Susanna wollte weg, einfach nur weg. Ihre Eltern gingen ihr permanent auf die Nerven, das Dorf, in dem die Familie wohnte, langweilte und die Geschwister wollten nichts mir ihr zu tun haben.
Susanna war 18 Jahre alt und hatte im Frühjahr ihr Abitur bestanden.
Sie hielt ihre eigene Familie für zu perfekt. Die Eltern stritten sich nie, ihre Geschwister waren richtige Musterschüler. Und sie selbst? Sie war das schwarze Schaf der Familie. Sie hatte keine schlechten Noten, stach aber auch nicht mit besonderen Leistungen heraus, was ihre Eltern ihr immer wieder ankreideten.
"Willst du nicht noch ein Ehrenamt übernehmen? Dich im Verein engagieren?", "Nur ein 2,0 Schnitt? Schau dir doch deine Schwester Rebecca oder deinen Bruder Ruben an, die glänzen mit ihren Noten!".
Susannas Großeltern waren schon viele Jahre gestorben und Kontakt zum Rest ihrer Familie gab es nicht. Sie hatte sich einen stabilen Freundeskreis aufgebaut, aber nie konnte sie auch nur einen Fuß über die Schwelle der Haustüre setzen, ohne dass ihre Eltern versuchten, sie aufzuhalten.
"Mit wem triffst du dich? Aber wohl hoffentlich mit Jessica und Rainer? Die sind doch kein Umgang für dich, Kind". Gut, manchmal schlugen die Freunde von Susanna ein wenig über die Stränge, aber sie waren keinesfalls kriminell oder straftätig, wie ihre Eltern sie gerne bezeichneten.
Schon mit Beginn ihres sechzehnten Lebensjahres war für Susanna eines klar: Das Abitur über die Bühne bringen und ausziehen. Was sie machen wollte? Entweder Schauspiel studieren oder eine Ausbildung zur Tanzlehrerin machen. Doch auch dies versuchten ihre Eltern ihr tagtäglich madig zu machen.
"Ach, Schauspiel ist brotlose Kunst. Du siehst doch selbst, dass selbst mittelbekannte Schauspieler auf Hilfe angewiesen sind und das Tanzen ist doch nicht mehr als ein Hobby. Mach doch lieber etwas richtiges. Studier doch BWL oder Medizin!".
Susanna konnte es nicht mehr hören. Von klein auf hatten ihre Eltern versucht, sie und ihre Geschwister auf Erfolg zu polen. Ihr Bruder Ruben war bereits 20 und hatte nach seinem Traumabitur mit Auszeichnung begonnen, Medizin zu studieren. Nebenbei war er noch im lokalen Sportverein aktiv und hatte zahlreiche Ehrenämter in der Gemeinde inne. Glücklich machte ihn die Situation jedoch nur eingeschränkt: Er hatte nie richtige Freundschaften schließen können, da er stets lernen musste, wenn alle anderen Kinder im Freibad entspannten oder im Winter Rodeln gingen.
Susanna hatte ihn schon oft darauf angesprochen, ob er nicht einfach ausbrechen wolle, doch er antwortete immer, dass er ihre Eltern nicht enttäuschen könne und der Zug mit den großen Freundschaften sowieso abgefahren sei.
Susannas' Schwester Rebecca war ein Jahr jünger als sie und war bereits Mitglied in einem Physikerverband sowie einer großen regionalen Partei. Sie war aktiv in einem Musikverein sowie dem örtlichen Gemeinderat. Sie war außerdem auf dem Weg, das Abitur als Stufenbeste abzulegen.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass sich Susannas' Abiturschnitt wohl um eine 2,0 herum bewegen würde, waren die Eltern sichtlich geknickt.
"Was haben wir bei dir nur falsch gemacht? Wieso bist du nicht so wie deine Geschwister?".
Der Tag der Zeugnisübergabe rückte näher und die Familie war gerade auf dem Abschlussball von Susanna. Schon den ganzen Abend wäre Susanna am liebsten weggelaufen. Ihre Eltern wollten nicht zu den Eltern ihrer Freunde sitzen, redeten ständig schlecht über Susannas' Leistungen und waren die ersten, die die Veranstaltung wieder verließen.
Susanna war sichtlich geknickt und in ihr stieg der Drang, so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Sie bewarb sich schon eine Woche später auf diversen Schauspiel- und Tanzschulen. Auf Anraten ihrer Eltern tat sie ihnen den Gefallen und bewarb sich parallel für ein Medizin- und ein BWL-Studium.
Sehr schnell bekam Susanna sowohl eine Zusage für ein Schauspielstudium in Köln, sowie ein BWL-Studium in Ulm. Doch was sollte Susanna nun tun?
Hier wird die Geschichte interaktiv und ich habe mir überlegt, 2 verschiedene Versionen für die weiterführende Handlung zu schreiben.
Version 1: Susanna in Ulm
Susanna ließ sich in letzter Instanz von ihren Eltern und ihrem Bruder dazu überreden, das BWL-Studium aufzunehmen. Sie hatte so den großen Vorteil, dass ihre Eltern nun bereit waren, die Finanzierung des Studiums und einer Wohnung zu übernehmen. So hatte sie in Ulm ihr eigenes kleines Appartement bekommen und musste sich keine Sorgen machen, was das Geld anbelangte.
Jedoch war das Studium die reinste Hölle für sie. Sie hatte sich im Voraus sehr wohl informiert und gedacht, dass es so schlimm schon nicht werden würde, doch sie sollte vom genauen Gegenteil überzeugt werden: Wirtschaft war schon in der Schule nie ihr Lieblingsfach gewesen und jetzt sollte sie ihr ganzes Leben in irgeneinem langweiligen Bürojob blieben? Schon ein halbes Jahr nach Studienbeginn wusste Susanna genau, dass es so keinen Wert hatte. Aber abbrechen konnte sie nicht, dafür war sie schon zu weit gegangen. Sie vertraute sich mit ihren Problemen Ruben an.
Der offenbarte Susanna sein schreckliches Geheimnis: Ihm ging es nicht anders als ihr. Er hasste sein Studium, er wollte nie Arzt werden. Die Vereinsarbeit und sämtliche Ehrenämter waren ihm schon von Anfang an auf die Nerven gegangen. Einen Rückzieher sollte es jetzt jedoch keinen mehr geben, nachdem er schon 6 Semester an seinem Medizinstudium saß.
Susanna begriff jetzt, dass es so bei ihr nicht weitergehen konnte. Sie ging nicht zu den Prüfungen am Ende des Semesters und erhielt so automatisch eine 5,0 in jedem Fach, woraufhin sie der Hochschule verwiesen wurde. Sie beschloss, zu fliehen und zwar nach Amerika. Sie packte ihre Sachen und kündigte den Mietvertrag eigenmächtig. Sie nahm alles Geld, was sie hatte und spielte ihren Eltern vor, das zweite Semester als Auslandssemester in Amerika zubringen zu wollen.
Sie nahm schon den nächsten Flug nach Kalifornien. Was sie genau machen wollte, das wusste sie nicht genau. Ihr Englisch war nie sonderlich gut gewesen und richtig arbeiten konnte sie in Amerika auch nicht, da ihr die Green Card fehlte.
Doch diese Probleme interessierten Susanna in diesem Moment nicht, sie verließ in einer Nacht und Nebelaktion Deutschland und quartierte sich in Kalifornien in die billigste Absteige ein, die sie bekommen konnte.
Hier lernte sie, was es hieß, ohne Familie und Unterstützung selbstständig machen zu wollen. Sie lebte Tür an Tür mit Drogendealern und potenziellen Straftätern. Die Polizei klopfte nicht nur einmal mitten in der Nacht an ihre Türe und stellte ihr ganzes Zimmer auf den Kopf.
Ihr war klar, dass sie Arbeit finden musste, denn auch ihre Eltern schienen misstrauisch geworden zu sein. Denn nachdem sich Susanna Monate nicht gemeldet hatte, stellten sie sämtliche Zahlungen komplett ein. Es war ihr in diesem Moment völlig egal gewesen. Sie wollte komplett unabhängig sein und risktierte im selben Moment, komplett abzurutschen. Doch das wollte Susanna in diesem Moment nicht wahrhaben.
Sie jobbte hier und dort. Mal schwarz als Kellnerin in einer Bar, mal als Putzfrau im Hostel, in dem sie wohnte. Doch es reichte hinten und vorne nicht. Was sollte sie jetzt tun? Bei ihren Eltern zu Kreuze kriechen? "Die würden mir doch eh' nicht verzeihen", dachte sie.
Sie versuchte, an eine Arbeitserlaubnis zu kommen, wurde jedoch mehrfach abgelehnt. Es gab jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Die Wahrheit sagen und zurückkehren oder weiterhin illegal arbeiten und riskieren, in die Kriminalität abzurutschen. Doch Susanna war zu stolz, auf ihre Eltern einen Schritt zuzugehen. Zu groß war gleichzeitig ihre Angst, von ihren Eltern verspottet und verstoßen zu werden.
Doch es kam, wie es kommen musste: Als Susanna eines Abends ihre Schicht in einer Spielunke, in der mehrere illegale Einwanderer arbeiteten, antreten wollte, stand die Polizei vor der Tür und wollte ihre Arbeitserlaubnis sehen.
In ihrer Panik war Susanna mit einigen anderen Bardamen durch die Toilette auf die Straße geflohen. Was dann passierte, das weiß niemand so genau. Die Polizisten hatten die Gruppe über eine Stunde hinweg verfolgt und Schüsse waren gefallen.
Alle fünf Bardamen hatten die Flucht nicht überlebt, einschließlich Susanna. Als ihre Eltern dies erfuhren, wurde ihnen schlagartig bewusst, dass sie so nie mit ihrer Tochter hätten umgehen dürfen. Doch diese Einsicht kam leider zu spät und keiner der Polizisten, die Susanna und ihre Kolleginnen getötet hatten, wurde stafrechtlich belangt.
Ende (1)
Version 2: Susanna als Schauspielstudentin
Susanna ließ sich von ihren Eltern nicht beirren und beschloss, Schauspielerin zu werden. Trotz starken Widerwillens bezahlten ihre Eltern ihr ein WG-Zimmer in Köln. Trotz der ein oder anderen Hürde, die sie zu bewältigen hatte, genoss Susanna ihr neues Leben in vollen Zügen.
Es war wahrlich nicht einfach, in so einer teuren Stadt wie Köln einen adäquaten Nebenjob zu finden, doch Susanna fand schließlich als Aushilfe in einem Restaurant eine guten Weg, problemlos über die Runden zu kommen.
Das Studium machte Susanna sehr viel Spaß. Sich selbst immer wieder neu zu erfinden, andere Rollen zu testen, die verschiedensten Gefühle möglichst effektvoll darzustellen, genau das war schon immer ein Traum von ihr gewesen.
Sie fand bei ihren Schauspielkollegen schnell Anschluss und war nie allein. Doch ihre Eltern wollten nicht aufgeben, Susanna zu bekehren. Ständig erhielt sie Anrufe und Briefe, in denen sie aufgefordert wurde, ihre Träume beizubehalten aber doch bitte etwas anständiges zu machen, um "keine Schande über die Familie zu bringen".
Doch sie lebte ihren Traum und war in ihrem Leben nie von etwas mehr überzeugt als von der Idee, Schauspielerin zu werden.
Susanna war die Jahrgangsbeste und am Tag des Abschlusses kamen sogar ihre Eltern zu der kleinen Vorstellung im Rahmen der Absolventen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, so aufgeregt war sie, ihren Eltern endlich zu beweisen, dass ihr Ziel mehr als nur ein Luftschloss gewesen war.
Das Stück, welches aufgefürt wurde, war eine moderne Interpretation von Friedrich Dürrenmatts Drama "Der Besuch der alten Dame" und Susanna spielte die Hauptrolle: Die alte Dame.
Die Vorstellung war ein großer Erfolg. Alle Schauspielstudenten gingen in ihren Rollen förmlich auf und die Professoren und Angehörige, welche sich das Drama angesehen hatten, überschüttete die Gruppe mit Lob.
Auch Susannas' Eltern erkannten, dass in ihrer Tochter ein sehr großes Potenzial steckte und dass sie all die Jahre mit ihren Kindern falsch umgegangen waren. Sie entschuldigten sich in aller Form bei ihr und versprachen ihr, sie in allen Situationen von nun an fest zu unterstützen.
Die Familie verbrachte einen gemeinsamen Urlaub und in den folgenden Jahren wirkte Susanna zwar in einigen Filmproduktionen mit, studierte aber parallel zur Schauspielerei doch noch "International Business". Sie arbeitete später in einer großen Produktionsfirma als Vorstandsmitglied und Schauspielerin. Sie hatte erkannt, dass es nicht richtig gewesen war, sich ihren Eltern derart zu widersetzen und ihre Eltern hatten erkannt, dass das Drillen auf Leistung eigentlich vollkommen unnötig war. Ruben beendete trotz allem Widerwillen dennoch sein Medizinstudium und schlug den Weg in die Forschung ein. Susannas' Schwester wollte Lehrerin werden und nahm nach ihrem Abitur ein Lehramtsstudium auf, was von ihren Eltern zwar kritisch begutachtet, aber akzeptiert wurde.
Ende (2)
Kurzgeschichten mitten aus dem Leben
Hier werde ich Kurzgeschichten veröffentlichen, die manchmal autobiografische Elemente beinhalten, manchmal aber auch einfach eine Fiktion zu einem Thema, das ich gerne aufgreifen wollte, darstellen. Jede Geschichte enthält ihre Schlussmoral ;)
Freitag, 7. März 2014
Montag, 3. März 2014
Lehrer werden ist nicht schwer - Lehrer sein dagegen sehr
"Jörg Hansen mein Name, ich bin euer neuer Referendar". Doch die Klasse nahm keinerlei Notiz von mir. Gerade hatte ich mein Lehramtsstudium mit dem Staatsexamen beendet und war motiviert in diese Schule gegangen. Ich unterrichte Geschichte, Englisch sowie Biologie und habe ursprünglich das Studium aufgenommen, da ich mit meinen Lehrern sehr oft schlechte Erfahrungen gemacht habe.
Da sitzen die verschiedensten Sorten von Lehrern in so einem Lehrerzimmer. Besser wie in jedem Zoo kann man dort die verschiedensten Spezies beobachten. Voller Stolz präsentiere ich nun meine Recherchen, mit deinen ich ein Buch über die Systematik von Lehrern schreiben könnte:
Beginnen möchte ich mit den Lehrern, die eigentlich gar keine Kinder mochten. Diese kommen dann jeden Morgen total brummig in das Klassenzimmer und lassen ihre Schulstunde wie vom Band ablaufen. Zwischenfragen waren nicht geduldet und dementsprechend sind die Notenschnitte in jeder Klassenarbeit unteriridisch. Diese Sorte von Lehrer versteht dies aber nicht und wundert sich, warum die Eltern irgendwann alarmiert Sturm laufen, da es reihenweise Kinder gibt, die wegen diesem Lehrer in den Bereich der Versetzungsgefährdung rutschen.
Dann gibt es die Lehrer, die ich persönlich mit der Überschrift "Don't worry, be happy" oder "YOLO" betiteln würde. Diese wissen eigentlich selbst nicht so recht, warum sie in der Schule sitzen. Selbst hatten sie in ihrer Schulzeit weniger mit ihrem eigenen Wissen geglänzt, als mit irgendeiner pseudo-"coolen" Aktion, bei der sie beinahe das Schulhaus niedergebrannt hatten. Heute machen sie sich ein schönes Leben auf A13 und legen Arzttermine nicht selten auf eine Unterrichtsstunde, anstatt Goethe und Schiller durchzukauen. "Find' ich ja auch öde, die Kinder werden schon ihre Beschäftigung finden."
Die dritte Gruppe, die uns als Schülern das Leben zur Hölle gemacht hat waren die, die wohl selbst nie Schüler gewesen waren oder denen im Studium als Leitsatz "Je mehr, desto besser!", vermittelt wurde. Dieser Typus kam mit einer Tonne Unterrichtsmaterial in das Klassenzimmer gestürmt, immer schon 5 Minuten zu früh, es könnte ja etwas verpasst werden. Der Unterricht war dann ebenso vollgepackt wie ihre Reden. Ist es möglich, 45 Minuten ohne Unterbrechung zu reden? Ja, denn diese Gruppe Lehrer kann das. Aber offenbar reichen 5 Seiten Tafelanschrieb, 10 Arbeitsblätter und ein halbes Schulbuch pro Stunde nicht aus. Die ohnehin schon vollkommen überforderten Schüler sollen dann am besten auf gestern noch ein 20-seitiges Essay verfassen, in dem die frühgeschichtliche Pädagogik im alten Rom mit Bezug auf das heutige System in Griechenland dargestellt werden soll. Aber wehe, es sind nicht alle Quellen angegeben oder es hat sich ein inhaltlicher Fehler eingeschlichen. Denn dieser Lehrer ist darauf ausgelegt, sehr penibel und genau zu sein, was ihn dazu führt, dass er in 5 Wochen noch auf dem kleinsten Fehler herumreitet.
Die nächste Gruppe, die ich gerne vorstellen möchte sind die "Frauen-/Männerrechtler". Diese sind als Frauen total emanzipiert und lassen dies die männlichen Kursteilnehmer spüren. Denn eigentlich hat in der modernen Gesellschaft die Frau die Hosen an. Nach ihrem narzisstischen Weltbild sollten Männer ähnlich wie in einem Bienenstock nur als minderwertige Drohnen und zum Erhalt der Frauenwelt dienen. Bei Klassenarbeiten liest sie gerne die neueste Ausgabe der 'Emma'. Es gibt ein seltenes Analogon zu Männern, die entweder mit einem Mann verheiratet sind oder sich zu Hause von ihrer Ehefrau verprügeln lassen müssen. Diese hassen alles in ihrer Klasse, was Brüste hat oder noch welche bekommt und ist einer Organisation für unterdrückte Männer. Während die Frauenrechtlerin durch ihr starkes Auftreten und ihren militärischen Befehlston auffällt, ist der Männerrechtler mehr wie ein Schatten an der Wand, den man bei Eintritt in den Klassenraum gar nicht sofort bemerken kann. Bei beiden hat jeweils das andere Geschlecht die schlechtesten Noten oder muss ständig Strafarbeiten machen.
Ebenfalls einen Namen in der Schülerlandschaft hat sich der "Nachkriegsveteran" gemacht. Er ist meinstens männlich und steht schon kurz vor der Pensionierung (oder vielleicht auch schon 5 Jahre darüber?). Er liebt es, in seinen Unterrichtsstunden alte Geschichten von der Front zu erzählen. Dabei spielt es keine Rolle, was er genau unterrichtet, denn selbst in Biologie kann man anstatt über die öde Primula veris lieber darüber reden, wie es in Schützengraben damals ausgesehen hatte. Der Lehrer erzielt mit die besten Noten der ganzen Schule. Wie soll er denn auch schlechte Zensuren vergeben? Hat man bei ihm keinen Geschichtsunterricht, hat man sowieso die wenigste Zeit etwas klausurrelevantes gelernt.
