermehrt während der Pubertät auffinden kann und sich deren Zahl in den höheren Klassen oftmals drastisch dezimiert. Weibliche und männliche Exemplare der Extrovertierten in der Oberstufe haben meist einen präpubertären Humor und hätten am liebsten Beischlaf mit jedem ihrer Leherer.
Deren Gegengruppe, die Introvertierten sind mir als Lehrer deutlich lieber. Sie sitzen oftmals mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt irgendwo im Klassenzimmer und lassen mich als Lehrer ohne Proteste meinen Unterricht halten. Selbst wenn ich 1+1=3 an die Tafel schreibe, kommt aus dieser Richtung nie ein Pieps. Allerdings gilt bei dieser Gruppe: "Stille Wasser sind tief". Ob da gerade ein potenzieller Amokläufer oder einfach ein in sich gekehrter Gothic in meinem Unterricht sitzt, darüber bin ich mir nicht immer im Klaren.
Meine persönliche Lieblingsgruppe (ironisch!) sind die "Besserwisser" und "Reinbrüller".
Diese können im Unterricht partout nicht ihre Klappe halten. Entweder werden Lösungen einfach in den Raum geschrien oder aber der kleinste Fehler der Mitschüler oder der Lehrer wird sofort laut kommentiert und gezeigt: "Manchmal ist der Schüler eben schlauer als der Lehrer". Dass der Lehrer sich in einer dezent anderen Situation befindet, als der Schüler, der seinen Hintern 45 Minuten auf den Stuhl breitdrückt und Sauerstoff verbraucht, dass bedenken beide Gruppen nicht wirklich.
Oftmals gehören deren Vertreter gleichzeitig zu den "Strebern" oder den "Extrovertierten".
Dann gibt es die Gruppe jener, die speziell in den höheren Klassen vorkommen, nämlich die "Ewigpubertierenden". Die Jungs dieser Gruppe finden es noch immer total cool, alles als "schwul" oder "gay" zu deklarieren und in den Pausen aufeinander zu liegen oder "voll cool rumzuschwuchteln". Von den Ewigpubertierenden Mädchen werden diese Jungs bewundert. Die Damen dieser Gruppe stehen noch immer auf Justin Bieber und One Direction und kreischen wie die 9-jährigen, wenn sie in den kleinen Pausen einen "Song" von diesem "Sänger" oder der "Boygroup" anhören. Von reiferen Mitschülern oder den Lehrern werden Vertreter aus dieser Gruppe gerne auf's Korn genommen, jedoch verstehen die wenigsten von ihnen die Witze, die über sie gemacht werden.
Lediglich bei Bemerkungen gegen den aufallend kindischen Kleidungs- oder Musikstil kann man eine aggressive Haltung provozieren. Doch schnell wird wieder zur Tagesordnung übergegangen: Über jede Kleinigkeit 45 Minuten kichern, denn mehr können Ewigpubertierende nicht.
Als Politiklehrer wird man gerne mit dem Analogon zu den "politischen Fanatikern" konfrontiert. Auch hier kann man ähnliche Unterklassen bilden wie bei den Lehrern:
1.) Der/Die Linke: Meist ein Schüler mit Migrationshintergrund. Wird man kritisch seiner/ihrer Herkunft gegenüber kann das für den Lehrer in einem großen Desaster ändern. Ich habe das noch nie persönlich erlebt, da ich Politik nicht unterrichte, aber man hört doch so einiges. So soll jemand gute Gegenargumente für einen Türkeibeitritt in die EU gefunden haben, woraufhin fast eine Schlägerei ausgebrochen sein soll. Aber auch Schüler ohne Migrationshintergrund, die mehr macht den Arbeitern fordern und sich über die soziale Martkwirtschaft beschweren (dann aber bei McD dinieren und Tomaten aus nicht-ökologischem Anbau in Marokko kaufen) findet man häufig in dieser Gruppe. Liegen im Dauerzoff mit den "Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Meist ein Schüler, der sich zu viel über die Weltkriege erzählen lassen hat und jetzt alles, was anders ist als er/sie schlichtweg blöd findet. Häufig sind diese in ländlichen Regionen anzutreffen, denn "was der Bauer nicht kennt, mag er auch nicht". Diese Schüler finden immer wieder Argumente gegen Ausländer und haben Angst davor, dass ihre Traktoren bald eine türkische Bedienungsanleitung haben. Meist belegen sie das naturwissenschaftliche Profil, denn außer Englisch braucht man ja keine andere Sprache. Muss man dennoch Französisch belegen, fallen gerne Sätze wie "Nous détestons la France!". Heimlich essen diese Schüler aber dann doch Döner oder beim Chinesen, weil der eine totale Ausnahme zu ihrer politischen Einstellung bildet.
3.) Der/Die Grüne: Fällt zuerst mit der Kleidung auf. Diese sieht nämlich aus,
4.) Der/Die politisch Neutrale: Diese Schüler machen oft einen großen Bogen um die anderen Familien dieser Gruppe und wenn der Unterricht mal wieder ausgeartet ist, weil man sich mit einem Thema kritisch auseinandersetzt, ziehen sich diese Schüler gerne in die letzte Reihe zurück und knabbern genüsslich Popcorn oder Chips, während sich ihre Klassenkameraden vor lauter Fanatismus fast die Köpfe einschlagen.
Tja, jetzt sollte man sich 2x überlegen, wer es in der Schule schwer hat! ;)
Ende
Anmerkungen/Kommentare:
Diese Geschichte dient lediglich zur Unterhaltung!
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