Nicht zu vernachlässigen ist die Gruppe der "politischen Fanatiker". Diese sind gerne Lehrer für dieses Fach, können aber auch Sport oder bildende Kunst unterrichten. Diese Gruppe von Lehrern hat die Gabe, ihre politische Meinung immer wieder geschickt irgendwo zu verstecken. Man muss sie allerdings anhand ihrer Gesinnung noch einmal in verschiedene Familien unterteilen:
1.) Der/Die Linke: Diese Gruppe von Lehrern sieht in jedem Kommentar, der nur in die Richtung von Mitbürgern geht eine Verschwörung von Rechts. In einer Präsentation heißt das dann nicht "Schwarze" sondern "stark pigmentierte Mitbürger", sonst gibt's Abzug. Sie liegen im ewigen Clinch mit "den Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Die verfeindete Gruppe "der Linken". Diese sehen in allen ausländischen Schülern eine Gefahr für das eigene Kulturgut und scheuen nicht davor zurück diese, zum Beispiel anhand ihrer Noten, zu diskriminieren. Dass ihre Kleidung aber aus Bangladesch stammt und sie am liebsten Baguette oder Croissant frühstücken, dass ignoriert diese Gruppe gerne. Denn ähnlich wie "die Grünen" kaufen diese Lehrer ihre Hemden nur aus deutschen Nähereien und essen in Wahrheit "Stangenweißbrot" und "Hörnchen".
3.) Der/Die Grüne: Definitiv noch die harmloseste aller politischen Lehrergruppierungen. Diese wollen zwar alles verbieten, was nicht aus nachhaltigem-bio-ökö-kontrolliertem Anbau stammt, treten ihren Schülern gegenüber aber weit friedlicher auf. Sie berichten in ihren Stunden gerne über ihre letzte Anti-Atomkraft-Demo oder wie sie ein Genmaisfeld vernichtet haben, aber die Schüler, die das nicht interessiert, dürfen den Klassenraum verlassen oder Musik hören. In die Angriffsformen gehen solche Lehrer erst über, wenn sie öffentlich mit Fakten konfrontiert werden, die gegen erneuerbare Energien oder für Atomkraft sprechen. Diese Schüler haben dann das Schuljahr über Redeverbot und erhalten die schlechtesten Noten.
4.) Die "Politik-ist-schwachsinnig"-Familie: Diese hassen die oben genannten und gehören streng genommen eigentlich nicht zur Gruppe der Fanatiker. Denn wie sie wissen, haben sie keinen Einfluss auf sämtliches Staatsgeschehen und gehen in der Regel nicht zu den Wahlen. Den Politikteil in der Zeitung überlesen diese Lehrer getrost, denn es gibt wichtigeres im Leben, zum Beispiel die Sport- oder Kulturrubrik der regionalen Umschau.
Weg von der Politik, hin zu den Verhaltensweisen im speziellen, denn dort verbreitet die Gruppe der "Sympathisanten" Angst und Schrecken. Doch hier muss man in der unterscheidung extrem aufpassen, denn es gibt 2 Familien von ihnen:
Bei der ersten Hälfte bezieht sich das "sympathisch" keinesfalls auf den Lehrer, sondern auf dessen Angewohnheit, seine Schüler nach Sympathie zu selektieren. Hat der Lehrer seine Lieblingsschüler von seinen unbeliebten Schülern differenziert, kann man in den Klassenarbeiten getrost auf das Lernen verzichten. Egal was man schreibt, irgendwie ist es entweder alles richtig oder alles falsch. Man kann sich noch so oft im Unterricht melden und noch so gute Thesen aufstellen, wenn man unbeliebt ist, dann kommt man nicht über eine 3+ als mündliche Tendenz.
Die zweite Familie der "Sympathisanten" ist der beste Freund des Schülers. Er sucht instinktiv die Nähe seiner Klasse und versucht so ungezwungen und lässig aufzutreten, wie nur irgend möglich. Viele Schüler lassen sich davon blenden und sind dann total begeistert von diesem Lehrer und himmeln ihn regelrecht an. Jedoch hat dieser Lehrer seine ganz eigenen Ziele. Entweder möchte er in Wahrheit seine Kollegen in die Pfanne reiten und sucht nur nach Geschichten über sie oder er zeigt in den Klassenarbeiten sein wahres Gesicht. Doch er hat immer einen Trumpf. "Ne 5? Ist doch total egal, Herr Kühne ist trotzdem cool!".
Die vorletzte Gruppe, die mir bei meinen Recherchen untergekommen ist, sind die "Frustrierten". Diese haben den Alterszenit bereits überschritten und entwickeln starke Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihren jungen Schülerinnen und Schüler, mit denen sie einfach nicht mehr mithalten können. Entweder versuchen sie dann krampfhaft, zu den "Junggebliebenen" zu gehören und setzen alles daran, sich in die "Sympathisanten"-Gruppe zu quetschen. Einige flüchten sich dann in eine Mischung aus Nachkriegsveteran und Politiker und zeigen ihren Schülern deutlich, dass sie das Interesse am Lehrberuf verloren haben und eigentlich nur noch auf die Pensionierung warten.
Abschließen möchte ich meinen Bericht mit einer sehr exotischen Gruppe, da sie in den Augen der Schüler praktisch nie ihr wahres Gesicht zeigen: Die Königinnen und Könige der Doppelmoral.
Diese predigen in ihren Unterrichtsstunden über Nächstenliebe und für soziale Aktivitäten und versuchen, jeden ihrer Schüler in Schutz zu nehmen. Hinter verschlossenen Türen, also ab der Schwelle des Lehrerzimmers, setzen Vertreter aus dieser Gruppe dann ihre Maske ab und lassen ihren wahren Gedanken freien Lauf. Gerade noch den "Dicken Harry" aus der Klasse in Schutz genommen und die anderen auf dessen Charakter verwiesen, fallen von den Herrschern der Doppelmoral nun Sätze wie "Das Opfer sollte doch besser die Schule wechseln" oder "Bei den Eltern wundert mich gar nichts mehr". Manchmal fallen von dieser Gruppe bösartige Bemerkungen auch im Unterricht, diese sind aber intellektuell so gut verpackt, dass lediglich 2 von 30 Schülern diese verstehen. Diese sind dann meist die Lieblinge der Könige und Königinnen der Doppelmoral und haben dadurch einen unsichtbaren Schutz gegen sämtliche Bemerkungen entwickelt.
Doch wer jetzt denkt: Hach, die Schüler sind so arm bei den Lehrern, denen möchte ich im gleichen Atemzug die Gegendarstellung präsentieren, denn Schüler können genauso unausstehlich sein!
Hier beginne ich mit den seit Jahrhunderten bekannten "Strebern". Diese Gruppe glänzt durch sämtliche Versuche, dem Lehrkörper in den Hintern zu kriechen und so an gute Noten zu kommen. Als Lehrer kann ich das ganz gut beurteilen, denn diese kommen mir immer öfter unter. Was diese Gruppe nicht bedenkt ist, dass der Lehrer auch nicht blöd ist und eine Schleimspur quer durch das Schulgebäude sich weder bei mir noch bei meinen Kollegen positiv auswirkt. Wer es dennoch darauf anlegt, seine "supertollen" Leistungen zu zeigen, der muss damit rechnen, dass bunte Blümchen am Heftrand die Qualität der oftmals mittelmäßigen Antworten nicht heben können. Im Gegenteil, wer sich als besonders Leistungsfähig präsentiert, der muss auch höhere Anforderungen als seine Klassenkameraden erfüllen. Ich persönlich würde sagen, dass man sich das besser mehrfach überlegen und sein übergroßes Wissen lieber bei sich behalten sollte. Schon zu meinen Schulzeiten waren diese Menschen mit ihrer vorlauten Klappe die unbeliebtesten bei den Mitschülern und auch den Lehrern.
Die nächste Gruppe besteht aus zwei Familien: Die "Extrovertierten" und deren Gegenstück, die "Introvertierten".
Die Extrovertierten sind meist weiblich und fallen weniger mit ihren guten Noten wie mit ihrer großen Klappe auf. Immer einen dummen Spruch auf den Lippen, will jede Schülergruppe mit ihnen befreundet sein. Einen Lehrer bringt die provokante Art aber nicht gerade selten auf die Palme. Man muss dazu sagen, dass man Extrovertierte vermehrt während der Pubertät auffinden kann und sich deren Zahl in den höheren Klassen oftmals drastisch dezimiert. Weibliche und männliche Exemplare der Extrovertierten in der Oberstufe haben meist einen präpubertären Humor und hätten am liebsten Beischlaf mit jedem ihrer Leherer.
Deren Gegengruppe, die Introvertierten sind mir als Lehrer deutlich lieber. Sie sitzen oftmals mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt irgendwo im Klassenzimmer und lassen mich als Lehrer ohne Proteste meinen Unterricht halten. Selbst wenn ich 1+1=3 an die Tafel schreibe, kommt aus dieser Richtung nie ein Pieps. Allerdings gilt bei dieser Gruppe: "Stille Wasser sind tief". Ob da gerade ein potenzieller Amokläufer oder einfach ein in sich gekehrter Gothic in meinem Unterricht sitzt, darüber bin ich mir nicht immer im Klaren.
Meine persönliche Lieblingsgruppe (ironisch!) sind die "Besserwisser" und "Reinbrüller".
Diese können im Unterricht partout nicht ihre Klappe halten. Entweder werden Lösungen einfach in den Raum geschrien oder aber der kleinste Fehler der Mitschüler oder der Lehrer wird sofort laut kommentiert und gezeigt: "Manchmal ist der Schüler eben schlauer als der Lehrer". Dass der Lehrer sich in einer dezent anderen Situation befindet, als der Schüler, der seinen Hintern 45 Minuten auf den Stuhl breitdrückt und Sauerstoff verbraucht, dass bedenken beide Gruppen nicht wirklich.
Oftmals gehören deren Vertreter gleichzeitig zu den "Strebern" oder den "Extrovertierten".
Dann gibt es die Gruppe jener, die speziell in den höheren Klassen vorkommen, nämlich die "Ewigpubertierenden". Die Jungs dieser Gruppe finden es noch immer total cool, alles als "schwul" oder "gay" zu deklarieren und in den Pausen aufeinander zu liegen oder "voll cool rumzuschwuchteln". Von den Ewigpubertierenden Mädchen werden diese Jungs bewundert. Die Damen dieser Gruppe stehen noch immer auf Justin Bieber und One Direction und kreischen wie die 9-jährigen, wenn sie in den kleinen Pausen einen "Song" von diesem "Sänger" oder der "Boygroup" anhören. Von reiferen Mitschülern oder den Lehrern werden Vertreter aus dieser Gruppe gerne auf's Korn genommen, jedoch verstehen die wenigsten von ihnen die Witze, die über sie gemacht werden.
Lediglich bei Bemerkungen gegen den aufallend kindischen Kleidungs- oder Musikstil kann man eine aggressive Haltung provozieren. Doch schnell wird wieder zur Tagesordnung übergegangen: Über jede Kleinigkeit 45 Minuten kichern, denn mehr können Ewigpubertierende nicht.
Als Politiklehrer wird man gerne mit dem Analogon zu den "politischen Fanatikern" konfrontiert. Auch hier kann man ähnliche Unterklassen bilden wie bei den Lehrern:
1.) Der/Die Linke: Meist ein Schüler mit Migrationshintergrund. Wird man kritisch seiner/ihrer Herkunft gegenüber kann das für den Lehrer in einem großen Desaster ändern. Ich habe das noch nie persönlich erlebt, da ich Politik nicht unterrichte, aber man hört doch so einiges. So soll jemand gute Gegenargumente für einen Türkeibeitritt in die EU gefunden haben, woraufhin fast eine Schlägerei ausgebrochen sein soll. Aber auch Schüler ohne Migrationshintergrund, die mehr macht den Arbeitern fordern und sich über die soziale Martkwirtschaft beschweren (dann aber bei McD dinieren und Tomaten aus nicht-ökologischem Anbau in Marokko kaufen) findet man häufig in dieser Gruppe. Liegen im Dauerzoff mit den "Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Meist ein Schüler, der sich zu viel über die Weltkriege erzählen lassen hat und jetzt alles, was anders ist als er/sie schlichtweg blöd findet. Häufig sind diese in ländlichen Regionen anzutreffen, denn "was der Bauer nicht kennt, mag er auch nicht". Diese Schüler finden immer wieder Argumente gegen Ausländer und haben Angst davor, dass ihre Traktoren bald eine türkische Bedienungsanleitung haben. Meist belegen sie das naturwissenschaftliche Profil, denn außer Englisch braucht man ja keine andere Sprache. Muss man dennoch Französisch belegen, fallen gerne Sätze wie "Nous détestons la France!". Heimlich essen diese Schüler aber dann doch Döner oder beim Chinesen, weil der eine totale Ausnahme zu ihrer politischen Einstellung bildet.
3.) Der/Die Grüne: Fällt zuerst mit der Kleidung auf. Diese sieht nämlich aus,wie wenn sie aus der Altkleidersammlung käme ich meine natürlich wie wenn sie aus nachhaltigem Biobaumwollenanbau stamme. Meist veranstalten Schüler dieser Gruppe Spontandemos oder drehen das Thema im Unterricht so, dass sie über Gentechnik lästern können. Sind im Gegensatz zu ihrem Lehrerpendant deutlich aggressiver, wenn jemand deren Weltbild kritisiert. Wir wollen schließlich alle Donnerstags "Veggie-Day" in der Kantine.
4.) Der/Die politisch Neutrale: Diese Schüler machen oft einen großen Bogen um die anderen Familien dieser Gruppe und wenn der Unterricht mal wieder ausgeartet ist, weil man sich mit einem Thema kritisch auseinandersetzt, ziehen sich diese Schüler gerne in die letzte Reihe zurück und knabbern genüsslich Popcorn oder Chips, während sich ihre Klassenkameraden vor lauter Fanatismus fast die Köpfe einschlagen.
Tja, jetzt sollte man sich 2x überlegen, wer es in der Schule schwer hat! ;)
Ende
Anmerkungen/Kommentare:
Diese Geschichte dient lediglich zur Unterhaltung!
Da sitzen die verschiedensten Sorten von Lehrern in so einem Lehrerzimmer. Besser wie in jedem Zoo kann man dort die verschiedensten Spezies beobachten. Voller Stolz präsentiere ich nun meine Recherchen, mit deinen ich ein Buch über die Systematik von Lehrern schreiben könnte:
Beginnen möchte ich mit den Lehrern, die eigentlich gar keine Kinder mochten. Diese kommen dann jeden Morgen total brummig in das Klassenzimmer und lassen ihre Schulstunde wie vom Band ablaufen. Zwischenfragen waren nicht geduldet und dementsprechend sind die Notenschnitte in jeder Klassenarbeit unteriridisch. Diese Sorte von Lehrer versteht dies aber nicht und wundert sich, warum die Eltern irgendwann alarmiert Sturm laufen, da es reihenweise Kinder gibt, die wegen diesem Lehrer in den Bereich der Versetzungsgefährdung rutschen.
Dann gibt es die Lehrer, die ich persönlich mit der Überschrift "Don't worry, be happy" oder "YOLO" betiteln würde. Diese wissen eigentlich selbst nicht so recht, warum sie in der Schule sitzen. Selbst hatten sie in ihrer Schulzeit weniger mit ihrem eigenen Wissen geglänzt, als mit irgendeiner pseudo-"coolen" Aktion, bei der sie beinahe das Schulhaus niedergebrannt hatten. Heute machen sie sich ein schönes Leben auf A13 und legen Arzttermine nicht selten auf eine Unterrichtsstunde, anstatt Goethe und Schiller durchzukauen. "Find' ich ja auch öde, die Kinder werden schon ihre Beschäftigung finden."
Die dritte Gruppe, die uns als Schülern das Leben zur Hölle gemacht hat waren die, die wohl selbst nie Schüler gewesen waren oder denen im Studium als Leitsatz "Je mehr, desto besser!", vermittelt wurde. Dieser Typus kam mit einer Tonne Unterrichtsmaterial in das Klassenzimmer gestürmt, immer schon 5 Minuten zu früh, es könnte ja etwas verpasst werden. Der Unterricht war dann ebenso vollgepackt wie ihre Reden. Ist es möglich, 45 Minuten ohne Unterbrechung zu reden? Ja, denn diese Gruppe Lehrer kann das. Aber offenbar reichen 5 Seiten Tafelanschrieb, 10 Arbeitsblätter und ein halbes Schulbuch pro Stunde nicht aus. Die ohnehin schon vollkommen überforderten Schüler sollen dann am besten auf gestern noch ein 20-seitiges Essay verfassen, in dem die frühgeschichtliche Pädagogik im alten Rom mit Bezug auf das heutige System in Griechenland dargestellt werden soll. Aber wehe, es sind nicht alle Quellen angegeben oder es hat sich ein inhaltlicher Fehler eingeschlichen. Denn dieser Lehrer ist darauf ausgelegt, sehr penibel und genau zu sein, was ihn dazu führt, dass er in 5 Wochen noch auf dem kleinsten Fehler herumreitet.
Die nächste Gruppe, die ich gerne vorstellen möchte sind die "Frauen-/Männerrechtler". Diese sind als Frauen total emanzipiert und lassen dies die männlichen Kursteilnehmer spüren. Denn eigentlich hat in der modernen Gesellschaft die Frau die Hosen an. Nach ihrem narzisstischen Weltbild sollten Männer ähnlich wie in einem Bienenstock nur als minderwertige Drohnen und zum Erhalt der Frauenwelt dienen. Bei Klassenarbeiten liest sie gerne die neueste Ausgabe der 'Emma'. Es gibt ein seltenes Analogon zu Männern, die entweder mit einem Mann verheiratet sind oder sich zu Hause von ihrer Ehefrau verprügeln lassen müssen. Diese hassen alles in ihrer Klasse, was Brüste hat oder noch welche bekommt und ist einer Organisation für unterdrückte Männer. Während die Frauenrechtlerin durch ihr starkes Auftreten und ihren militärischen Befehlston auffällt, ist der Männerrechtler mehr wie ein Schatten an der Wand, den man bei Eintritt in den Klassenraum gar nicht sofort bemerken kann. Bei beiden hat jeweils das andere Geschlecht die schlechtesten Noten oder muss ständig Strafarbeiten machen.
Ebenfalls einen Namen in der Schülerlandschaft hat sich der "Nachkriegsveteran" gemacht. Er ist meinstens männlich und steht schon kurz vor der Pensionierung (oder vielleicht auch schon 5 Jahre darüber?). Er liebt es, in seinen Unterrichtsstunden alte Geschichten von der Front zu erzählen. Dabei spielt es keine Rolle, was er genau unterrichtet, denn selbst in Biologie kann man anstatt über die öde Primula veris lieber darüber reden, wie es in Schützengraben damals ausgesehen hatte. Der Lehrer erzielt mit die besten Noten der ganzen Schule. Wie soll er denn auch schlechte Zensuren vergeben? Hat man bei ihm keinen Geschichtsunterricht, hat man sowieso die wenigste Zeit etwas klausurrelevantes gelernt.
Nicht zu vernachlässigen ist die Gruppe der "politischen Fanatiker". Diese sind gerne Lehrer für dieses Fach, können aber auch Sport oder bildende Kunst unterrichten. Diese Gruppe von Lehrern hat die Gabe, ihre politische Meinung immer wieder geschickt irgendwo zu verstecken. Man muss sie allerdings anhand ihrer Gesinnung noch einmal in verschiedene Familien unterteilen:
1.) Der/Die Linke: Diese Gruppe von Lehrern sieht in jedem Kommentar, der nur in die Richtung von Mitbürgern geht eine Verschwörung von Rechts. In einer Präsentation heißt das dann nicht "Schwarze" sondern "stark pigmentierte Mitbürger", sonst gibt's Abzug. Sie liegen im ewigen Clinch mit "den Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Die verfeindete Gruppe "der Linken". Diese sehen in allen ausländischen Schülern eine Gefahr für das eigene Kulturgut und scheuen nicht davor zurück diese, zum Beispiel anhand ihrer Noten, zu diskriminieren. Dass ihre Kleidung aber aus Bangladesch stammt und sie am liebsten Baguette oder Croissant frühstücken, dass ignoriert diese Gruppe gerne. Denn ähnlich wie "die Grünen" kaufen diese Lehrer ihre Hemden nur aus deutschen Nähereien und essen in Wahrheit "Stangenweißbrot" und "Hörnchen".
3.) Der/Die Grüne: Definitiv noch die harmloseste aller politischen Lehrergruppierungen. Diese wollen zwar alles verbieten, was nicht aus nachhaltigem-bio-ökö-kontrolliertem Anbau stammt, treten ihren Schülern gegenüber aber weit friedlicher auf. Sie berichten in ihren Stunden gerne über ihre letzte Anti-Atomkraft-Demo oder wie sie ein Genmaisfeld vernichtet haben, aber die Schüler, die das nicht interessiert, dürfen den Klassenraum verlassen oder Musik hören. In die Angriffsformen gehen solche Lehrer erst über, wenn sie öffentlich mit Fakten konfrontiert werden, die gegen erneuerbare Energien oder für Atomkraft sprechen. Diese Schüler haben dann das Schuljahr über Redeverbot und erhalten die schlechtesten Noten.
4.) Die "Politik-ist-schwachsinnig"-Familie: Diese hassen die oben genannten und gehören streng genommen eigentlich nicht zur Gruppe der Fanatiker. Denn wie sie wissen, haben sie keinen Einfluss auf sämtliches Staatsgeschehen und gehen in der Regel nicht zu den Wahlen. Den Politikteil in der Zeitung überlesen diese Lehrer getrost, denn es gibt wichtigeres im Leben, zum Beispiel die Sport- oder Kulturrubrik der regionalen Umschau.
Weg von der Politik, hin zu den Verhaltensweisen im speziellen, denn dort verbreitet die Gruppe der "Sympathisanten" Angst und Schrecken. Doch hier muss man in der unterscheidung extrem aufpassen, denn es gibt 2 Familien von ihnen:
Bei der ersten Hälfte bezieht sich das "sympathisch" keinesfalls auf den Lehrer, sondern auf dessen Angewohnheit, seine Schüler nach Sympathie zu selektieren. Hat der Lehrer seine Lieblingsschüler von seinen unbeliebten Schülern differenziert, kann man in den Klassenarbeiten getrost auf das Lernen verzichten. Egal was man schreibt, irgendwie ist es entweder alles richtig oder alles falsch. Man kann sich noch so oft im Unterricht melden und noch so gute Thesen aufstellen, wenn man unbeliebt ist, dann kommt man nicht über eine 3+ als mündliche Tendenz.
Die zweite Familie der "Sympathisanten" ist der beste Freund des Schülers. Er sucht instinktiv die Nähe seiner Klasse und versucht so ungezwungen und lässig aufzutreten, wie nur irgend möglich. Viele Schüler lassen sich davon blenden und sind dann total begeistert von diesem Lehrer und himmeln ihn regelrecht an. Jedoch hat dieser Lehrer seine ganz eigenen Ziele. Entweder möchte er in Wahrheit seine Kollegen in die Pfanne reiten und sucht nur nach Geschichten über sie oder er zeigt in den Klassenarbeiten sein wahres Gesicht. Doch er hat immer einen Trumpf. "Ne 5? Ist doch total egal, Herr Kühne ist trotzdem cool!".
Die vorletzte Gruppe, die mir bei meinen Recherchen untergekommen ist, sind die "Frustrierten". Diese haben den Alterszenit bereits überschritten und entwickeln starke Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihren jungen Schülerinnen und Schüler, mit denen sie einfach nicht mehr mithalten können. Entweder versuchen sie dann krampfhaft, zu den "Junggebliebenen" zu gehören und setzen alles daran, sich in die "Sympathisanten"-Gruppe zu quetschen. Einige flüchten sich dann in eine Mischung aus Nachkriegsveteran und Politiker und zeigen ihren Schülern deutlich, dass sie das Interesse am Lehrberuf verloren haben und eigentlich nur noch auf die Pensionierung warten.
Abschließen möchte ich meinen Bericht mit einer sehr exotischen Gruppe, da sie in den Augen der Schüler praktisch nie ihr wahres Gesicht zeigen: Die Königinnen und Könige der Doppelmoral.
Diese predigen in ihren Unterrichtsstunden über Nächstenliebe und für soziale Aktivitäten und versuchen, jeden ihrer Schüler in Schutz zu nehmen. Hinter verschlossenen Türen, also ab der Schwelle des Lehrerzimmers, setzen Vertreter aus dieser Gruppe dann ihre Maske ab und lassen ihren wahren Gedanken freien Lauf. Gerade noch den "Dicken Harry" aus der Klasse in Schutz genommen und die anderen auf dessen Charakter verwiesen, fallen von den Herrschern der Doppelmoral nun Sätze wie "Das Opfer sollte doch besser die Schule wechseln" oder "Bei den Eltern wundert mich gar nichts mehr". Manchmal fallen von dieser Gruppe bösartige Bemerkungen auch im Unterricht, diese sind aber intellektuell so gut verpackt, dass lediglich 2 von 30 Schülern diese verstehen. Diese sind dann meist die Lieblinge der Könige und Königinnen der Doppelmoral und haben dadurch einen unsichtbaren Schutz gegen sämtliche Bemerkungen entwickelt.
Doch wer jetzt denkt: Hach, die Schüler sind so arm bei den Lehrern, denen möchte ich im gleichen Atemzug die Gegendarstellung präsentieren, denn Schüler können genauso unausstehlich sein!
Hier beginne ich mit den seit Jahrhunderten bekannten "Strebern". Diese Gruppe glänzt durch sämtliche Versuche, dem Lehrkörper in den Hintern zu kriechen und so an gute Noten zu kommen. Als Lehrer kann ich das ganz gut beurteilen, denn diese kommen mir immer öfter unter. Was diese Gruppe nicht bedenkt ist, dass der Lehrer auch nicht blöd ist und eine Schleimspur quer durch das Schulgebäude sich weder bei mir noch bei meinen Kollegen positiv auswirkt. Wer es dennoch darauf anlegt, seine "supertollen" Leistungen zu zeigen, der muss damit rechnen, dass bunte Blümchen am Heftrand die Qualität der oftmals mittelmäßigen Antworten nicht heben können. Im Gegenteil, wer sich als besonders Leistungsfähig präsentiert, der muss auch höhere Anforderungen als seine Klassenkameraden erfüllen. Ich persönlich würde sagen, dass man sich das besser mehrfach überlegen und sein übergroßes Wissen lieber bei sich behalten sollte. Schon zu meinen Schulzeiten waren diese Menschen mit ihrer vorlauten Klappe die unbeliebtesten bei den Mitschülern und auch den Lehrern.
Die nächste Gruppe besteht aus zwei Familien: Die "Extrovertierten" und deren Gegenstück, die "Introvertierten".
Die Extrovertierten sind meist weiblich und fallen weniger mit ihren guten Noten wie mit ihrer großen Klappe auf. Immer einen dummen Spruch auf den Lippen, will jede Schülergruppe mit ihnen befreundet sein. Einen Lehrer bringt die provokante Art aber nicht gerade selten auf die Palme. Man muss dazu sagen, dass man Extrovertierte vermehrt während der Pubertät auffinden kann und sich deren Zahl in den höheren Klassen oftmals drastisch dezimiert. Weibliche und männliche Exemplare der Extrovertierten in der Oberstufe haben meist einen präpubertären Humor und hätten am liebsten Beischlaf mit jedem ihrer Leherer.
Deren Gegengruppe, die Introvertierten sind mir als Lehrer deutlich lieber. Sie sitzen oftmals mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt irgendwo im Klassenzimmer und lassen mich als Lehrer ohne Proteste meinen Unterricht halten. Selbst wenn ich 1+1=3 an die Tafel schreibe, kommt aus dieser Richtung nie ein Pieps. Allerdings gilt bei dieser Gruppe: "Stille Wasser sind tief". Ob da gerade ein potenzieller Amokläufer oder einfach ein in sich gekehrter Gothic in meinem Unterricht sitzt, darüber bin ich mir nicht immer im Klaren.
Meine persönliche Lieblingsgruppe (ironisch!) sind die "Besserwisser" und "Reinbrüller".
Diese können im Unterricht partout nicht ihre Klappe halten. Entweder werden Lösungen einfach in den Raum geschrien oder aber der kleinste Fehler der Mitschüler oder der Lehrer wird sofort laut kommentiert und gezeigt: "Manchmal ist der Schüler eben schlauer als der Lehrer". Dass der Lehrer sich in einer dezent anderen Situation befindet, als der Schüler, der seinen Hintern 45 Minuten auf den Stuhl breitdrückt und Sauerstoff verbraucht, dass bedenken beide Gruppen nicht wirklich.
Oftmals gehören deren Vertreter gleichzeitig zu den "Strebern" oder den "Extrovertierten".
Dann gibt es die Gruppe jener, die speziell in den höheren Klassen vorkommen, nämlich die "Ewigpubertierenden". Die Jungs dieser Gruppe finden es noch immer total cool, alles als "schwul" oder "gay" zu deklarieren und in den Pausen aufeinander zu liegen oder "voll cool rumzuschwuchteln". Von den Ewigpubertierenden Mädchen werden diese Jungs bewundert. Die Damen dieser Gruppe stehen noch immer auf Justin Bieber und One Direction und kreischen wie die 9-jährigen, wenn sie in den kleinen Pausen einen "Song" von diesem "Sänger" oder der "Boygroup" anhören. Von reiferen Mitschülern oder den Lehrern werden Vertreter aus dieser Gruppe gerne auf's Korn genommen, jedoch verstehen die wenigsten von ihnen die Witze, die über sie gemacht werden.
Lediglich bei Bemerkungen gegen den aufallend kindischen Kleidungs- oder Musikstil kann man eine aggressive Haltung provozieren. Doch schnell wird wieder zur Tagesordnung übergegangen: Über jede Kleinigkeit 45 Minuten kichern, denn mehr können Ewigpubertierende nicht.
Als Politiklehrer wird man gerne mit dem Analogon zu den "politischen Fanatikern" konfrontiert. Auch hier kann man ähnliche Unterklassen bilden wie bei den Lehrern:
1.) Der/Die Linke: Meist ein Schüler mit Migrationshintergrund. Wird man kritisch seiner/ihrer Herkunft gegenüber kann das für den Lehrer in einem großen Desaster ändern. Ich habe das noch nie persönlich erlebt, da ich Politik nicht unterrichte, aber man hört doch so einiges. So soll jemand gute Gegenargumente für einen Türkeibeitritt in die EU gefunden haben, woraufhin fast eine Schlägerei ausgebrochen sein soll. Aber auch Schüler ohne Migrationshintergrund, die mehr macht den Arbeitern fordern und sich über die soziale Martkwirtschaft beschweren (dann aber bei McD dinieren und Tomaten aus nicht-ökologischem Anbau in Marokko kaufen) findet man häufig in dieser Gruppe. Liegen im Dauerzoff mit den "Rechten".
2.) Der/Die Rechte: Meist ein Schüler, der sich zu viel über die Weltkriege erzählen lassen hat und jetzt alles, was anders ist als er/sie schlichtweg blöd findet. Häufig sind diese in ländlichen Regionen anzutreffen, denn "was der Bauer nicht kennt, mag er auch nicht". Diese Schüler finden immer wieder Argumente gegen Ausländer und haben Angst davor, dass ihre Traktoren bald eine türkische Bedienungsanleitung haben. Meist belegen sie das naturwissenschaftliche Profil, denn außer Englisch braucht man ja keine andere Sprache. Muss man dennoch Französisch belegen, fallen gerne Sätze wie "Nous détestons la France!". Heimlich essen diese Schüler aber dann doch Döner oder beim Chinesen, weil der eine totale Ausnahme zu ihrer politischen Einstellung bildet.
3.) Der/Die Grüne: Fällt zuerst mit der Kleidung auf. Diese sieht nämlich aus,
4.) Der/Die politisch Neutrale: Diese Schüler machen oft einen großen Bogen um die anderen Familien dieser Gruppe und wenn der Unterricht mal wieder ausgeartet ist, weil man sich mit einem Thema kritisch auseinandersetzt, ziehen sich diese Schüler gerne in die letzte Reihe zurück und knabbern genüsslich Popcorn oder Chips, während sich ihre Klassenkameraden vor lauter Fanatismus fast die Köpfe einschlagen.
Tja, jetzt sollte man sich 2x überlegen, wer es in der Schule schwer hat! ;)
Ende
Anmerkungen/Kommentare:
Diese Geschichte dient lediglich zur Unterhaltung!
Dienstag, 25. Februar 2014
Mobbing - Was geschah danach? (Teil 2 von "Mobbing")
Nachdem Martin nun endlich wieder ein großes Stück an Normalität zurückbekommen hatte, veränderte sich sein Leben schlagartig.
Zuerst begann alles damit, dass sich seine Noten deutlich verbesserten. Während er nach Ende von Klasse Neun noch in das untere Drittel gehörte und die Zeugnislandschaft von Dreien und Vieren gerprägt war, arbeitete er sich Stück für Stück in das Mittelfeld und schließlich in das obere Drittel.
Er fand nach und nach den Anschluss in die Klassengemeinschaft und hatte sich bald einen beschaulichen Freundeskreis aufgebaut.
Zu Beginn wurde er noch oft gefragt, was es mit der Geschichte der letzten Jahre genau auf sich hatte. Er erzählte die Geschichte noch sehr oft, denn nicht nur seine Mitschüler, auch die Lehrer, die ihn ohne Angabe von Gründen in Richtung Rektorat schicken mussten, wollten wissen, warum es mit Martin in den letzten Jahren ein stetiges Auf und Ab gegeben hatte.
Einmal fragte einer eine Lehrerin, welche ebenfalls dafür bekannt war, dass sie sich für Opfer von Mobbingattacken einsetzte, wie es denn mit seinen persönlichen Gedanken ausgesehen hatte und ob er daran gedacht hatte, sich umzubringen.
Diese Frage stimmte Martin nachdenklich. Denn ironischerweise hatte er sich während der ganzen Zeit, selbst als er jeden Tag nur gelitten hatte, genau daran nie gedacht. Suizid war keine Option gewesen und Martin konnte nur jedem in der gleichen Situation raten, sein Leben nicht derart achtlos wegzuwerfen. Denn das war es nicht wert. In keiner Situation und schon gar nicht wegen anderen Leuten, die in ihrer Freizeit Defizite egal welcher Art abbauen mussten. Aus jeder Situation gab es einen Ausweg, seien es schlechte Noten in der Schule, Mobbing oder andere Probleme. Selbst wenn man sich noch so verloren fühlt oder ein Licht am Ende des Tunnels noch so schwer zu erkennen ist: Es gibt nichts, was man mit einem Menschenleben auf die Waage legen könnte.
Doch die Vergangenheit ließ Martin nicht los. Er trat in den örtlichen Musikverein ein, in dem es einige Leute gab, die damals in seiner Nachbarschaft wohnten und sich mitangesehen hatten, wie die Familie damals aus der Wohnung geworfen wurde. Doch der Fokus lag weniger dort, wie in der Tatsache, dass sich das Verhältnis speziell zu Tom und seiner Familie in einer Art änderte. Diese kann man als normal denkender Mensch wohl nicht begreifen.
Als in der Straße eine Baustelle zwecks eines neuen Gehweges eingerichtet und die Straße so schmal war, dass nicht einmal mehr ein Mensch und ein Auto aneinander vorbeikamen, durchquerte Martin gedankenlos die Passage. Marietta, die Mutter von Tom wollte zur gleichen Zeit die Straße hinauf fahren und musste so ebenfalls durch den Abschnitt. Sie sah genau, dass Martin gerade hindurch laufen wollte, aber anstatt anzuhalten gab sie Gas und streifte Martin leicht, welcher sich gerade noch auf die Mauer, welche sich neben ihm befand, flüchten konnte.
Wie in einem schlechten Horrorfilm oder Psycho-Thriller ging die Familie von Tom der von Martin nicht aus dem Weg, wenn man sich auf der Straße stand, sondern blieb stehen und schrie fast schon überschwänglich und bittersüß "Hallo, na' wie geht's euch?". Dies hatte jedoch keinesfalls etwas mit einem Friedensangebot zu tun, sondern war pure Provokation.
Nachdem Tom den Führerschein bekommen hatte, blendete er wie ein Verrückter auf, sobald er Martin oder jemanden aus seiner Familie sah, egal ob ebenfalls im Auto oder auf der Straße.
Einmal fuhr Martin gerade die Straße nach oben, als Tom direkt vor ihm den gleichen Weg eingeschlagen hatte. Dieser hielt dann mitten auf der Straße an und setzte sogar immer weiter zurück, auch wenn er damit den kompletten Verkehr aufhielt. Selbst dass sämtliche Nachbarn die ganze Szenerie beobachteten und vermutlich den geistigen Horizont von Tom in Frage stellten, das schien ihn in diesem Moment nicht zu interessieren.
Wie es alle, die selbst auf dem Land wohnen wohl sehr gut kennen, wurde auch hier versucht, der Ruf von Martins' Familie in den Schmutz gezogen zu werden. Marietta war selbst zu den Nachbarn gegangen und hatte versucht, ihnen "Wahrheiten und Tatsachen" über die Familie zu erzählen. Dies hatte sie allerdings so ungeschickt und widersprüchlich angestellt, dass im Endeffekt wohl ihre eigene Glaubwürdigkeit deutlich darunter gelitten hatte.
Doch das war noch lange nicht die Spitze des Eisberges. Mitten in der Nacht, es musste im Sommer gewesen sein, saß Martin mit seiner Familie auf der Veranda. Oberhalb verlief eine kleine Straße und in dieser Nacht liefen Tom und einige seiner Freunde dort entlang. "Spasten! Wichser! Arschlöcher". Und das waren noch die harmlosesten Beleidigungen, die von dort oben hinunter schallten.
Einige Wochen später flog eine mit Steinen befüllte Getränkedose hinab und hätte um ein Haar die Scheibe der Balkontüre zerschmettert.
Bis heute ist keine vollständige Ruhe eingekehrt, aber deswegen das Feld räumen und das geliebte Eigenheim aufgeben? Niemals! Heute nicht, morgen nicht und in 20 Jahren auch nicht.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Vorab: Alles, was hier niedergeschrieben wurde, habe ich genau so erlebt. Viele Dinge sind nur Extrembeispiele und es gibt noch einiges mehr, was vorgefallen ist und noch bis heute vorfällt.
Ansonsten gibt es keine Fragen, die sich unter Umständen stellen (eventuell die Fragen bei "Mobbing")
Zuerst begann alles damit, dass sich seine Noten deutlich verbesserten. Während er nach Ende von Klasse Neun noch in das untere Drittel gehörte und die Zeugnislandschaft von Dreien und Vieren gerprägt war, arbeitete er sich Stück für Stück in das Mittelfeld und schließlich in das obere Drittel.
Er fand nach und nach den Anschluss in die Klassengemeinschaft und hatte sich bald einen beschaulichen Freundeskreis aufgebaut.
Zu Beginn wurde er noch oft gefragt, was es mit der Geschichte der letzten Jahre genau auf sich hatte. Er erzählte die Geschichte noch sehr oft, denn nicht nur seine Mitschüler, auch die Lehrer, die ihn ohne Angabe von Gründen in Richtung Rektorat schicken mussten, wollten wissen, warum es mit Martin in den letzten Jahren ein stetiges Auf und Ab gegeben hatte.
Einmal fragte einer eine Lehrerin, welche ebenfalls dafür bekannt war, dass sie sich für Opfer von Mobbingattacken einsetzte, wie es denn mit seinen persönlichen Gedanken ausgesehen hatte und ob er daran gedacht hatte, sich umzubringen.
Diese Frage stimmte Martin nachdenklich. Denn ironischerweise hatte er sich während der ganzen Zeit, selbst als er jeden Tag nur gelitten hatte, genau daran nie gedacht. Suizid war keine Option gewesen und Martin konnte nur jedem in der gleichen Situation raten, sein Leben nicht derart achtlos wegzuwerfen. Denn das war es nicht wert. In keiner Situation und schon gar nicht wegen anderen Leuten, die in ihrer Freizeit Defizite egal welcher Art abbauen mussten. Aus jeder Situation gab es einen Ausweg, seien es schlechte Noten in der Schule, Mobbing oder andere Probleme. Selbst wenn man sich noch so verloren fühlt oder ein Licht am Ende des Tunnels noch so schwer zu erkennen ist: Es gibt nichts, was man mit einem Menschenleben auf die Waage legen könnte.
Doch die Vergangenheit ließ Martin nicht los. Er trat in den örtlichen Musikverein ein, in dem es einige Leute gab, die damals in seiner Nachbarschaft wohnten und sich mitangesehen hatten, wie die Familie damals aus der Wohnung geworfen wurde. Doch der Fokus lag weniger dort, wie in der Tatsache, dass sich das Verhältnis speziell zu Tom und seiner Familie in einer Art änderte. Diese kann man als normal denkender Mensch wohl nicht begreifen.
Als in der Straße eine Baustelle zwecks eines neuen Gehweges eingerichtet und die Straße so schmal war, dass nicht einmal mehr ein Mensch und ein Auto aneinander vorbeikamen, durchquerte Martin gedankenlos die Passage. Marietta, die Mutter von Tom wollte zur gleichen Zeit die Straße hinauf fahren und musste so ebenfalls durch den Abschnitt. Sie sah genau, dass Martin gerade hindurch laufen wollte, aber anstatt anzuhalten gab sie Gas und streifte Martin leicht, welcher sich gerade noch auf die Mauer, welche sich neben ihm befand, flüchten konnte.
Wie in einem schlechten Horrorfilm oder Psycho-Thriller ging die Familie von Tom der von Martin nicht aus dem Weg, wenn man sich auf der Straße stand, sondern blieb stehen und schrie fast schon überschwänglich und bittersüß "Hallo, na' wie geht's euch?". Dies hatte jedoch keinesfalls etwas mit einem Friedensangebot zu tun, sondern war pure Provokation.
Nachdem Tom den Führerschein bekommen hatte, blendete er wie ein Verrückter auf, sobald er Martin oder jemanden aus seiner Familie sah, egal ob ebenfalls im Auto oder auf der Straße.
Einmal fuhr Martin gerade die Straße nach oben, als Tom direkt vor ihm den gleichen Weg eingeschlagen hatte. Dieser hielt dann mitten auf der Straße an und setzte sogar immer weiter zurück, auch wenn er damit den kompletten Verkehr aufhielt. Selbst dass sämtliche Nachbarn die ganze Szenerie beobachteten und vermutlich den geistigen Horizont von Tom in Frage stellten, das schien ihn in diesem Moment nicht zu interessieren.
Wie es alle, die selbst auf dem Land wohnen wohl sehr gut kennen, wurde auch hier versucht, der Ruf von Martins' Familie in den Schmutz gezogen zu werden. Marietta war selbst zu den Nachbarn gegangen und hatte versucht, ihnen "Wahrheiten und Tatsachen" über die Familie zu erzählen. Dies hatte sie allerdings so ungeschickt und widersprüchlich angestellt, dass im Endeffekt wohl ihre eigene Glaubwürdigkeit deutlich darunter gelitten hatte.
Doch das war noch lange nicht die Spitze des Eisberges. Mitten in der Nacht, es musste im Sommer gewesen sein, saß Martin mit seiner Familie auf der Veranda. Oberhalb verlief eine kleine Straße und in dieser Nacht liefen Tom und einige seiner Freunde dort entlang. "Spasten! Wichser! Arschlöcher". Und das waren noch die harmlosesten Beleidigungen, die von dort oben hinunter schallten.
Einige Wochen später flog eine mit Steinen befüllte Getränkedose hinab und hätte um ein Haar die Scheibe der Balkontüre zerschmettert.
Bis heute ist keine vollständige Ruhe eingekehrt, aber deswegen das Feld räumen und das geliebte Eigenheim aufgeben? Niemals! Heute nicht, morgen nicht und in 20 Jahren auch nicht.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Vorab: Alles, was hier niedergeschrieben wurde, habe ich genau so erlebt. Viele Dinge sind nur Extrembeispiele und es gibt noch einiges mehr, was vorgefallen ist und noch bis heute vorfällt.
Ansonsten gibt es keine Fragen, die sich unter Umständen stellen (eventuell die Fragen bei "Mobbing")
Montag, 24. Februar 2014
Mobbing
6:00 Uhr. Der Wecker klingelt und Martin erwacht aus seinem kurzen und nicht gerade erholsamen Schlaf.
"Oh je, erst Mittwoch, ich muss also wieder in diese furchtbare Schule..", denkt er, bevor er aufsteht und sich für die Schule fertig macht.
Martin ist in der neunten Klasse eines Gymnasiums und eckte immer bei einigen seiner Mitschüler an. Vorallem jedoch waren es die, die aus dem gleichen Ort kommen, wie er selbst und sogar in der gleichen Nachbarschaft wohnen, sogar im gleichen Haus.
Er denkt an verscheidene Szenarien aus seinem Leben. Unter anderem an eine, die sich im Winter vor 3 Jahren abgespielt hat, denn dort begann eine sehr schwere Zeit, die sich über Jahre hinweg ziehen sollte:
Er war mit Pascal, einem Schulfreund, der gleichzeitig sein Nachbar war, zur Rodelbahn gegangen. Zu Beginn war alles wie immer und es waren noch einige andere Klassenkameraden der beiden dabei. Plötzlich wurde Pascal übermütig und fand in Maik einen Partner und gemeinsam begannen sie, auf Martin herumzuhacken.
"In der Schule bist du ja nicht gerade ne' Leuchte. Wahrscheinlich bleibst du sitzen und schaffst nichtmal den Schulabschluss. Du bist so dumm!". Man musste an dieser Stelle anmerken, dass die beiden anderen Jungs in der Schule auch eher mit ihrem auffälligen Verhalten, als mit guten Noten glänzten und es schwer zu unterscheiden war, wann sie es auch wirklich ernst meinten und wann es lediglich necken war. Allerdings sollte es heute nicht nur bei verbalen Attacken bleiben.
Pascal kam auf Martin zu und stellte seinen Schuh auf seinen Schlitten. Martin versuchte noch, ihn wegzuziehen und nach Hause zu gehen, aber zu spät. Obwohl Pascal genau wusste, dass Martin hinter ihm stand, holte er zum Fußtritt auf eine Schneekugel aus und traf Martin direkt im Gesicht. Das Blut floss in dicken Tropfen aus Nase und Mund. Maik hatte sich daraufhin mit hämischem Grinsen im Gesicht direkt aus dem Staub gemacht. Pascal sah geschockt aus und entschuldigte sich grinsend mit "Sorry, sorry. Echt, das war nicht mit Absicht!".
Martin hatte genug, er ging mit seinem Schlitten nach Hause. Schon nach kurzer Zeit hörte er Pascal ihm "Jetzt hab' dich doch nicht so. So schlimm ist das auch wieder nicht!", nachrufen.
Martins Mutter reagierte geschockt und als er ihr schilderte, wie sich Pascal verhalten hatte, wusste sie nur einen Ausweg: Mit Pascals' Mutter über die Situation sprechen.
Dies war nicht allzuschwer, da beide Familien im gleichen Haus wohnten und man wusste, wann der Andere von der Arbeit nach Hause kam.
An den Dialog kann sich Martin nur noch bruchstückhaft erinnern. Er weiß aber noch genau, wie Ellen, die Mutter von Pascal reagiert hatte und wie schnell sich die ganze Situation entgleist war.
"Ellen, warte kurz. Ich muss mit dir sprechen.", suchte Martins Mutter das Gespräch. "Ja, klar, was ist denn los? Du siehst geschockt aus. Ist denn was passiert?", fragte Ellen.
"Das kann man so sagen!", erwiderte Martins Mutter. "Weißt du, dass dein Sohn heute Martin das Gesicht blutig getreten hat und es nicht für nötig gehalten hat, sich zu entschuldigen?". "Wie bitte?!", antwortete Ellen daraufhin geschockt. "Ja okay, ich werde mit ihm über die Sache reden und ihm sagen, dass er sich doch zu entschuldigen hat, aber du übertreibst doch auch maßlos, dein Martin ist auch alles andere als ein Engel!".
Diese Aussage war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Martins Mutter wurde nun lauter und strenger im Ton. "Das ist doch nicht das erste Mal, dass dein Sohn über die Stränge schlägt und andere Kinder grundlos verletzt! Kannst oder willst du das nicht einsehen?", raunte sie.
Ellen verschwand in ihrer Wohnung und die Tür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss.
Am nächsten Morgen saß Pascal auf der Treppe und wartete auf Martin, da die beiden morgens normalerweise gemeinsam zur Bushaltestelle gingen.
"Martin, also.. Das, was dort gewesen ist, das tut mir leid, wirklich. Es kommt auch nich wieder vor und ich möchte nicht, dass wir deswegen keine Freunde mehr sein können, nimmst du die Entschuldigung an?".
Martin bejahte und dachte sich bei der Sache nicht mehr wirklich viel. Er hoffte, dass sich die Situation nun ändern und mehr Ruhe einkehren würde.
Doch schon auf der Bushaltestelle sollte er des Gegenteils überzeugt werden. Maik und sein bester Freund Tom warteten dort bereits und schon als sich Martin und Pascal näherten, fing Tom an, zu sticheln.
"Na, ist deine hässliche Fratze wieder verheilt und hast du dich wieder ausgesponnen?", warf er hämisch in Martins Richtung. "Bist' ja eh gleich wieder zu Mutti gerannt, damit sie das für dich regelt", kam es plötzlich aus Maiks' Richtung und Pascal stellte sich neben die beiden und setzte noch einen darauf. "Genau, ich hätte mich sonst doch nicht bei dir entschuldigt, das war doch nicht mit Absicht. Und jetzt wo ich es mir so überlege, geschieht es dir doch gerade Recht!".
Martin verstand die Welt nicht mehr. Aus den anfänglichen Provokationen wurden immer mehr handfeste Angriffe auf Martin und diese blieben nicht nur verbal.
In den nächsten Tagen und Wochen wurden Martins Schulsachen versteckt, durch das Klassenzimmer und sogar aus dem Fenster geworfen, er wurde grundlos beleidigt. Das waren nicht nur normale Schimpfwörter wie "Dummkopf", sondern Beleidigungen, die weit unter die Gürtellinie gingen.
In Absprache mit seinen Eltern zog Martin die Vertrauenslehrer und den Schulleiter ins Vertrauen. Er war fast jeden Tag auf dem Rektorat und musste seine Situation schildern. Nach der Schule war er mit dem Vertrauenslehrer alleine und erklärte ihm, was an den Tagen passiert war. Er führte Protokoll. Seine Noten litten sehr unter der Situation und Martin drohte sogar, in den unteren Bereich zu rutschen und unter Umständen das Schuljahr wiederholen zu müssen.
Es kam zu zahlreichen Konfrontationen und der Schulleiter drohte sogar mit Schulausschluss, jedoch lief jede Konfrontation etwa gleich ab: Der Rektor erklärte gemeinsam mit dem Vertrauenslehrer die Situation und konfrontierte Pascal, Maik und Tom mit den Vorwürfen. Diese zeigten sich wenig einsichtig und am Ende wurde sich symbolisch die Hand gegeben. An der Situation änderte sich jedoch nur wenig.
Einzig Pascal witterte die Gefahr und ließ irgendwann von Martin ab. Dies war allerdings zur gleichen Zeit, als die Familie von Martin aus der Mietwohnung gekündigt werden sollte. Die Nachbarn waren von Ellen stark beeinflusst und die halbe Straße stand gemeinsam bei der Vermietung vor der Türe und forderte den Rauswurf der Familie. Für einen Außenstehenden wirkt diese Situation etwas unwirklich, allerdings war sie genau so passiert. Die Familie von Martin wollte lediglich ihre Ruhe haben und distanzierte sich stark von den anderen Mietern. Allerdings gab es oft lautstarke Streits, meist zwischen der Mutter von Martin und Ellen. Diese sahen in Ellen die arme, unschuldige Frau, welche völlig zu Unrecht angegangen wurde und halfen ihr, indem sie Dinge erfanden wie zum Beispiel, dass die Familie von Martin nie die Mülltonnen an die Straße stellen würde oder die Haustüre offen stehen ließe und gingen damit dann zur Vermietung
Dieser ließ sich in letzter Instanz dazu bringen, dass er die Familie vor die Tür setzte und für die Wohnung Eigenbedarf anmeldete. Als die Familie von Martin auszog, standen alle Nachbarn an ihren Fenstern und auf den Balkonen und machten spöttische Bemerkungen. Die ganze Situation glich einer Hexenverfolgung im Mittelalter und so fühlte es sich auch an: Von allen regelrecht gehasst und verspottet zu werden, dass kann niemand spurlos an sich vorübergehen lassen.
Glücklicherweise konnte der Umzug relativ schnell vonstatten gehen und die Familie zog in ihr eigenes Häsuchen, zwar im gleichen Ort aber doch eher abgelegen. Die Familie hoffte, dass nun mehr Ruhe in ihr Leben einkehren würde.
Zu Beginn war das auch eindeutig der Fall und auch in der Schule schien Ruhe einzukehren. Martin fand allmählich wieder zu einem angemessenen Leistungsniveau zurück und konnte so eine Ehrenrunde abwenden. Die Familie wohnte nun in der gleichen Straße wie Tom. Er und Martin verstanden sich gut und auch die abfälligen Kommentare gab es nicht mehr. Dass man dem Frieden jedoch nicht trauen durfte, das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Das Verhältnis zwischen Tom und Martin änderte sich mit der Zeit. Die beiden waren mittlerweile in der achten Klasse angekommen und es schien sich eine ähnliche Situation einzustellen, wie vor einem Jahr mit Pascal. Martin hatte nicht immer Zeit und auch nicht immer Lust, etwas mit Tom zu unternehmen, der offenbar jeden Tag alles tat, außer an die Schule zu denken.
Angefangen hatte jetzt alles damit, dass Martin von Tom wegen seiner mittlerweile recht guten Noten provoziert wurde. "Alles nicht so schlimm, der wird sich schon wieder fangen", dachte Martin. Doch das genaue Gegenteil war der Fall: Tom suchte wieder die Nähe zu Maik, dessen Umgang ihm seine Mutter verboten hatte. Sie verbrachten wieder mehr gemeinsame Zeit und das bekam Martin deutlich zu spüren. Während er von Maik festgehalten wurde, warf Tom sämtliche Stifte und anderen Inhalt von Martins' Mäppchen quer durch das Klasssenzimmer. Die anderen Mitschüler saßen alle regungslos auf ihren Plätzen und suchten mit ihrem Blicken das Weite, als Martin um Hilfe bat.
Als er an einem anderen Morgen von der Toilette zurückkehrte, war dann plötzlich seine Schultasche verschwunden und erst als der Lehrer kam, stellte Martin fest, dass sie von aus dem Fenster geworfen worden war.
Der Lehrer, der die Klasse in dieser Stunde unterrichten sollte, bekam das Szenario hautnah mit. Martin konnte sich bis heute an diese Situation erinnern. Wenn man Herrn Pfeiffer so sah, rechnete man eigentlich mit dem Klischee-Pädagogen, der sich alles ansah, für sich selbst im Kopf analysierte und das Mandat dann an die Vertrauenslehrer abgab. Doch nicht so Herr Pfeiffer. Er nahm Martin mit vor das Klassenzimmer und ließ sich die komplette Situation von ihm schildern. Ausführlich und parallel dazu machte er sich einige Notizen. Er versprach Martin, dass er dagegen etwas unternehmen werde und vertraute ihm an, dass es bei seiner Tochter einen ähnlichen Fall gegeben hatte und er sich deswegen genau in Martins' Situation hineinversetzen konnte.
Zunächst ungläubig wartete Martin einige Tage ab, bis Herr Pfeiffer in einer anderen Unterrichtsstunde Tom, Maik und Jens, welchen man als kurzzeitigen "Trittbrettfahrer" bezeichnen konnte, einzeln vor den Klassenraum holte.
Was Martin mitbekam glich es einem Verhör. Immer wieder und im Wechsel wurden die 3 Jungs vor die Tür zitiert. Dies ging solange, bis es eine schlüssige Geschichte gab und Tom, Maik und Jens das Gleiche sagten.
Doch Martins' Euphorie auf eine baldige Änderung der Situation verflog schnell. Es folgte die obligatorische Aussprache, bei der sich nur Jens aufrichtig entschuldigte und dann auch von Martin abließ und fortan einen großen Bogen um Tom und Maik machte.
Dann ging es erst richtig los, diesmal vorallem auf der gefürchteten Plattform Internet. Martin wurde mit Profileinträgen, über private Nachrichten und vorallem auf den Pinnwänden der verschiedensten Menschen öffentlich diffamiert. Kommentare wie "Der hat nen' Kurzen", "Die kleine Dreckvisage" und andere, viel schlimmere Einträge fanden dort den idealen Nährboden.
Der Familie wurde es jetzt zu bunt: Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet und dank einiger Freunde konnte Martin schnell sämtliche Einträge sammeln und die bisher angelegten Protokolle sollten ebenfalls helfen.
Doch auch hier sollten unglückliche Umstände das Leben von Martin schwer machen. Es begann damit, dass der Polizist, welcher dem Fall zugeilt wurde, aus dem gleichen Dorf wie Martin und seine Peiniger kamen und auch die Familien von Tom und Maik sehr gut kannte.
Die angelegten Protokolle wurden als "nichtig" und "beeinflusste persönliche Realität" deklariert und verloren für eine verwertbare Anzeige ihren Wert. Sämtliche Bilder von Einträgen im Internet wurden als "universell" abgestempelt, frei nach dem Motto "Das kann ja jeder sein" oder "Da hätte man jeden Namen einsetzen können".
Die Anzeige wurde fallengelassen und die strafrechtliche Verfolgung der Geschichte wurde eingestellt.
Warum man überhaupt über eine Strafanzeige nachgedacht hatte? Neben den Angriffen in der Schule wurde Martin aufgelauert, er wurde mit physischer Gewalt bedroht und festgehalten. Doch auch hier galt das Berühmte "Hier steht Aussage gegen Aussage". Im Zweifel für den Angeklagten wurde natürlich auch hier sämtliche Verfolgung eingestellt. Als "dumme Jungenstreiche" bezeichnete man die Aktionen. Dass mit Böllern der Briefkasten gesprengt wurde oder das Auto zerkratzt war, waren in den Augen der Beamten schließlich alles Kleinigkeiten. Das Auto hätte ja auch die Katze zerkratzen können und für die Sachbeschädigung mit dem Briefkasten gab es keine Zeugen.
Lediglich zu einer "Verwarnung" mit der Drohung, dass sonst eine Vorladung auf das Polizeipräsidium folgen könnte, wurde im Endeffekt erwirkt. Ein schwacher Trost, angesichts der Tatsache, dass sich Maik und Tom dadurch nicht abschrecken ließen und der Quälereien nicht müde wurden.
Tag für Tag zwang sich Martin in die Schule, um dort am liebsten auf dem Absatz kehrtzumachen.
Seine Noten vielen rapide in den Keller und wieder war Martin an der Situation angelangt, an der unter Umständen seine Zukunft nachhaltig hätte beeinflusst werden können. Doch was konnte man in solch einer Situation tun? Die einzige Möglichkeit bestand darin, die Schule zu wechseln und zu versuchen, so dem ganzen Trubel zu entgehen. Doch Martin wehrte sich wehement dagegen und dies drohte sogar, die Familie von ihm zu zerstören. Er blieb eisern und schaffte es, dass seine Eltern vom Schulwechsel abließen.
In den folgenden Wochen und Monaten stellte sich auch heraus, warum dies die beste Lösung war, die sich in dieser Situation angeboten hatte: Pascal verließ aufgrund zu schlechter Noten das Gymnasium und besuchte fortan die Realschule. Tom und Maik wollten unbedingt die Schule wechseln, nämlich auf ein technisches Gymnasium in der Nachbarstadt, wohin Martin im Zweifelsfall auch gegangen wäre, falls es zu einem Schulwechsel gekommen wäre.
Ruhiger wurde es angesichts des Schulwechsels jedoch nicht. Martin besuchte weiterhin regelmäßig das Rektorat wohl öfter, als jeder Schüler, der diese Schule jemals besucht hatte. Der Vertrauenslehrer wechselte regelmäßig und alle taten das Selbe: Hören, Analysieren, Hände schütteln. Im Endeffekt hatte das genau den selben Erfolg wie jedes Mal: Keinen.
Es kam schließlich das Ende der neunten Klasse und Tom und Maik, sowie einige ihrer Freunde, welche ab und an Trittbrettfahrer spielten, verließen das Gymnasium.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Vorab: Diese Geschichte ist autobiografisch und ungeschönt genau so passiert. Teilweise habe ich Details und einzelne Etappen weggelassen (speziell gegen Ende, da sich viele Sachen einfach wiederholten oder Tag für Tag immer das Selbe passierte), da diese sonst den Rahmen gesprengt hätten und ich wohl einen ganzen Roman damit füllen könnte. Ich werde zu dieser Geschichte eine Fortsetzung in der Gegenwart verfassen, in welcher ich aus heutiger Sicht noch einmal darüber reflektieren werde, was passiert ist und wie das ganze sich in den folgenden Monaten und Jahren entwickelt hat.
Welches Ende wäre für diese Geschichte denkbar? Was wäre wohl passiert, wenn Martin die Schule gewechselt hätte?
Im Nachhinein war mein erster Gedanke, warum die Geschichte eigentlich so gewaltlos abgelaufen ist. Was wäre ein mögliches Szenario, wenn sich Martin gewehrt hätte? War das so richtig?
Was hätte man (z.B seitens der Eltern) noch tun können?
Kennst Du/Kennen Sie eine ähnliche Situation?
Was denkst Du/denken Sie über die Verhaltensweise der Polizei, des Schulleiters, der Lehrer und der Mitschüler?
Gibt den Typ Lehrer des Herrn Pfeiffer heute noch oder ist er ein seltenes Auslaufmodell?
"Oh je, erst Mittwoch, ich muss also wieder in diese furchtbare Schule..", denkt er, bevor er aufsteht und sich für die Schule fertig macht.
Martin ist in der neunten Klasse eines Gymnasiums und eckte immer bei einigen seiner Mitschüler an. Vorallem jedoch waren es die, die aus dem gleichen Ort kommen, wie er selbst und sogar in der gleichen Nachbarschaft wohnen, sogar im gleichen Haus.
Er denkt an verscheidene Szenarien aus seinem Leben. Unter anderem an eine, die sich im Winter vor 3 Jahren abgespielt hat, denn dort begann eine sehr schwere Zeit, die sich über Jahre hinweg ziehen sollte:
Er war mit Pascal, einem Schulfreund, der gleichzeitig sein Nachbar war, zur Rodelbahn gegangen. Zu Beginn war alles wie immer und es waren noch einige andere Klassenkameraden der beiden dabei. Plötzlich wurde Pascal übermütig und fand in Maik einen Partner und gemeinsam begannen sie, auf Martin herumzuhacken.
"In der Schule bist du ja nicht gerade ne' Leuchte. Wahrscheinlich bleibst du sitzen und schaffst nichtmal den Schulabschluss. Du bist so dumm!". Man musste an dieser Stelle anmerken, dass die beiden anderen Jungs in der Schule auch eher mit ihrem auffälligen Verhalten, als mit guten Noten glänzten und es schwer zu unterscheiden war, wann sie es auch wirklich ernst meinten und wann es lediglich necken war. Allerdings sollte es heute nicht nur bei verbalen Attacken bleiben.
Pascal kam auf Martin zu und stellte seinen Schuh auf seinen Schlitten. Martin versuchte noch, ihn wegzuziehen und nach Hause zu gehen, aber zu spät. Obwohl Pascal genau wusste, dass Martin hinter ihm stand, holte er zum Fußtritt auf eine Schneekugel aus und traf Martin direkt im Gesicht. Das Blut floss in dicken Tropfen aus Nase und Mund. Maik hatte sich daraufhin mit hämischem Grinsen im Gesicht direkt aus dem Staub gemacht. Pascal sah geschockt aus und entschuldigte sich grinsend mit "Sorry, sorry. Echt, das war nicht mit Absicht!".
Martin hatte genug, er ging mit seinem Schlitten nach Hause. Schon nach kurzer Zeit hörte er Pascal ihm "Jetzt hab' dich doch nicht so. So schlimm ist das auch wieder nicht!", nachrufen.
Martins Mutter reagierte geschockt und als er ihr schilderte, wie sich Pascal verhalten hatte, wusste sie nur einen Ausweg: Mit Pascals' Mutter über die Situation sprechen.
Dies war nicht allzuschwer, da beide Familien im gleichen Haus wohnten und man wusste, wann der Andere von der Arbeit nach Hause kam.
An den Dialog kann sich Martin nur noch bruchstückhaft erinnern. Er weiß aber noch genau, wie Ellen, die Mutter von Pascal reagiert hatte und wie schnell sich die ganze Situation entgleist war.
"Ellen, warte kurz. Ich muss mit dir sprechen.", suchte Martins Mutter das Gespräch. "Ja, klar, was ist denn los? Du siehst geschockt aus. Ist denn was passiert?", fragte Ellen.
"Das kann man so sagen!", erwiderte Martins Mutter. "Weißt du, dass dein Sohn heute Martin das Gesicht blutig getreten hat und es nicht für nötig gehalten hat, sich zu entschuldigen?". "Wie bitte?!", antwortete Ellen daraufhin geschockt. "Ja okay, ich werde mit ihm über die Sache reden und ihm sagen, dass er sich doch zu entschuldigen hat, aber du übertreibst doch auch maßlos, dein Martin ist auch alles andere als ein Engel!".
Diese Aussage war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Martins Mutter wurde nun lauter und strenger im Ton. "Das ist doch nicht das erste Mal, dass dein Sohn über die Stränge schlägt und andere Kinder grundlos verletzt! Kannst oder willst du das nicht einsehen?", raunte sie.
Ellen verschwand in ihrer Wohnung und die Tür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss.
Am nächsten Morgen saß Pascal auf der Treppe und wartete auf Martin, da die beiden morgens normalerweise gemeinsam zur Bushaltestelle gingen.
"Martin, also.. Das, was dort gewesen ist, das tut mir leid, wirklich. Es kommt auch nich wieder vor und ich möchte nicht, dass wir deswegen keine Freunde mehr sein können, nimmst du die Entschuldigung an?".
Martin bejahte und dachte sich bei der Sache nicht mehr wirklich viel. Er hoffte, dass sich die Situation nun ändern und mehr Ruhe einkehren würde.
Doch schon auf der Bushaltestelle sollte er des Gegenteils überzeugt werden. Maik und sein bester Freund Tom warteten dort bereits und schon als sich Martin und Pascal näherten, fing Tom an, zu sticheln.
"Na, ist deine hässliche Fratze wieder verheilt und hast du dich wieder ausgesponnen?", warf er hämisch in Martins Richtung. "Bist' ja eh gleich wieder zu Mutti gerannt, damit sie das für dich regelt", kam es plötzlich aus Maiks' Richtung und Pascal stellte sich neben die beiden und setzte noch einen darauf. "Genau, ich hätte mich sonst doch nicht bei dir entschuldigt, das war doch nicht mit Absicht. Und jetzt wo ich es mir so überlege, geschieht es dir doch gerade Recht!".
Martin verstand die Welt nicht mehr. Aus den anfänglichen Provokationen wurden immer mehr handfeste Angriffe auf Martin und diese blieben nicht nur verbal.
In den nächsten Tagen und Wochen wurden Martins Schulsachen versteckt, durch das Klassenzimmer und sogar aus dem Fenster geworfen, er wurde grundlos beleidigt. Das waren nicht nur normale Schimpfwörter wie "Dummkopf", sondern Beleidigungen, die weit unter die Gürtellinie gingen.
In Absprache mit seinen Eltern zog Martin die Vertrauenslehrer und den Schulleiter ins Vertrauen. Er war fast jeden Tag auf dem Rektorat und musste seine Situation schildern. Nach der Schule war er mit dem Vertrauenslehrer alleine und erklärte ihm, was an den Tagen passiert war. Er führte Protokoll. Seine Noten litten sehr unter der Situation und Martin drohte sogar, in den unteren Bereich zu rutschen und unter Umständen das Schuljahr wiederholen zu müssen.
Es kam zu zahlreichen Konfrontationen und der Schulleiter drohte sogar mit Schulausschluss, jedoch lief jede Konfrontation etwa gleich ab: Der Rektor erklärte gemeinsam mit dem Vertrauenslehrer die Situation und konfrontierte Pascal, Maik und Tom mit den Vorwürfen. Diese zeigten sich wenig einsichtig und am Ende wurde sich symbolisch die Hand gegeben. An der Situation änderte sich jedoch nur wenig.
Einzig Pascal witterte die Gefahr und ließ irgendwann von Martin ab. Dies war allerdings zur gleichen Zeit, als die Familie von Martin aus der Mietwohnung gekündigt werden sollte. Die Nachbarn waren von Ellen stark beeinflusst und die halbe Straße stand gemeinsam bei der Vermietung vor der Türe und forderte den Rauswurf der Familie. Für einen Außenstehenden wirkt diese Situation etwas unwirklich, allerdings war sie genau so passiert. Die Familie von Martin wollte lediglich ihre Ruhe haben und distanzierte sich stark von den anderen Mietern. Allerdings gab es oft lautstarke Streits, meist zwischen der Mutter von Martin und Ellen. Diese sahen in Ellen die arme, unschuldige Frau, welche völlig zu Unrecht angegangen wurde und halfen ihr, indem sie Dinge erfanden wie zum Beispiel, dass die Familie von Martin nie die Mülltonnen an die Straße stellen würde oder die Haustüre offen stehen ließe und gingen damit dann zur Vermietung
Dieser ließ sich in letzter Instanz dazu bringen, dass er die Familie vor die Tür setzte und für die Wohnung Eigenbedarf anmeldete. Als die Familie von Martin auszog, standen alle Nachbarn an ihren Fenstern und auf den Balkonen und machten spöttische Bemerkungen. Die ganze Situation glich einer Hexenverfolgung im Mittelalter und so fühlte es sich auch an: Von allen regelrecht gehasst und verspottet zu werden, dass kann niemand spurlos an sich vorübergehen lassen.
Glücklicherweise konnte der Umzug relativ schnell vonstatten gehen und die Familie zog in ihr eigenes Häsuchen, zwar im gleichen Ort aber doch eher abgelegen. Die Familie hoffte, dass nun mehr Ruhe in ihr Leben einkehren würde.
Zu Beginn war das auch eindeutig der Fall und auch in der Schule schien Ruhe einzukehren. Martin fand allmählich wieder zu einem angemessenen Leistungsniveau zurück und konnte so eine Ehrenrunde abwenden. Die Familie wohnte nun in der gleichen Straße wie Tom. Er und Martin verstanden sich gut und auch die abfälligen Kommentare gab es nicht mehr. Dass man dem Frieden jedoch nicht trauen durfte, das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Das Verhältnis zwischen Tom und Martin änderte sich mit der Zeit. Die beiden waren mittlerweile in der achten Klasse angekommen und es schien sich eine ähnliche Situation einzustellen, wie vor einem Jahr mit Pascal. Martin hatte nicht immer Zeit und auch nicht immer Lust, etwas mit Tom zu unternehmen, der offenbar jeden Tag alles tat, außer an die Schule zu denken.
Angefangen hatte jetzt alles damit, dass Martin von Tom wegen seiner mittlerweile recht guten Noten provoziert wurde. "Alles nicht so schlimm, der wird sich schon wieder fangen", dachte Martin. Doch das genaue Gegenteil war der Fall: Tom suchte wieder die Nähe zu Maik, dessen Umgang ihm seine Mutter verboten hatte. Sie verbrachten wieder mehr gemeinsame Zeit und das bekam Martin deutlich zu spüren. Während er von Maik festgehalten wurde, warf Tom sämtliche Stifte und anderen Inhalt von Martins' Mäppchen quer durch das Klasssenzimmer. Die anderen Mitschüler saßen alle regungslos auf ihren Plätzen und suchten mit ihrem Blicken das Weite, als Martin um Hilfe bat.
Als er an einem anderen Morgen von der Toilette zurückkehrte, war dann plötzlich seine Schultasche verschwunden und erst als der Lehrer kam, stellte Martin fest, dass sie von aus dem Fenster geworfen worden war.
Der Lehrer, der die Klasse in dieser Stunde unterrichten sollte, bekam das Szenario hautnah mit. Martin konnte sich bis heute an diese Situation erinnern. Wenn man Herrn Pfeiffer so sah, rechnete man eigentlich mit dem Klischee-Pädagogen, der sich alles ansah, für sich selbst im Kopf analysierte und das Mandat dann an die Vertrauenslehrer abgab. Doch nicht so Herr Pfeiffer. Er nahm Martin mit vor das Klassenzimmer und ließ sich die komplette Situation von ihm schildern. Ausführlich und parallel dazu machte er sich einige Notizen. Er versprach Martin, dass er dagegen etwas unternehmen werde und vertraute ihm an, dass es bei seiner Tochter einen ähnlichen Fall gegeben hatte und er sich deswegen genau in Martins' Situation hineinversetzen konnte.
Zunächst ungläubig wartete Martin einige Tage ab, bis Herr Pfeiffer in einer anderen Unterrichtsstunde Tom, Maik und Jens, welchen man als kurzzeitigen "Trittbrettfahrer" bezeichnen konnte, einzeln vor den Klassenraum holte.
Was Martin mitbekam glich es einem Verhör. Immer wieder und im Wechsel wurden die 3 Jungs vor die Tür zitiert. Dies ging solange, bis es eine schlüssige Geschichte gab und Tom, Maik und Jens das Gleiche sagten.
Doch Martins' Euphorie auf eine baldige Änderung der Situation verflog schnell. Es folgte die obligatorische Aussprache, bei der sich nur Jens aufrichtig entschuldigte und dann auch von Martin abließ und fortan einen großen Bogen um Tom und Maik machte.
Dann ging es erst richtig los, diesmal vorallem auf der gefürchteten Plattform Internet. Martin wurde mit Profileinträgen, über private Nachrichten und vorallem auf den Pinnwänden der verschiedensten Menschen öffentlich diffamiert. Kommentare wie "Der hat nen' Kurzen", "Die kleine Dreckvisage" und andere, viel schlimmere Einträge fanden dort den idealen Nährboden.
Der Familie wurde es jetzt zu bunt: Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet und dank einiger Freunde konnte Martin schnell sämtliche Einträge sammeln und die bisher angelegten Protokolle sollten ebenfalls helfen.
Doch auch hier sollten unglückliche Umstände das Leben von Martin schwer machen. Es begann damit, dass der Polizist, welcher dem Fall zugeilt wurde, aus dem gleichen Dorf wie Martin und seine Peiniger kamen und auch die Familien von Tom und Maik sehr gut kannte.
Die angelegten Protokolle wurden als "nichtig" und "beeinflusste persönliche Realität" deklariert und verloren für eine verwertbare Anzeige ihren Wert. Sämtliche Bilder von Einträgen im Internet wurden als "universell" abgestempelt, frei nach dem Motto "Das kann ja jeder sein" oder "Da hätte man jeden Namen einsetzen können".
Die Anzeige wurde fallengelassen und die strafrechtliche Verfolgung der Geschichte wurde eingestellt.
Warum man überhaupt über eine Strafanzeige nachgedacht hatte? Neben den Angriffen in der Schule wurde Martin aufgelauert, er wurde mit physischer Gewalt bedroht und festgehalten. Doch auch hier galt das Berühmte "Hier steht Aussage gegen Aussage". Im Zweifel für den Angeklagten wurde natürlich auch hier sämtliche Verfolgung eingestellt. Als "dumme Jungenstreiche" bezeichnete man die Aktionen. Dass mit Böllern der Briefkasten gesprengt wurde oder das Auto zerkratzt war, waren in den Augen der Beamten schließlich alles Kleinigkeiten. Das Auto hätte ja auch die Katze zerkratzen können und für die Sachbeschädigung mit dem Briefkasten gab es keine Zeugen.
Lediglich zu einer "Verwarnung" mit der Drohung, dass sonst eine Vorladung auf das Polizeipräsidium folgen könnte, wurde im Endeffekt erwirkt. Ein schwacher Trost, angesichts der Tatsache, dass sich Maik und Tom dadurch nicht abschrecken ließen und der Quälereien nicht müde wurden.
Tag für Tag zwang sich Martin in die Schule, um dort am liebsten auf dem Absatz kehrtzumachen.
Seine Noten vielen rapide in den Keller und wieder war Martin an der Situation angelangt, an der unter Umständen seine Zukunft nachhaltig hätte beeinflusst werden können. Doch was konnte man in solch einer Situation tun? Die einzige Möglichkeit bestand darin, die Schule zu wechseln und zu versuchen, so dem ganzen Trubel zu entgehen. Doch Martin wehrte sich wehement dagegen und dies drohte sogar, die Familie von ihm zu zerstören. Er blieb eisern und schaffte es, dass seine Eltern vom Schulwechsel abließen.
In den folgenden Wochen und Monaten stellte sich auch heraus, warum dies die beste Lösung war, die sich in dieser Situation angeboten hatte: Pascal verließ aufgrund zu schlechter Noten das Gymnasium und besuchte fortan die Realschule. Tom und Maik wollten unbedingt die Schule wechseln, nämlich auf ein technisches Gymnasium in der Nachbarstadt, wohin Martin im Zweifelsfall auch gegangen wäre, falls es zu einem Schulwechsel gekommen wäre.
Ruhiger wurde es angesichts des Schulwechsels jedoch nicht. Martin besuchte weiterhin regelmäßig das Rektorat wohl öfter, als jeder Schüler, der diese Schule jemals besucht hatte. Der Vertrauenslehrer wechselte regelmäßig und alle taten das Selbe: Hören, Analysieren, Hände schütteln. Im Endeffekt hatte das genau den selben Erfolg wie jedes Mal: Keinen.
Es kam schließlich das Ende der neunten Klasse und Tom und Maik, sowie einige ihrer Freunde, welche ab und an Trittbrettfahrer spielten, verließen das Gymnasium.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Vorab: Diese Geschichte ist autobiografisch und ungeschönt genau so passiert. Teilweise habe ich Details und einzelne Etappen weggelassen (speziell gegen Ende, da sich viele Sachen einfach wiederholten oder Tag für Tag immer das Selbe passierte), da diese sonst den Rahmen gesprengt hätten und ich wohl einen ganzen Roman damit füllen könnte. Ich werde zu dieser Geschichte eine Fortsetzung in der Gegenwart verfassen, in welcher ich aus heutiger Sicht noch einmal darüber reflektieren werde, was passiert ist und wie das ganze sich in den folgenden Monaten und Jahren entwickelt hat.
Welches Ende wäre für diese Geschichte denkbar? Was wäre wohl passiert, wenn Martin die Schule gewechselt hätte?
Im Nachhinein war mein erster Gedanke, warum die Geschichte eigentlich so gewaltlos abgelaufen ist. Was wäre ein mögliches Szenario, wenn sich Martin gewehrt hätte? War das so richtig?
Was hätte man (z.B seitens der Eltern) noch tun können?
Kennst Du/Kennen Sie eine ähnliche Situation?
Was denkst Du/denken Sie über die Verhaltensweise der Polizei, des Schulleiters, der Lehrer und der Mitschüler?
Gibt den Typ Lehrer des Herrn Pfeiffer heute noch oder ist er ein seltenes Auslaufmodell?
Samstag, 22. Februar 2014
Welche Rolle spielt Geld im Leben?
Marianne hatte im Lotto gewonnen. Sie war eine 41-jährige Frau, deren Mann weggelaufen und die Kinder ausgezogen waren. Freunde hatte sie nur sehr wenige und auch zum restlichen Teil der Familie gab es nur noch sporadischen Kontakt.
Das Spielen hatte sie aus reiner Langeweile und Neugierde angefangen. Damit gerechnet, dass tatsächlich dieser Lottoschein ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen würde, das hatte sie definitiv nicht.
"1-5-13-21-23-41". Das waren ihre Zahlen, die sie Woche für Woche auf dem Lottoschein angekreuzt hatte. Marianne war eine Lottospielerin der Sorte "Zahlen als Symbole". Die 1, die 5 und die 13 kamen daher, dass sie am 1.5.2013 von ihrem Mann sitzen gelassen wurde. 21 und 23 waren jeweils das Alter ihrer beiden Kinder und 41 ihr eigenes.
Zunächst hatte sie garnicht mitbekommen, dass sie im Lotto gewonnen hatte, erst als sie durch das Radio erfuhr, dass sich der aktuelle Gewinner von 16 Millionen Euro nicht gemeldet hatte.
Als sie sich im Internet daraufhin die aktuellen Zahlen ansah, konnte sie im ersten Moment gar nicht begreifen, wie es um sie geschehen war.
Sie realisierte langsam, dass sie die alleinige Gewinnerin von diesem horrenden Geldbetrag war.
Nachdem sie sich überglücklich bei der Lottostelle gemeldet hatte, wusste sie zuerst nicht, was sie mit dem ganzen Geld jetzt anstellen sollte.
Sie zog ihre beiden Kinder ins Vertrauen und gab den beiden so viel Geld, dass sie das Studium ohne Geldsorgen finanzieren und vorallem aus den kleinen Einraumwohnungen ausziehen konnten. Jens und Clara waren überglücklich und versprachen, ihren Mund zu halten.
Doch irgendwie musste die ganze Sache publik geworden sein. Plötzlich rief Margot, eine Schwester Mariannes', die es vor vielen Jahren nach Fernost gezogen hatte, an. Sämtliche Freunde, von denen Marianne nicht einmal mehr wusste, dass sie existierten suchten den Kontakt und plötzlich stand Rüdiger, ihr Ex-Ehemann, reumütig vor der Türe.
Dazu kamen noch zahlreiche Fremde, welche sie bedrohten und bettelten.
"Gib' mir 100.000€ von deinem Geld und deinen Kindern wird nichts passieren!", "Ich brauche Geld, meine ganze Familie steht auf der Straße, zeigen sie doch ihre Gutherzigkeit!". Das waren nur zwei von den hunderten Briefen, die sich binnen weniger Wochen in Mariannes' Briefkasten verirrt hatten.
Auch auf der Straße wurde sie nicht nur von aufsässigen Reportern belagert, die unbedingt einen Artikel über die Veränderung von ihrem Leben schreiben wollten, auch Nachbarn und völlig Fremde suchten ihre Nähe und "wollten sie besser kennenlernen".
Marianne kam kaum noch aus dem Haus. Dieser plötzliche Druck, der von Außen auf sie ausgeübt wurde, setzte ihr stark zu. Sie fasste einen Entschluss: Raus aus Deutschland, eine Reise quer durch die Welt. Gesagt, getan. Bereits früh am nächsten Tag begab sich Marianne in Richtung Flughafen und bereitete die Wohnung auf ihre Abreise vor.
Ihre erste Station sollte Afrika sein. Als erstes Land hatte sich Marianne die Elfenbeinküste ausgesucht. Bereits als Kind wollte sie unbedingt genau dorthin, weil sie außer den Elefanten im Zoo noch nie einen echten gesehen hatte. Außerdem hatte sie sich ein weiteres Ziel gesetzt: Den armen Menschen dort zu helfen. Sie wusste, dass durch den Bürgerkrieg das ganze Staatssystem gelitten hatte und sogar heute noch Kinder als Sklaven oder billige Arbeitskräfte ausgebeutet wurden.
Da dies aber nur eine von vielen Etappen auf ihrer langen Reise sein sollte, hatte sie nur drei Tage pro Land.
Doch die reichten völlig: Sie machte eine Safari, besuchte zahlreiche Heime und machte Bekanntschaft mit vielen wunderbaren Personen. Sie spendete eine Million ihres Lottogewinns, verteilt auf verschiedene Heime und Projekte, damit es den Menschen dort besser ging, bevor sie weiter nach Südafrika reiste.
Dort wollte sie in erster Linie an sich selbst denken und in Kapstadt einige Tage Urlaub machen. Sie genoss die Zeit dort und machte sich gleichzeitig einige Notizen über die Frage, welche Rolle Geld in der "modernen" Gesellschaft spielt.
1.) Je weniger ein Mensch zum Leben hat, umso genügsamer und auch glücklicher ist er.
-> Warum ist das so? Die Menschen hier müssen am Existenzminimum leben und sind trotzdem glücklich.
Mit jedem Land, dass sie aus Gründen der Hilfe bereiste, wollte Marianne ihre Gedanken erweitern und versuchen, die Fragen zu beantworten, welche sich neben ihren Erkenntnissen ergaben.
Nach ihrem kurzen Aufenthalt in Kapstadt, wechselte Marianne den Kontinent. Es sollte nach Asien gehen. Hier wollte sie unter anderem die Kehrseite der Industrieländer Japan und China erkennen, aber auch Myanmar und Laos standen auf dem Plan, denn unter Anderem diese Länder müssen sich im Schatten der "Tigerstaaten" (so nannte man die Länder, welche durch schnelles und dynamisches Wirtschaftswachstum es vom Entwicklungs- zum Industrieland geschafft hatten) durch Landwirtschaft und Arbeit zum Billiglohn über Wasser halten.
In China und Japan waren ihre Erkenntnisse sehr eindeutig von vorallem sehr ähnlich. Auch hier waren die armen Menschen zufrieden mit dem, was sie hatten. Die Arbeit, sei sie noch so schwer und unterbezahlt, machte diese Leute glücklich. Allerdings musste Marianne auch erkennen, dass es in diesen gesellschaftlichen Strukturen verheerende Schluchten gab. Menschen, die zum Beispiel aufgrund eines Handicaps oder anderen Gründen nicht arbeiten konnten, wurden in Heime abgeschoben, in denen katastrophale Zustände herrschten.
Sie unterstütze auch hier verschiedene Heime und Projekte auf dem Land (beispielsweise eine Vereinigung, die Menschen auf dem Land medizinische Versorgung gewährleistete) mit jeweils mehr als einer Million ihres Gewinnes.
2.) Haben die Menschen Geld, werden sie immer gieriger und wollen mehr.
-> Benötigt man unbedingt materiellen Reichtum, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen?
In Laos und Myanmar besuchte Marianne Kloster und lebte einige Zeit wie die Geistlichen. Diese Erfahrung beeinflusste ihr bisheriges Denken und ihre bisherige Sichtweise komplett.
Einer der Mönche sagte zu ihr, dass es früher lange nicht so ausgeprägt war. Früher hieß es, dass Geld und materielle Besitztümer nicht glücklich machten. Heute musste man Dinge wie "Geld mach nicht glücklich, aber lieber bin ich auf einer Yacht wie auf dem Feld unglücklich", lesen und hören.
Diese Einstellung beeinflusst dann selbst die Menschen auf dem Land und es vollzieht sich ein kompletter Sinneswandel, die Gesellschaft verändert sich.
3.) Die Gesellschaft verändert sich durch Geld negativ. Macht Geld glücklich?
-> Nein, im Gegenteil. Geld verändert die Menschen und Neid und Habgier sind an der Tagesordnung.
Mariannes letzte Stationen waren Peru und Chile in Südamerika. Auch hier wusste sie, dass die sozialen Gegensätze teilweise auf engstem Raum nicht größer sein konnten. Sie war in den tiefen der Slums und sprach mit den Menschen und fragte sie nach ihrer Situation.
Viele beschuldigten die Politik und die Regierungen, dass sie nichts gegen die Gegensätze unternahmen und nur den großen Firmen oder sich selbst die Taschen füllten. Sie beklagten, dass es für sie kaum eine Chance gab, eine Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu beginnen.
Hier half Marianne den Organisationen, auch in den abgelegenen Teilen der Länder, Schulen zu bauen und die Menschen direkt zu unterstützen. Sie verweilte am Ende über ein halbes Jahr im Südamerika und hatte mittlerweile einen großen Teil ihres Gewinnes verbraucht.
Sie zog ihr Notizbuch aus der Tasche und schrieb:
4.) Gehen wir richtig mit unserem Geld um? Predigt nicht die Politik immer am stärksten von Nächstenliebe und Unterstützung? Könnte man so die Kriminalität, die in vielen armen Ländern herrscht, eindämmen?
Mit diesen Fragen und vielen Erfahrungen kehrte Marianne nach Hause zurück. Sie lies einen Artikel veröffentlichen, in dem sie von ihren Erfahrungen berichtete. Sie hoffte, dass dadurch auch die ständigen Betteleien und Bedrohungen endlich ihr Ende finden würden, zumal sie von ihrem Gewinn gerade noch so viel übrig hatte, dass sie nicht mehr arbeiten musste, aber gut leben konnte.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Gehen wir heutzutage falsch mit Geld um?
Verändert Geld den Geist der Menschen?
Hättet ihr ähnlich gehandelt wie Marianne?
Wird Marianne wohl nun in Ruhe gelassen werden oder werden die Belästigungen weitergehen? Was wäre denkbar?
Wie findest/finden Du/Sie die Ansätze, die Marianne während ihrer Reise niedergeschrieben hat?
Was wären mögliche Antworten auf die Fragen, die offen geblieben sind?
Das Spielen hatte sie aus reiner Langeweile und Neugierde angefangen. Damit gerechnet, dass tatsächlich dieser Lottoschein ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen würde, das hatte sie definitiv nicht.
"1-5-13-21-23-41". Das waren ihre Zahlen, die sie Woche für Woche auf dem Lottoschein angekreuzt hatte. Marianne war eine Lottospielerin der Sorte "Zahlen als Symbole". Die 1, die 5 und die 13 kamen daher, dass sie am 1.5.2013 von ihrem Mann sitzen gelassen wurde. 21 und 23 waren jeweils das Alter ihrer beiden Kinder und 41 ihr eigenes.
Zunächst hatte sie garnicht mitbekommen, dass sie im Lotto gewonnen hatte, erst als sie durch das Radio erfuhr, dass sich der aktuelle Gewinner von 16 Millionen Euro nicht gemeldet hatte.
Als sie sich im Internet daraufhin die aktuellen Zahlen ansah, konnte sie im ersten Moment gar nicht begreifen, wie es um sie geschehen war.
Sie realisierte langsam, dass sie die alleinige Gewinnerin von diesem horrenden Geldbetrag war.
Nachdem sie sich überglücklich bei der Lottostelle gemeldet hatte, wusste sie zuerst nicht, was sie mit dem ganzen Geld jetzt anstellen sollte.
Sie zog ihre beiden Kinder ins Vertrauen und gab den beiden so viel Geld, dass sie das Studium ohne Geldsorgen finanzieren und vorallem aus den kleinen Einraumwohnungen ausziehen konnten. Jens und Clara waren überglücklich und versprachen, ihren Mund zu halten.
Doch irgendwie musste die ganze Sache publik geworden sein. Plötzlich rief Margot, eine Schwester Mariannes', die es vor vielen Jahren nach Fernost gezogen hatte, an. Sämtliche Freunde, von denen Marianne nicht einmal mehr wusste, dass sie existierten suchten den Kontakt und plötzlich stand Rüdiger, ihr Ex-Ehemann, reumütig vor der Türe.
Dazu kamen noch zahlreiche Fremde, welche sie bedrohten und bettelten.
"Gib' mir 100.000€ von deinem Geld und deinen Kindern wird nichts passieren!", "Ich brauche Geld, meine ganze Familie steht auf der Straße, zeigen sie doch ihre Gutherzigkeit!". Das waren nur zwei von den hunderten Briefen, die sich binnen weniger Wochen in Mariannes' Briefkasten verirrt hatten.
Auch auf der Straße wurde sie nicht nur von aufsässigen Reportern belagert, die unbedingt einen Artikel über die Veränderung von ihrem Leben schreiben wollten, auch Nachbarn und völlig Fremde suchten ihre Nähe und "wollten sie besser kennenlernen".
Marianne kam kaum noch aus dem Haus. Dieser plötzliche Druck, der von Außen auf sie ausgeübt wurde, setzte ihr stark zu. Sie fasste einen Entschluss: Raus aus Deutschland, eine Reise quer durch die Welt. Gesagt, getan. Bereits früh am nächsten Tag begab sich Marianne in Richtung Flughafen und bereitete die Wohnung auf ihre Abreise vor.
Ihre erste Station sollte Afrika sein. Als erstes Land hatte sich Marianne die Elfenbeinküste ausgesucht. Bereits als Kind wollte sie unbedingt genau dorthin, weil sie außer den Elefanten im Zoo noch nie einen echten gesehen hatte. Außerdem hatte sie sich ein weiteres Ziel gesetzt: Den armen Menschen dort zu helfen. Sie wusste, dass durch den Bürgerkrieg das ganze Staatssystem gelitten hatte und sogar heute noch Kinder als Sklaven oder billige Arbeitskräfte ausgebeutet wurden.
Da dies aber nur eine von vielen Etappen auf ihrer langen Reise sein sollte, hatte sie nur drei Tage pro Land.
Doch die reichten völlig: Sie machte eine Safari, besuchte zahlreiche Heime und machte Bekanntschaft mit vielen wunderbaren Personen. Sie spendete eine Million ihres Lottogewinns, verteilt auf verschiedene Heime und Projekte, damit es den Menschen dort besser ging, bevor sie weiter nach Südafrika reiste.
Dort wollte sie in erster Linie an sich selbst denken und in Kapstadt einige Tage Urlaub machen. Sie genoss die Zeit dort und machte sich gleichzeitig einige Notizen über die Frage, welche Rolle Geld in der "modernen" Gesellschaft spielt.
1.) Je weniger ein Mensch zum Leben hat, umso genügsamer und auch glücklicher ist er.
-> Warum ist das so? Die Menschen hier müssen am Existenzminimum leben und sind trotzdem glücklich.
Mit jedem Land, dass sie aus Gründen der Hilfe bereiste, wollte Marianne ihre Gedanken erweitern und versuchen, die Fragen zu beantworten, welche sich neben ihren Erkenntnissen ergaben.
Nach ihrem kurzen Aufenthalt in Kapstadt, wechselte Marianne den Kontinent. Es sollte nach Asien gehen. Hier wollte sie unter anderem die Kehrseite der Industrieländer Japan und China erkennen, aber auch Myanmar und Laos standen auf dem Plan, denn unter Anderem diese Länder müssen sich im Schatten der "Tigerstaaten" (so nannte man die Länder, welche durch schnelles und dynamisches Wirtschaftswachstum es vom Entwicklungs- zum Industrieland geschafft hatten) durch Landwirtschaft und Arbeit zum Billiglohn über Wasser halten.
In China und Japan waren ihre Erkenntnisse sehr eindeutig von vorallem sehr ähnlich. Auch hier waren die armen Menschen zufrieden mit dem, was sie hatten. Die Arbeit, sei sie noch so schwer und unterbezahlt, machte diese Leute glücklich. Allerdings musste Marianne auch erkennen, dass es in diesen gesellschaftlichen Strukturen verheerende Schluchten gab. Menschen, die zum Beispiel aufgrund eines Handicaps oder anderen Gründen nicht arbeiten konnten, wurden in Heime abgeschoben, in denen katastrophale Zustände herrschten.
Sie unterstütze auch hier verschiedene Heime und Projekte auf dem Land (beispielsweise eine Vereinigung, die Menschen auf dem Land medizinische Versorgung gewährleistete) mit jeweils mehr als einer Million ihres Gewinnes.
2.) Haben die Menschen Geld, werden sie immer gieriger und wollen mehr.
-> Benötigt man unbedingt materiellen Reichtum, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen?
In Laos und Myanmar besuchte Marianne Kloster und lebte einige Zeit wie die Geistlichen. Diese Erfahrung beeinflusste ihr bisheriges Denken und ihre bisherige Sichtweise komplett.
Einer der Mönche sagte zu ihr, dass es früher lange nicht so ausgeprägt war. Früher hieß es, dass Geld und materielle Besitztümer nicht glücklich machten. Heute musste man Dinge wie "Geld mach nicht glücklich, aber lieber bin ich auf einer Yacht wie auf dem Feld unglücklich", lesen und hören.
Diese Einstellung beeinflusst dann selbst die Menschen auf dem Land und es vollzieht sich ein kompletter Sinneswandel, die Gesellschaft verändert sich.
3.) Die Gesellschaft verändert sich durch Geld negativ. Macht Geld glücklich?
-> Nein, im Gegenteil. Geld verändert die Menschen und Neid und Habgier sind an der Tagesordnung.
Mariannes letzte Stationen waren Peru und Chile in Südamerika. Auch hier wusste sie, dass die sozialen Gegensätze teilweise auf engstem Raum nicht größer sein konnten. Sie war in den tiefen der Slums und sprach mit den Menschen und fragte sie nach ihrer Situation.
Viele beschuldigten die Politik und die Regierungen, dass sie nichts gegen die Gegensätze unternahmen und nur den großen Firmen oder sich selbst die Taschen füllten. Sie beklagten, dass es für sie kaum eine Chance gab, eine Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu beginnen.
Hier half Marianne den Organisationen, auch in den abgelegenen Teilen der Länder, Schulen zu bauen und die Menschen direkt zu unterstützen. Sie verweilte am Ende über ein halbes Jahr im Südamerika und hatte mittlerweile einen großen Teil ihres Gewinnes verbraucht.
Sie zog ihr Notizbuch aus der Tasche und schrieb:
4.) Gehen wir richtig mit unserem Geld um? Predigt nicht die Politik immer am stärksten von Nächstenliebe und Unterstützung? Könnte man so die Kriminalität, die in vielen armen Ländern herrscht, eindämmen?
Mit diesen Fragen und vielen Erfahrungen kehrte Marianne nach Hause zurück. Sie lies einen Artikel veröffentlichen, in dem sie von ihren Erfahrungen berichtete. Sie hoffte, dass dadurch auch die ständigen Betteleien und Bedrohungen endlich ihr Ende finden würden, zumal sie von ihrem Gewinn gerade noch so viel übrig hatte, dass sie nicht mehr arbeiten musste, aber gut leben konnte.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Gehen wir heutzutage falsch mit Geld um?
Verändert Geld den Geist der Menschen?
Hättet ihr ähnlich gehandelt wie Marianne?
Wird Marianne wohl nun in Ruhe gelassen werden oder werden die Belästigungen weitergehen? Was wäre denkbar?
Wie findest/finden Du/Sie die Ansätze, die Marianne während ihrer Reise niedergeschrieben hat?
Was wären mögliche Antworten auf die Fragen, die offen geblieben sind?
Freitag, 21. Februar 2014
Verantwortung
"Wie viel Verantwortung trägt eine einzelne Person gegenüber dem Freundeskreis und der Familie?".
Diese Frage hatte Joey nach einem Artikel in der Zeitung schon den ganzen Tag beschäftigt. Er selbst wusste was es hieß, einen Freundeskreis zu haben, in dem sich die Personen gegenseitig nicht mochen und auch in der Familie taten sich immer tiefere Abgründe auf.
Joey war ein 18 Jahre alter Junge, welcher momentan dabei war, die Schule mit einem Abitur abzuschließen. Er war vom Grundsatz her keine schüchterne Person aber er tat sich dennoch schwer, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen. Joey hatte dementsprechend einen kleineren Freundeskreis:
Lediglich Maria, ihr Zwillingsbruder Jonathan sowie Laura und Benjamin hatten sich dort eingefunden, zu seinen anderen Mitschülern pflegte sie lediglich oberflächliche Kontakte und leichte Freundschaften.
Doch schon hier begann das Problem, welches für Joey auch der Anlass war, über seine gesamte Situation nachzudenken. Sein Freundeskreis in dieser Konstellation war erst seit einiger Zeit am zusammenwachsen und schon gab es Konflikte an allen Ecken und Enden. Maria mochte Benjamin nicht, der mit ihrem Zwillingsbruder gut befreundet war, welcher ab und an ein Problem mit der Art von Laura hatte und auch Laura war auf Benjamin und Marias' Verhalten nicht immer gut zu sprechen. Und dann war da noch Joey: Zwischen allen Fronten. Er versuchte immer, es allen recht zu machen, was sich aber mit der Zeit als unlösbare Barrikade herausstellte.
Dazu kam noch, dass die 5 in ihrer Unterrichtszeit nur teilweise einen gemeinsamen Kurs besuchten und sich so weitere Kontakte bildeten, welche sich dann aber wieder untereinander nicht verstanden.
Die Situation war ohnehin schon kaum durchschaubar und kompliziert genug, aber da war noch Joeys' Familienumfeld: Seit Jahren schon hatten sich seine Mutter und ihre Geschwister nichts mehr zu sagen. Nachdem seine Großmutter vor 3 Jahren gestorben war, spitzte sich die Situation noch weiter zu: Außer ihm und seiner Mutter, schaute niemand mehr nach dem Großvater, obwohl dieser sogar im gleichen Haus wie Joeys' Onkel wohnte. Einen Grund für diese Situation schien schnell gefunden zu sein: Joey und seine Familie. Schon seit seiner Geburt bildeten sich immer tiefere Risse im Fundament der Familie und es kam schließlich zu mehreren Streits und einem großen Bruch.
Man betitelte seine Familie als "die Bevorzugten", welche immer eine Sonderstellung im Leben der Großeltern einnahmen. Es ging sehr schmutzig zu, teilweise wurden sogar Gerüchte und Anschuldigungen wie "unrechtmäßige finanzielle Unterstützung" (ja, dieser total umständliche und an den Haaren herbeigezogene Begriff fiel damals), losgetreten.
Joey bekam zu dieser Zeit noch nicht viel mit, da er noch ein Kleinkind war, aber schon seit er eingeschult worden war, wusste er genau, wem er vertrauen konnte und wem nicht.
Zu der Familie seines Vaters gab es nie Kontakt, diese hatten sich auch nie groß für einen Neffen oder ein Enkelkind interessiert.
Am Anfang war es für ihn eine komische Situation, wenn seine Klassenkameraden bei Festen oder der Einschulung mit ihren Großfamilien erschienen waren. Alle hatten 2 Großelternpaare, zahlreiche Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen und noch viele mehr.
Bei Joey waren es lediglich seine Eltern und ein Großelternpaar, welche ihn zu solchen Festivitäten begleiteten. Er hatte schon früh verstanden, warum die Situation so gekommen war, es zu verarbeiten gelang ihm jedoch erst sehr viel später.
Mittlerweile waren 12 Jahre vergangen, Joey stand kurz vor den schriftlichen Abiturprüfungen und trotzdem wünschte er sich manchmal, dass die Situation doch eine komplett andere sein könnte.
Er war ein sehr friedensbedürftiger Mensch, aber offenbar meinte es das Schicksal nicht gut mit ihm.
Er hatte doch alles menschenmögliche getan, um seiner Verantwortung gerecht zu werden?
Oder vielleicht doch nicht? Joey wusste es nicht genau.
Er tat alles, um wenigstens in der Schule und in seinem Freundeskreis ein einigermaßen harmonisches Verhältnis herzustellen, auch wenn das bedeutete, dass er manchmal seine Freunde zum Wohle der Gemeinschaft mehr oder weniger hintegehen musste.
Das war aber auch weniger schlimm, als es sich vielleicht anhören mag, damit war lediglich gemeint, dass er versuchte jedem neutral gegenüber zu sein und auf keine Intrigen und Lästereien einzugehen, aber das war manchmal gar nicht so leicht.
Er nahm sich seinen Block und einen Stift und versuchte zu notieren, was denn diese Verantwortung genau bedeutet.
Sein Fazit war einfach: Manchmal kann man sein Umfeld durch kleinste Handlungen sowohl im positiven als auch im negativen Sinne beeinflussen. Er kam für sich zu dem Schluss, dass die Verantwortung wohl bedeuten musste, dass er, sofern er die Vorzeichen erkannte, einschreiten musste um drohendes Unheil von sich und seinen Freunden oder der Familie ablenken musste.
Allerdings wurde ihm im gleichen Moment klar, dass das gar nicht immer ging. Gerade wenn die Fronten verhärtet sind, wie zum Beispiel in seiner Familie.
Lediglich die Freundschaft zu Benjamin und seine Stellung im Freundeskreis konnte er beeinflussen, aber wie? Sollte er versuchen, ihm offen zu sagen, dass keiner so richtig mit ihm Zeit verbringen wollte? Oder wieder "Schweigen im Sinne der Gemeinschaft"?
Er überlegte noch lange und fasste für sich einen inneren Entschluss, den er auch am nächsten Tag so durchsetzte.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Wie hättest/hätten Du/Sie als Leser dich/sich wohl entschieden? (Die Geschichte ist fiktional, weswegen sie kein "Ende" besitzt.)
Was wäre ein möglicher Lösungsansatz für die Familienfehde gewesen?
Hat Joey die Situation vielleicht gar nicht richtig beurteilen können? Wenn nein/doch, warum?
Was hältst/halten Du/Sie von dem Schluss, zu dem Joey gekommen ist?
Gab es in Deinem/Ihren Leben vielleicht schon ähnliche Situationen?
Wie hätte wohl ein möglicher Schluss der Kurzgeschichte aussehen können?
Diese Frage hatte Joey nach einem Artikel in der Zeitung schon den ganzen Tag beschäftigt. Er selbst wusste was es hieß, einen Freundeskreis zu haben, in dem sich die Personen gegenseitig nicht mochen und auch in der Familie taten sich immer tiefere Abgründe auf.
Joey war ein 18 Jahre alter Junge, welcher momentan dabei war, die Schule mit einem Abitur abzuschließen. Er war vom Grundsatz her keine schüchterne Person aber er tat sich dennoch schwer, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen. Joey hatte dementsprechend einen kleineren Freundeskreis:
Lediglich Maria, ihr Zwillingsbruder Jonathan sowie Laura und Benjamin hatten sich dort eingefunden, zu seinen anderen Mitschülern pflegte sie lediglich oberflächliche Kontakte und leichte Freundschaften.
Doch schon hier begann das Problem, welches für Joey auch der Anlass war, über seine gesamte Situation nachzudenken. Sein Freundeskreis in dieser Konstellation war erst seit einiger Zeit am zusammenwachsen und schon gab es Konflikte an allen Ecken und Enden. Maria mochte Benjamin nicht, der mit ihrem Zwillingsbruder gut befreundet war, welcher ab und an ein Problem mit der Art von Laura hatte und auch Laura war auf Benjamin und Marias' Verhalten nicht immer gut zu sprechen. Und dann war da noch Joey: Zwischen allen Fronten. Er versuchte immer, es allen recht zu machen, was sich aber mit der Zeit als unlösbare Barrikade herausstellte.
Dazu kam noch, dass die 5 in ihrer Unterrichtszeit nur teilweise einen gemeinsamen Kurs besuchten und sich so weitere Kontakte bildeten, welche sich dann aber wieder untereinander nicht verstanden.
Die Situation war ohnehin schon kaum durchschaubar und kompliziert genug, aber da war noch Joeys' Familienumfeld: Seit Jahren schon hatten sich seine Mutter und ihre Geschwister nichts mehr zu sagen. Nachdem seine Großmutter vor 3 Jahren gestorben war, spitzte sich die Situation noch weiter zu: Außer ihm und seiner Mutter, schaute niemand mehr nach dem Großvater, obwohl dieser sogar im gleichen Haus wie Joeys' Onkel wohnte. Einen Grund für diese Situation schien schnell gefunden zu sein: Joey und seine Familie. Schon seit seiner Geburt bildeten sich immer tiefere Risse im Fundament der Familie und es kam schließlich zu mehreren Streits und einem großen Bruch.
Man betitelte seine Familie als "die Bevorzugten", welche immer eine Sonderstellung im Leben der Großeltern einnahmen. Es ging sehr schmutzig zu, teilweise wurden sogar Gerüchte und Anschuldigungen wie "unrechtmäßige finanzielle Unterstützung" (ja, dieser total umständliche und an den Haaren herbeigezogene Begriff fiel damals), losgetreten.
Joey bekam zu dieser Zeit noch nicht viel mit, da er noch ein Kleinkind war, aber schon seit er eingeschult worden war, wusste er genau, wem er vertrauen konnte und wem nicht.
Zu der Familie seines Vaters gab es nie Kontakt, diese hatten sich auch nie groß für einen Neffen oder ein Enkelkind interessiert.
Am Anfang war es für ihn eine komische Situation, wenn seine Klassenkameraden bei Festen oder der Einschulung mit ihren Großfamilien erschienen waren. Alle hatten 2 Großelternpaare, zahlreiche Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen und noch viele mehr.
Bei Joey waren es lediglich seine Eltern und ein Großelternpaar, welche ihn zu solchen Festivitäten begleiteten. Er hatte schon früh verstanden, warum die Situation so gekommen war, es zu verarbeiten gelang ihm jedoch erst sehr viel später.
Mittlerweile waren 12 Jahre vergangen, Joey stand kurz vor den schriftlichen Abiturprüfungen und trotzdem wünschte er sich manchmal, dass die Situation doch eine komplett andere sein könnte.
Er war ein sehr friedensbedürftiger Mensch, aber offenbar meinte es das Schicksal nicht gut mit ihm.
Er hatte doch alles menschenmögliche getan, um seiner Verantwortung gerecht zu werden?
Oder vielleicht doch nicht? Joey wusste es nicht genau.
Er tat alles, um wenigstens in der Schule und in seinem Freundeskreis ein einigermaßen harmonisches Verhältnis herzustellen, auch wenn das bedeutete, dass er manchmal seine Freunde zum Wohle der Gemeinschaft mehr oder weniger hintegehen musste.
Das war aber auch weniger schlimm, als es sich vielleicht anhören mag, damit war lediglich gemeint, dass er versuchte jedem neutral gegenüber zu sein und auf keine Intrigen und Lästereien einzugehen, aber das war manchmal gar nicht so leicht.
Er nahm sich seinen Block und einen Stift und versuchte zu notieren, was denn diese Verantwortung genau bedeutet.
Sein Fazit war einfach: Manchmal kann man sein Umfeld durch kleinste Handlungen sowohl im positiven als auch im negativen Sinne beeinflussen. Er kam für sich zu dem Schluss, dass die Verantwortung wohl bedeuten musste, dass er, sofern er die Vorzeichen erkannte, einschreiten musste um drohendes Unheil von sich und seinen Freunden oder der Familie ablenken musste.
Allerdings wurde ihm im gleichen Moment klar, dass das gar nicht immer ging. Gerade wenn die Fronten verhärtet sind, wie zum Beispiel in seiner Familie.
Lediglich die Freundschaft zu Benjamin und seine Stellung im Freundeskreis konnte er beeinflussen, aber wie? Sollte er versuchen, ihm offen zu sagen, dass keiner so richtig mit ihm Zeit verbringen wollte? Oder wieder "Schweigen im Sinne der Gemeinschaft"?
Er überlegte noch lange und fasste für sich einen inneren Entschluss, den er auch am nächsten Tag so durchsetzte.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Wie hättest/hätten Du/Sie als Leser dich/sich wohl entschieden? (Die Geschichte ist fiktional, weswegen sie kein "Ende" besitzt.)
Was wäre ein möglicher Lösungsansatz für die Familienfehde gewesen?
Hat Joey die Situation vielleicht gar nicht richtig beurteilen können? Wenn nein/doch, warum?
Was hältst/halten Du/Sie von dem Schluss, zu dem Joey gekommen ist?
Gab es in Deinem/Ihren Leben vielleicht schon ähnliche Situationen?
Wie hätte wohl ein möglicher Schluss der Kurzgeschichte aussehen können?
Donnerstag, 20. Februar 2014
Falsche Freunde - Wahre Freunde
Lukas und Nicole kannten sich jetzt seit über 2 Jahren. Wirklich kennengelernt hatten sie sich in der Schule, als die Klassen in der Oberstufe neu gemischt wurden.
Lukas war sofort verzaubert von ihr. Ihre Art, ihr Aussehen, alles hatte gepasst. Ein Paar ist aus ihnen zwar nie geworden, aber Lukas hatte das nie weiter gestört, sie wurden sehr gute Freunde und erlebten in der Oberstufe einige Abenteuer miteinander.
Als die Abiturprüfungen anstanden, hatten sie sich gegenseitig geholfen und Mut gemacht und beide hatten den gleichen Studienwunsch: Molekulare Medizin.
Lukas hatte ein sehr gutes Abitur, weswegen ihm durch den Numerus Clausus kein Hindernis geschaffen wurde. Er schrieb sich an seiner Wunschuniversität in München ein und erhielt schon mit dem Studienplatz eine Zusage für ein Studentenwohnheim. Die Freude war groß, jedoch erhielt Nicole vorerst leider eine Absage.
Die Wochen vergingen und an einem sonnigen Sommernachmittag meldete sich Nicole plötzlich bei Lukas.
"Du wirst es nicht glauben! Ich habe eine Zulassung bekommen! Wir können gemeinsam studieren! Ist das nicht toll?".
Lukas freute sich aufrichtig mit ihr und besonders auf den Studienbeginn, da er sich jetzt keine Sorgen mehr machen musste, komplett alleine zu sein.
Zur Freude Aller erhielt Nicole sogar eine Zusage für das selbe Studentenwohnheim wie Lukas.
"Das wird die beste Zeit unseres Lebens", sagte Lukas zu Nicole. Diese freute sich ebenfalls sehr und die restlichen Monate bis zum Studienbeginn vergingen nun noch wie im Fluge.
Oktober. Sandrine, die beste Freundin von Lukas, hatte ihn noch gewarnt, er solle mit Nicole vorsichtig sein. Zu Beginn hatten die drei einen gemeinsamen Mathe-Brückenkurs, denn Sandrine wollte sich in die Welt der Physik wagen und hatte so in Mathe einige Fachüberschneidungen mit den Beiden.
Zu Beginn des Studiums war alles wunderbar und so, wie Lukas es sich vorgestellt hatte. Die neuen Leute waren zwar etwas verhalten aber "das wird sich schon geben", hatte er gedacht.
Auch Sandrine und Nicole, die schon zu Schulzeiten alles andere als Freundinnen waren, verstanden sich gut. Jedoch wusste Lukas zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass alles anders kommen würde, als er es sich bis jetzt vorgestellt hatte.
Die Zeit verging, er genoss das Leben in München in vollen Zügen und da der Herbst es dieses Jahr mit den Menschen besonders gut meinte, konnte er noch einige Male Sonne satt genießen.
Es war Ende Oktober und das Thermometer zeigte noch immer Temperaturen ab 20°C aufwärts. Ein herrliches Wetter und so verabredeten sich Lukas und Sandrine im Park, da sie sich auch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatten.
Sie saßen eine ganze Weile schweigend auf einer Parkbank und ließen die Sonne in ihre Gesichter scheinen, bis Sandrine das Schweigen brach.
"Sag mal, hast du mittlerweile eigentlich Freunde gefunden?", fragte sie. Lukas blickte sie entsetzt an und erwiderte: "Wie kommst du denn darauf? Ich hab' doch gesagt, dass das alles eine Weile dauert, bis ich mich an die ganze Lebensumstellung gewöhnt habe!". Schweigen.
"Ich möchte dich wirklich nicht verletzen oder angreifen, aber hast du dir mal überlegt, dass das ganze vielleicht ein wenig an Nicole liegen könnte? Sie ist schon immer so gewesen. So einnehmend, weißt du?".
Doch Lukas wollte das nicht hören, er wiegelte ab und ignorierte jede Warnung von Sandrine, obwohl er tief im Inneren genau wusste, dass sie mit ihren Worten komplett Recht hatte.
Er dachte an die bisherigen Tage, die er und Nicole jetzt gemeinsam studierten. Sie bestimmte immer, wo die beiden Platz nehmen sollten. Sie setzte sich immer so, dass für Lukas meist nur ein Randplatz übrig war. Sie ist eine eher schüchterne Person und so waren die beiden aufeinander angewiesen.
Jedes Tutorium, jede Übung, alles außerhalb der Universität taten die Beiden gemeinsam.
Zu Beginn für Lukas kein Problem. Er sah nicht, dass er sich damit unter seinen Kommillitonen die Kontaktaufnahme auch selbst verbaute.
Mittlerweile war das Wintersemester schon vorangeschritten und Weihnachten rückte schon in greifbare Nähe.
Nicole hatte sich verändert, in vielerlei Hinsicht. Während sie und Lukas zu Beginn der Studienzeit jeden Freitag und jeden Sonntag gemeinsam mit dem Zug nach Hause und wieder nach München gefahren waren, kamen immer öfter Ungereimtheiten dazwischen und Nicole und er fuhren immer seltener gemeinsam.
"Meine Oma ist im Krankenhaus", "Ich musste den Drucker installieren und noch lernen", "Meine Eltern bringen mich heute hin und wir gehen noch ein wenig in die Innenstadt". Das waren nur einige wenige Aussagen, welche Lukas Woche für Woche glaubte. Er wurde zwar immer misstrauischer, nicht zuletzt da Nicoles neuer Freund nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen war, aber auch Warnungen seitens Sandrine und sogar seiner Eltern konnte und wollte er nicht hören.
So lief das ganze mehr oder weniger miserabel vor sich hin, bis der Punkt kam, an dem es auch Lukas langsam dämmerte.
Er fand bei seinen Kommillitonen keinen Zugang mehr, lediglich ein, zwei Frauen hatten sich in seinem Bekanntenkreis eingefunden. Diese verstanden sich mit Nicole blendend, doch Lukas wünschte sich keinen reinen Damenbekanntenkreis. Nicole wurde immer seltsamer in ihrem Verhalten ihm gegenüber. Sie sprach immer weniger, nur über Belanglosigkeiten wie beispielsweise das Mittagessen, während sie mit ihm noch einige Wochen voher über Geldsorgen, Freundschaften und andere tiefsinnige Themen gesprochen hatte.
Sie saß in den Vorlesungen teilweise 90 Minuten fast still und regungslos neben ihm und als er sie fragte, was denn mit ihr los sei, antwortete sie nur schnippisch "Wieso? Ist doch alles in Ordnung!" und versank dann wieder in ihre Gedankenwelt.
Und da wurde ihm klar, dass er sich jetzt unter Umständen seinen ganzen Studienbeginn verbaut hatte. Die anderen Studenten hatten sich schon in ihren Grüppchen zusammengefunden und auch Nicole hatte sich ihren kleinen Frauenfreundeskreis aufgebaut, nur Lukas stand eigentlich komplett alleine da.
Sandrine feierte eines Abends ihren Geburtstag und lied aus Toleranz neben Lukas auch Nicole ein, obwohl sich die beiden nicht wirklich gut verstanden. Dieser Abend sollte einen Wendepunkt in Lukas' Leben einleiten. Ihm ging es schon den ganzen Tag nicht besonders gut. Dazu kam der ständige Stress, denn Lukas saß seit Semesterbeginn eifrig an Nacharbeitungen und Übungen für die Uni, sodass die meisten Tage dann für Lukas mit Arbeit begannen und auch endeten.
Auf Sandrines Geburtstag war er nur wenige Minuten, als es begann: Seine Hände kribbelten, ihm wurde speiübel und schwindelig. Er ging daraufhin mit Nicole nach Hause, die ihn sogar zu Fuß nach begleitete, anstatt den Bus zu nehmen.
Lukas wurde sehr krank und zusammen mit Sandrine fuhr er am nächsten Tag nach Hause. Dies zerstreute zuerst seine Zweifel, da Nicole alles mögliche tat, dass die beiden heil nach Hause kamen.
Die kommenden Wochen war Lukas nur sehr unregelmäßig in München, da es ihm immer wieder besser, dann schlechter und dann doch wieder besser ging. Als er Nicole fragte, ob sie ihm die Blätter mit dem verpassten Stoff schicken könnte, tat sie dies zwar, aber meistens erst viel später, wie Lukas sie eigentlich gebraucht hätte.
Als er mehr oder weniger genesen dann im neuen Jahr wieder nach München zurückkehrte, traf er auf die verschiedensten Leute, die sich sehr freuten, dass Lukas doch wieder zurückgekehrt war und er war ebenfalls froh, dass es ihm wieder mehr oder weniger gut ging.
Als er Nicole nach einer Vorlesung begegnete, traf ihn fast der Schock. Sie sah ihn an und fragte volkommen kühl: "Na, wie lang bleibst du dieses mal in München?".
Im Wohnheim angekommen setzte sie dem Ganzen noch die Krone auf: "Na, hast du jetzt ne' psychische oder ne' körperliche Krankheit?".
Und Lukas begriff, dass Sandrine, seine anderen Schulfreunde und seine Eltern die ganze Zeit Recht gehabt hatten.
Nicole war ein ganz anderer Mensch, als Lukas sie eingeschätzt hätte. Trotz seiner guten Menschenkenntnis.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Wie hätte wohl ein mögliches Ende der Geschichte aussehen können? Welche Konsequenz hättest/hätten Du/Sie gezogen? (Die Geschichte ist nicht fiktional, es gibt also ein Ende!)
Gab es in Deinem/Ihren Leben schon eine ähnliche Situation?
Warum hat Lukas so lange nicht erkannt, dass mit Nicole etwas nicht stimmt? Was denkst/denken Du/Sie?
Was könnte bei Nicole der Auslöser für den (recht) raschen Sinneswandel gewesen sein?
Warum hat wohl Sandrine so schnell davon abgelassen, Lukas zu überzeugen?
Lukas war sofort verzaubert von ihr. Ihre Art, ihr Aussehen, alles hatte gepasst. Ein Paar ist aus ihnen zwar nie geworden, aber Lukas hatte das nie weiter gestört, sie wurden sehr gute Freunde und erlebten in der Oberstufe einige Abenteuer miteinander.
Als die Abiturprüfungen anstanden, hatten sie sich gegenseitig geholfen und Mut gemacht und beide hatten den gleichen Studienwunsch: Molekulare Medizin.
Lukas hatte ein sehr gutes Abitur, weswegen ihm durch den Numerus Clausus kein Hindernis geschaffen wurde. Er schrieb sich an seiner Wunschuniversität in München ein und erhielt schon mit dem Studienplatz eine Zusage für ein Studentenwohnheim. Die Freude war groß, jedoch erhielt Nicole vorerst leider eine Absage.
Die Wochen vergingen und an einem sonnigen Sommernachmittag meldete sich Nicole plötzlich bei Lukas.
"Du wirst es nicht glauben! Ich habe eine Zulassung bekommen! Wir können gemeinsam studieren! Ist das nicht toll?".
Lukas freute sich aufrichtig mit ihr und besonders auf den Studienbeginn, da er sich jetzt keine Sorgen mehr machen musste, komplett alleine zu sein.
Zur Freude Aller erhielt Nicole sogar eine Zusage für das selbe Studentenwohnheim wie Lukas.
"Das wird die beste Zeit unseres Lebens", sagte Lukas zu Nicole. Diese freute sich ebenfalls sehr und die restlichen Monate bis zum Studienbeginn vergingen nun noch wie im Fluge.
Oktober. Sandrine, die beste Freundin von Lukas, hatte ihn noch gewarnt, er solle mit Nicole vorsichtig sein. Zu Beginn hatten die drei einen gemeinsamen Mathe-Brückenkurs, denn Sandrine wollte sich in die Welt der Physik wagen und hatte so in Mathe einige Fachüberschneidungen mit den Beiden.
Zu Beginn des Studiums war alles wunderbar und so, wie Lukas es sich vorgestellt hatte. Die neuen Leute waren zwar etwas verhalten aber "das wird sich schon geben", hatte er gedacht.
Auch Sandrine und Nicole, die schon zu Schulzeiten alles andere als Freundinnen waren, verstanden sich gut. Jedoch wusste Lukas zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass alles anders kommen würde, als er es sich bis jetzt vorgestellt hatte.
Die Zeit verging, er genoss das Leben in München in vollen Zügen und da der Herbst es dieses Jahr mit den Menschen besonders gut meinte, konnte er noch einige Male Sonne satt genießen.
Es war Ende Oktober und das Thermometer zeigte noch immer Temperaturen ab 20°C aufwärts. Ein herrliches Wetter und so verabredeten sich Lukas und Sandrine im Park, da sie sich auch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatten.
Sie saßen eine ganze Weile schweigend auf einer Parkbank und ließen die Sonne in ihre Gesichter scheinen, bis Sandrine das Schweigen brach.
"Sag mal, hast du mittlerweile eigentlich Freunde gefunden?", fragte sie. Lukas blickte sie entsetzt an und erwiderte: "Wie kommst du denn darauf? Ich hab' doch gesagt, dass das alles eine Weile dauert, bis ich mich an die ganze Lebensumstellung gewöhnt habe!". Schweigen.
"Ich möchte dich wirklich nicht verletzen oder angreifen, aber hast du dir mal überlegt, dass das ganze vielleicht ein wenig an Nicole liegen könnte? Sie ist schon immer so gewesen. So einnehmend, weißt du?".
Doch Lukas wollte das nicht hören, er wiegelte ab und ignorierte jede Warnung von Sandrine, obwohl er tief im Inneren genau wusste, dass sie mit ihren Worten komplett Recht hatte.
Er dachte an die bisherigen Tage, die er und Nicole jetzt gemeinsam studierten. Sie bestimmte immer, wo die beiden Platz nehmen sollten. Sie setzte sich immer so, dass für Lukas meist nur ein Randplatz übrig war. Sie ist eine eher schüchterne Person und so waren die beiden aufeinander angewiesen.
Jedes Tutorium, jede Übung, alles außerhalb der Universität taten die Beiden gemeinsam.
Zu Beginn für Lukas kein Problem. Er sah nicht, dass er sich damit unter seinen Kommillitonen die Kontaktaufnahme auch selbst verbaute.
Mittlerweile war das Wintersemester schon vorangeschritten und Weihnachten rückte schon in greifbare Nähe.
Nicole hatte sich verändert, in vielerlei Hinsicht. Während sie und Lukas zu Beginn der Studienzeit jeden Freitag und jeden Sonntag gemeinsam mit dem Zug nach Hause und wieder nach München gefahren waren, kamen immer öfter Ungereimtheiten dazwischen und Nicole und er fuhren immer seltener gemeinsam.
"Meine Oma ist im Krankenhaus", "Ich musste den Drucker installieren und noch lernen", "Meine Eltern bringen mich heute hin und wir gehen noch ein wenig in die Innenstadt". Das waren nur einige wenige Aussagen, welche Lukas Woche für Woche glaubte. Er wurde zwar immer misstrauischer, nicht zuletzt da Nicoles neuer Freund nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen war, aber auch Warnungen seitens Sandrine und sogar seiner Eltern konnte und wollte er nicht hören.
So lief das ganze mehr oder weniger miserabel vor sich hin, bis der Punkt kam, an dem es auch Lukas langsam dämmerte.
Er fand bei seinen Kommillitonen keinen Zugang mehr, lediglich ein, zwei Frauen hatten sich in seinem Bekanntenkreis eingefunden. Diese verstanden sich mit Nicole blendend, doch Lukas wünschte sich keinen reinen Damenbekanntenkreis. Nicole wurde immer seltsamer in ihrem Verhalten ihm gegenüber. Sie sprach immer weniger, nur über Belanglosigkeiten wie beispielsweise das Mittagessen, während sie mit ihm noch einige Wochen voher über Geldsorgen, Freundschaften und andere tiefsinnige Themen gesprochen hatte.
Sie saß in den Vorlesungen teilweise 90 Minuten fast still und regungslos neben ihm und als er sie fragte, was denn mit ihr los sei, antwortete sie nur schnippisch "Wieso? Ist doch alles in Ordnung!" und versank dann wieder in ihre Gedankenwelt.
Und da wurde ihm klar, dass er sich jetzt unter Umständen seinen ganzen Studienbeginn verbaut hatte. Die anderen Studenten hatten sich schon in ihren Grüppchen zusammengefunden und auch Nicole hatte sich ihren kleinen Frauenfreundeskreis aufgebaut, nur Lukas stand eigentlich komplett alleine da.
Sandrine feierte eines Abends ihren Geburtstag und lied aus Toleranz neben Lukas auch Nicole ein, obwohl sich die beiden nicht wirklich gut verstanden. Dieser Abend sollte einen Wendepunkt in Lukas' Leben einleiten. Ihm ging es schon den ganzen Tag nicht besonders gut. Dazu kam der ständige Stress, denn Lukas saß seit Semesterbeginn eifrig an Nacharbeitungen und Übungen für die Uni, sodass die meisten Tage dann für Lukas mit Arbeit begannen und auch endeten.
Auf Sandrines Geburtstag war er nur wenige Minuten, als es begann: Seine Hände kribbelten, ihm wurde speiübel und schwindelig. Er ging daraufhin mit Nicole nach Hause, die ihn sogar zu Fuß nach begleitete, anstatt den Bus zu nehmen.
Lukas wurde sehr krank und zusammen mit Sandrine fuhr er am nächsten Tag nach Hause. Dies zerstreute zuerst seine Zweifel, da Nicole alles mögliche tat, dass die beiden heil nach Hause kamen.
Die kommenden Wochen war Lukas nur sehr unregelmäßig in München, da es ihm immer wieder besser, dann schlechter und dann doch wieder besser ging. Als er Nicole fragte, ob sie ihm die Blätter mit dem verpassten Stoff schicken könnte, tat sie dies zwar, aber meistens erst viel später, wie Lukas sie eigentlich gebraucht hätte.
Als er mehr oder weniger genesen dann im neuen Jahr wieder nach München zurückkehrte, traf er auf die verschiedensten Leute, die sich sehr freuten, dass Lukas doch wieder zurückgekehrt war und er war ebenfalls froh, dass es ihm wieder mehr oder weniger gut ging.
Als er Nicole nach einer Vorlesung begegnete, traf ihn fast der Schock. Sie sah ihn an und fragte volkommen kühl: "Na, wie lang bleibst du dieses mal in München?".
Im Wohnheim angekommen setzte sie dem Ganzen noch die Krone auf: "Na, hast du jetzt ne' psychische oder ne' körperliche Krankheit?".
Und Lukas begriff, dass Sandrine, seine anderen Schulfreunde und seine Eltern die ganze Zeit Recht gehabt hatten.
Nicole war ein ganz anderer Mensch, als Lukas sie eingeschätzt hätte. Trotz seiner guten Menschenkenntnis.
Ende
Anmerkungen/Anregungen:
Wie hätte wohl ein mögliches Ende der Geschichte aussehen können? Welche Konsequenz hättest/hätten Du/Sie gezogen? (Die Geschichte ist nicht fiktional, es gibt also ein Ende!)
Gab es in Deinem/Ihren Leben schon eine ähnliche Situation?
Warum hat Lukas so lange nicht erkannt, dass mit Nicole etwas nicht stimmt? Was denkst/denken Du/Sie?
Was könnte bei Nicole der Auslöser für den (recht) raschen Sinneswandel gewesen sein?
Warum hat wohl Sandrine so schnell davon abgelassen, Lukas zu überzeugen?
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